Gedanken…

Illusionen sind gemacht, damit wir uns ihrer entledigen. Meistens jedoch erkennen wir sie nicht als solche. Wir leben in dem Glauben, dies und jenes verhält sich nicht illusionär, sondern wirklich. Unsere gesamte alltägliche Welt erscheint uns wirklich und Sehnsüchte, Wünsche und Ziele halten wir für real und begründet und wir halten sie für wichtig.

Tatsächlich wird sich unsere gesamte Realität nach und nach als Illusion erweisen. Wir werden viele Leben leben müssen, um an diesen Punkt zu kommen. Mit jeder Geburt steht uns ein Erkenntnisprozess der Desillusionierung bevor. Und wir werden wieder geboren, bis wir alle Illusionen, die sich auf unsere materielle Welt beziehen, auf unser Erdenleben und auf unsere menschliche Gesellschaft aufgegeben haben.

Die irdische Liebe ist eine solche Illusion, der Glaube an Geld, Ruhm und einen gesellschaftlichen Stand, der Glaube an erlernbares Wissen und sogar der Glaube an eine Religion muss sich als Illusion erweisen, denn auch die Religion schenkt uns nicht dauerhaft den Segen, den wir erhoffen.

Jede Überzeugung, die wir hegen, dass wir glücklich und zufrieden werden, haben wir erst dieses oder jenes erreicht, ist ein Irrglaube. Alles auf Erden erweist sich letztlich als eine Täuschung. Alles was auf Erden Liebe, Geborgenheit und Sicherheit verspricht, all die Beziehungen und Dinge, denen wir ein Leben lang hinterher jagen, sie zerbrechen, gehen verloren, werden zerstört und lösen sich auf. Wir selbst entledigen uns unserer Sicherheiten, freiwillig und gewollt, wenn eine neue Lebensperiode ansteht, uns alte Verhältnisse beengen und es uns verlangt, neues zu lernen.

Wir träumen von einem harmonischen Dasein in Liebe, während uns das irdische Leben zum Konkurrenzkampf herausfordert, der gerade diese Harmonie ausschließt. Wir müssen Erfahrungen machen, die uns lehren, dass gewisse Sehnsüchte in uns sich auf Zustände in feineren Ebenen richten und sich innerhalb der materiellen Welt nicht verwirklichen lassen.

Platzt jedoch eine Illusion, erfahren wir Ent-täuschung, empfinden Traurigkeit und Schmerz. Wir lösen uns dabei von etwas uns lieb gewordenem, müssen Gewohnheiten aufgeben, von uns selbst erdachte Ziele und vermeintliche Sicherheiten. Mehr passiert nicht bei einer Ent-täuschung. Ist eine Enttäuschung auch mit Schmerz verbunden, sie führt uns weiter auf dem Weg der Erkenntnis…und haben wir erneut Erkenntnis gewonnen, wird auch diese nur vorläufig sein…

 

 

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Bin ich ohne mein Ich leer? Ist die ganze Welt Nonsens?

In die Tiefe gehend suche ich nach dem, was ich eigentlich bin. Mir scheint, ich bestehe nicht aus dem, was ich und alle für das halten, was mich ausmacht.

Das, was mich ausmacht, besteht in dem, was mir von außen oktroyiert wurde, durch meine Eltern, die Gesellschaft, vielleicht auch das, was man Karma nennt und von mir mitgebracht wurde. Auch das wurde mir irgendwann verpasst und ist nicht aus mir selber geboren, das heißt, ich habe mich nicht bewusst dafür entschieden, zumindest habe ich keine Erinnerung daran. Charakter, körperliches Erscheinungsbild, geistige Verfassung haben sich unter bestimmten von außen abhängigen Umständen herausgebildet. Ich bin also ein Produkt dessen, was mir widerfahren ist. Nähme man die Erfahrungen dieses und aller Leben hinweg, wäre ich dann leer…?

Nichts Äußeres kommt aus meinem Inneren. Und wenn doch, dann wurde durch das Innere nur eine Richtung vorgegeben, als Reaktion auf bestimmte Erfahrungen. Dies scheint der Punkt zu sein, wo ich dem Inneren näher kommen kann. Auf einen äußeren Aspekt reagieren Menschen durchaus sehr unterschiedlich. Umstände, woran einer zerbricht, können einen anderen beflügeln. Es ist so, dass Re-Aktionen stattfinden. Auch diese Re-Aktionen sind durch bestimmte Anlagen, die vorgegeben wurden, determiniert. So dass sich am Ende fragt, wo befindet sich der freie Wille? Wo befindet sich die Freiheit zu wählen?

Das Äußere und das Innere können so verschieden sein, dass man eine Verwandtschaft  schwer erkennen mag. Das Äußere kann schwarz und das Innere weiß sein…oder umgekehrt. Eines muss nichts mit dem anderen zu tun haben. So wie man einem hässlichen Menschen ein schönes Kleid überziehen kann. Allerdings wird wirkliche Schönheit für das kluge Auge auch unter einem hässlichen Kleid erkennbar sein.

Das Äußere ist das, was andere und ich selber bisher unter dem verstanden, was ich darstelle. Ich. Ich ist somit nichts, was sich notwendigerweise aus dem Inneren begründet,sondern klebt an einer Oberfläche, die sich mit der Welt und dem Leben auseinandersetzt. Sie muss sich auseinandersetzen, da die Welt da draußen die Oberfläche ernst nimmt, genauso, wie die Oberfläche denkt, die Welt ist eine ernsthafte Angelegenheit. In Wirklichkeit gibt es keine Ernsthaftigkeit an der Oberfläche. In Wirklichkeit ist alles Nonsens, die ganze Welt und meine Oberfläche, genauso wie die Oberflächen aller Menschen. Diese Oberflächen sind auswechselbar, zufällig, veränderlich. Wir können sie sofort ändern, jederzeit.

Eine facettenreiche Oberfläche gilt es zu glätten. Sie stößt sich da, reibt sich immer dort, wo sie kantig und eigen ist. Das nennen wir Leben. Je besser wir im Glätten sind, umso schwerer erscheint uns das Leben.

Doch wir müssen unser scheinbar unabänderliche Schicksal ertragen, weil wir glauben, wir sind die Oberfläche? Darin liegt der Trugschluss, dem wir erlegen sind. Unsere Gesellschaft versucht mit allen Mitteln, diesen Trugschluss aufrecht zu erhalten, denn sie lebt von ihm. Macht ist nur durchzusetzen, in dem man Menschen in ein Glaubenssystem presst, Schuld verteilt und androht, Lohn verspricht, die einen begünstigt, während den anderen das Lebensnotwendige vorenthalten wird. Machthaber müssen zuerst die Massen spalten. Gespaltene Massen verfügen auch nur über gespaltene Kräfte.

In dem Moment, wo ich begreife, dass ich nicht die Oberfläche bin und mich nicht mehr mit ihr identifiziere, bin ich frei. Frei von dem Leben, das ich geglaubt habe, führen zu müssen, weil ich eben so war, wie ich war. Mein Glaube daran, dass ich die Oberfläche bin, hat keine Veränderung zugelassen.

Genauso wie ich selber aber hält mich auch die Welt fest. Jeder Mensch in meiner Umgebung sorgt dafür, dass ich der bleibe, für den sie mich hält. Menschen wollen keine Veränderungen. Sie wollen, dass ich so bleibe, wie sie sich mir vorstellen. Ich soll das sein, was sie von mir erwarten. Wenn ich mich nicht ändere, sind sie zufrieden. Im großen Ganzen zumindest.

Doch ich bin nicht die Oberfläche. Alles was ist, ist jederzeit auswechselbar. Ich selber kann jeder Zeit meine Oberfläche verändern und bestimmen, wie sie aussieht. Aber was ist das, was sich unter der Oberfläche befindet? Wenn ich durch meine Vergangenheit, durch die Vergangenheit meiner Familie, durch meine Religion und die Verhältnisse, in die ich hineingeboren wurde bestimmt wurde….Was bleibt, wenn diese Dinge nicht mehr gelten? Es bleibt ein wacher, leerer, wahrnehmender Geist, es bleibt das, was wahrnimmt. Und was nimmt er wahr? Das, was er selbst auswählt. Es schließt sich der Kreis. Es ist unser Verhängnis, dass wir in diesem Kreislauf scheinbar gefangen sind. Erkennen wir diese Gefangenschaft, erhalten wir damit den Schlüssel zum Ausbruch. Doch die Welt in der wir zu leben glauben, will uns halten, weil sie ohne uns nicht existieren kann. Sie braucht uns, um zu überleben und wir, fühlen wir uns nur lebendig, wenn wir uns an ihr reiben?

Ich nehme an, ich bin das, was sich öffnet für bestimmte Energien, die durch mich fließen. Würde ich dann sagen, ich bin diese Energien, ich definiere mich durch die Energien, die mich berühren und durch mich hindurch gehen, wäre dies nicht richtig. Denn ich bin nur so etwas, wie ein Apparat, der diese Energien wahrnehmen und empfangen kann. Was also bin ich? Ich bin ein wahrnehmendes Bewusstsein, welches (erst einmel theoretisch) dazu in der Lage ist, aus den durch ihn fließenden Energien auszuwählen. Ich habe also die Wahl. Doch was ich wähle, wird letztlich auch nicht von mir entschieden… Oder? Wer trifft die Wahl?

„Jetzt schau dir die Welt an, sagte meine mentale Führung. Ist sie nicht dasselbe wie der Geist?“ (aus „Leben nach dem Tod“ von Deepak Chopra)