Bin ich ohne mein Ich leer? Ist die ganze Welt Nonsens?

In die Tiefe gehend suche ich nach dem, was ich eigentlich bin. Mir scheint, ich bestehe nicht aus dem, was ich und alle für das halten, was mich ausmacht.

Das, was mich ausmacht, besteht in dem, was mir von außen oktroyiert wurde, durch meine Eltern, die Gesellschaft, vielleicht auch das, was man Karma nennt und von mir mitgebracht wurde. Auch das wurde mir irgendwann verpasst und ist nicht aus mir selber geboren, das heißt, ich habe mich nicht bewusst dafür entschieden, zumindest habe ich keine Erinnerung daran. Charakter, körperliches Erscheinungsbild, geistige Verfassung haben sich unter bestimmten von außen abhängigen Umständen herausgebildet. Ich bin also ein Produkt dessen, was mir widerfahren ist. Nähme man die Erfahrungen dieses und aller Leben hinweg, wäre ich dann leer…?

Nichts Äußeres kommt aus meinem Inneren. Und wenn doch, dann wurde durch das Innere nur eine Richtung vorgegeben, als Reaktion auf bestimmte Erfahrungen. Dies scheint der Punkt zu sein, wo ich dem Inneren näher kommen kann. Auf einen äußeren Aspekt reagieren Menschen durchaus sehr unterschiedlich. Umstände, woran einer zerbricht, können einen anderen beflügeln. Es ist so, dass Re-Aktionen stattfinden. Auch diese Re-Aktionen sind durch bestimmte Anlagen, die vorgegeben wurden, determiniert. So dass sich am Ende fragt, wo befindet sich der freie Wille? Wo befindet sich die Freiheit zu wählen?

Das Äußere und das Innere können so verschieden sein, dass man eine Verwandtschaft  schwer erkennen mag. Das Äußere kann schwarz und das Innere weiß sein…oder umgekehrt. Eines muss nichts mit dem anderen zu tun haben. So wie man einem hässlichen Menschen ein schönes Kleid überziehen kann. Allerdings wird wirkliche Schönheit für das kluge Auge auch unter einem hässlichen Kleid erkennbar sein.

Das Äußere ist das, was andere und ich selber bisher unter dem verstanden, was ich darstelle. Ich. Ich ist somit nichts, was sich notwendigerweise aus dem Inneren begründet,sondern klebt an einer Oberfläche, die sich mit der Welt und dem Leben auseinandersetzt. Sie muss sich auseinandersetzen, da die Welt da draußen die Oberfläche ernst nimmt, genauso, wie die Oberfläche denkt, die Welt ist eine ernsthafte Angelegenheit. In Wirklichkeit gibt es keine Ernsthaftigkeit an der Oberfläche. In Wirklichkeit ist alles Nonsens, die ganze Welt und meine Oberfläche, genauso wie die Oberflächen aller Menschen. Diese Oberflächen sind auswechselbar, zufällig, veränderlich. Wir können sie sofort ändern, jederzeit.

Eine facettenreiche Oberfläche gilt es zu glätten. Sie stößt sich da, reibt sich immer dort, wo sie kantig und eigen ist. Das nennen wir Leben. Je besser wir im Glätten sind, umso schwerer erscheint uns das Leben.

Doch wir müssen unser scheinbar unabänderliche Schicksal ertragen, weil wir glauben, wir sind die Oberfläche? Darin liegt der Trugschluss, dem wir erlegen sind. Unsere Gesellschaft versucht mit allen Mitteln, diesen Trugschluss aufrecht zu erhalten, denn sie lebt von ihm. Macht ist nur durchzusetzen, in dem man Menschen in ein Glaubenssystem presst, Schuld verteilt und androht, Lohn verspricht, die einen begünstigt, während den anderen das Lebensnotwendige vorenthalten wird. Machthaber müssen zuerst die Massen spalten. Gespaltene Massen verfügen auch nur über gespaltene Kräfte.

In dem Moment, wo ich begreife, dass ich nicht die Oberfläche bin und mich nicht mehr mit ihr identifiziere, bin ich frei. Frei von dem Leben, das ich geglaubt habe, führen zu müssen, weil ich eben so war, wie ich war. Mein Glaube daran, dass ich die Oberfläche bin, hat keine Veränderung zugelassen.

Genauso wie ich selber aber hält mich auch die Welt fest. Jeder Mensch in meiner Umgebung sorgt dafür, dass ich der bleibe, für den sie mich hält. Menschen wollen keine Veränderungen. Sie wollen, dass ich so bleibe, wie sie sich mir vorstellen. Ich soll das sein, was sie von mir erwarten. Wenn ich mich nicht ändere, sind sie zufrieden. Im großen Ganzen zumindest.

Doch ich bin nicht die Oberfläche. Alles was ist, ist jederzeit auswechselbar. Ich selber kann jeder Zeit meine Oberfläche verändern und bestimmen, wie sie aussieht. Aber was ist das, was sich unter der Oberfläche befindet? Wenn ich durch meine Vergangenheit, durch die Vergangenheit meiner Familie, durch meine Religion und die Verhältnisse, in die ich hineingeboren wurde bestimmt wurde….Was bleibt, wenn diese Dinge nicht mehr gelten? Es bleibt ein wacher, leerer, wahrnehmender Geist, es bleibt das, was wahrnimmt. Und was nimmt er wahr? Das, was er selbst auswählt. Es schließt sich der Kreis. Es ist unser Verhängnis, dass wir in diesem Kreislauf scheinbar gefangen sind. Erkennen wir diese Gefangenschaft, erhalten wir damit den Schlüssel zum Ausbruch. Doch die Welt in der wir zu leben glauben, will uns halten, weil sie ohne uns nicht existieren kann. Sie braucht uns, um zu überleben und wir, fühlen wir uns nur lebendig, wenn wir uns an ihr reiben?

Ich nehme an, ich bin das, was sich öffnet für bestimmte Energien, die durch mich fließen. Würde ich dann sagen, ich bin diese Energien, ich definiere mich durch die Energien, die mich berühren und durch mich hindurch gehen, wäre dies nicht richtig. Denn ich bin nur so etwas, wie ein Apparat, der diese Energien wahrnehmen und empfangen kann. Was also bin ich? Ich bin ein wahrnehmendes Bewusstsein, welches (erst einmel theoretisch) dazu in der Lage ist, aus den durch ihn fließenden Energien auszuwählen. Ich habe also die Wahl. Doch was ich wähle, wird letztlich auch nicht von mir entschieden… Oder? Wer trifft die Wahl?

„Jetzt schau dir die Welt an, sagte meine mentale Führung. Ist sie nicht dasselbe wie der Geist?“ (aus „Leben nach dem Tod“ von Deepak Chopra)

 

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Die magische Drei

Auffällig ist, dass alles Wichtige in meinem Leben drei Mal geschah. Ich studierte drei Mal, bekam drei Kinder, hatte drei Männer – nicht Liebhaber, sondern Männer – lebte in drei Ländern, habe heute meinen dritten Garten und drei Katzen, die sich ungerufen zu mir gesellten, auch Enkelkinder sind es drei und werden wohl nicht mehr werden…Die drei stellt zweifelsohne in meinem Leben eine magische Zahl dar.

Mit den Zahlen hat es eine besondere Bewandtnis. Von uns gewöhnlicher Weise zum Zählen von Geld, zum Messen und Vergleichen gebraucht, hatten sie in früher Zeit, als für die Menschen noch Weisheit und Erkenntnis erstrebenswerter waren als das Abmessen und Wiegen von Dingen, als das Abzählen von kleinen wertlosen Metallstücken, eine spirituelle Bedeutung. Die Zahlen erklärten die Welt, die Geometrie stellte sie dar.

Am Anfang war das Einalles, was sich in das Eine und das Andere aufspaltete. Die Drei ist es, die die Zweiheit wieder einigte und etwas Neues hervorbrachte. In ihr verbirgt sich eine geteilte Vollkommenheit, die uns dabei hilft, das Alleine zu erkennen.
Die Drei ist Vereinigung und Ausdruck des schöpferischen Gedankens, Ausdruck von Geburt und Vielfalt, aus der Spaltung hervorgegangen, erhebt sie sich darüber und bildet eine neue, höhere Qualität. Sie erlöst uns aus der starren Zweiheit, aus Unbarmherzigkeit und Kompromisslosigkeit.

So baut eines auf das Andere auf. Es ist die Drei, mit der sich unsere materielle Welt darstellen lässt, die wir begreifen können. Wir menschlichen Wesen in einer Welt der Dualität geboren und durch sie geformt und bestimmt, finden in der Dreiheit unseren eigenen Ausdruck und unsere verlorene Vollkommenheit wieder. Hier müssen wir uns nicht mehr entscheiden, nicht mehr unterscheiden und nicht mehr trennen. Mit der Drei verlassen wir die durch zwei Punkte oder zwei Extreme bestimmte Gerade. Die Drei führt uns in die ebene Grundlage für unser unendliches Wirken.
Sie bildet die Basis und schenkt Stabilität. Kein Stuhl steht so fest auf jedem Untergrund, wie ein dreibeiniger. Drei Personen bilden eine Familie, drei Zeiten den Ablauf der Zeit schlechthin: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit drei Grundfarben lassen sich alle Farben mischen, drei Dimensionen stellen den Raum dar und Vater, Mutter, Kind eine Familie, die Grundlage für die Gesellschaft. Psychiater sprechen von Unterbewusstsein, Bewusstsein und Überbewusstsein.

Religionen sprechen von der Dreifaltigkeit Gottes, drei Könige beschenkten das Jesuskind mit drei Geschenken, drei Söhne hatte Noah und Jesus benötigte drei Tage bis zu seiner Auferstehung. In alten vorchristlichen Religionen wird die göttliche Mutter als dreifaltig dargestellt, in Jungfrau, Mutter und Greisin.

Es ist das dritte Auge, was über den zweien sich befindet und uns tiefer blicken lässt. Ein gewöhnlicher König hat drei Söhne, die sich zwischen drei Wegen entscheiden müssen, um drei Aufgaben zu lösen, die zu einem Ziel führen, zu Glück, Liebe und Wohlstand. Der Teufel hat drei goldene Haare und magische Rituale sind ohne die Zahl drei nicht durchzuführen.
Aller guten Dinge sind drei, wir klopfen drei Mal auf Holz, wiederholen „toi, toi, toi“, um jemandem Glück zu wünschen und Feen erfüllen uns drei Wünsche…

Als ich vor einigen Tagen früh auf die große Wiese trat, warteten dort drei rabenschwarze Krähen auf mich. Etwas später auf der leeren Straße standen drei Lamas, die vor dem Auto her liefen und dann links in ein Waldstück abbogen. Den restlichen Tag überlegte ich, welches wohl die dritte Tierart sein könnte, die nötig ist, um den magischen Kreis zu füllen. Zuletzt erst dachte ich an meine drei Katzen, die daheim auf mich warteten.