Noch einmal zu Rumpelstilzchen…

Ich hatte natürlich im Netz nach der Deutung des Märchens geschaut. Was fand ich? Dies Märchen sei ein Ausdruck für die Emanzipation der Frau. Das rief große Verblüffung meinerseits hervor. Während die Deuter nicht müde wurden, dem armen Rumpelstilzchen einen hässlichen und boshaften Charakter anzuhängen, was aus dem Märchen selber gar nicht hervorgeht, erkannten sie gleichzeitig, wie die arme Müllerstochter sich zu einer emanzipierten Frau entwickelt. Der Beweis sei, dass sie ein Kind bekommt. Jede Menge Fragezeichen blinkten in meinem Hirn auf.

Das arme Müllersmädchen wird durch die prahlerische Rede, durch Lügen und Gier zweier geachteter und in der Gesellschaft integrierter Männer in eine schlimme ausweglose Lage gebracht. Sie tritt in das Märchen als Opfer ein. Ihr Retter kommt aus dem Wald, wo er versteckt und allein lebt. (Wohl nicht ohne Grund, vielleicht hatte er keine Lust sich mit solchen Lügenbolden und Prahlhänsen abzugeben.) Er rettet das Opfer, welches danach nicht etwa ihren Retter heiratet, sondern ihren Peiniger, den gierigen Mann, der sie mit dem Tod bedroht hatte, würde sie seine Gier nicht befriedigen können. Kann eine Frau dümmer sein? Damit macht sie sich zum Kumpan des eigenen Peinigers und legalisiert ihr Opferdasein. Ich kann darin kein emanzipatorisches Verhalten erkennen.

Auch wenn man das Geschehen symbolisch betrachten mag, sie selbst hat nicht dazu beigetragen, sich zur Königin zu erheben. Von Anbeginn bis zur Heirat hat sie immer nur gejammert, geklagt und um Hilfe gebeten. Sie ist die hilflose Frau geblieben. Auch dass die Natur ihren Lauf nimmt und sie ein Kind bekommt, kann ihr nicht als besondere Leistung angerechnet werden und lässt nicht auf Emanzipation schließen. Jede Kuh, jede Katze macht das ganz unspektakulär und niemanden würde es einfallen zu sagen, sie hätte sich emanzipiert, weil sie geworfen hat.

Als  ihr Versprechen eingefordert wird, jammert sie weiter, doch da sie nun zur Königin gekürt wurde, darf sie nun auch befehlen. Das tut sie. Sie schickt ihre Diener in den Wald, um ihr zu helfen und zu tun, wozu sie selber keine Lust und kein Verlangen zeigt. Wäre es nicht ihre Aufgabe gewesen, sich zu Rumpelstilzchen zu begeben, um mit ihm zu reden und die Sache zu klären?  Aber alles, was sie kann ist, sich wegen des von ihr begangenen Fehlers zu bedauern und andere die „Kastanien“ aus dem Feuer holen zu lassen.

Ich denke, sie hat die Hilfe ihrer Bediensteten am Ende der Geschichte nicht verdient. Aus Fehlern sollte man lernen und da die Müllerstochter während der ganzen Geschichte nichts gelernt hat, fordere ich: Gebt dem Rumpelstilzchen das Kind der Königin!

 

 

Advertisements

Gerechtigkeit für Rumpelstilzchen!

Es gibt ein Märchen, mit dem ich gar nicht klar komme  und soweit ich mich erinnere, war das schon so, als ich noch Kind war. Das ist das Märchen vom Rumpelstilzchen. Ich finde diese Geschichte von vorn bis hinten ungerecht! Es kann doch nicht sein, dass der Retter in der Not am Ende so arg gestraft wird.

Da prahlt ein Müller wichtigtuerisch vor dem König mit seiner Tochter, die Gold spinnen könne und lügt dem König dabei so richtig die Hucke voll. Der König ist so ein dummer Kerl, der das glaubt, da hat ihm wohl die Gier die Augen verblendet. Dabei hätte er sich fragen müssen, wieso der Müller arm ist, wenn seine Tochter eine solche Gabe hat. Durch Gier, Dummheit, Prahlsucht und Lüge der beiden Männer kommt die Müllerstochter in eine ausweglose Lage. Der König ist auch noch so dumm, dem Mädchen den Tod anzudrohen, gelänge es ihm nicht, Gold aus Stroh zu spinnen. Er setzt sie unter Druck und kommt gar nicht auf die Idee, das Mädchen könnte stolz auf ihr Können sein, wenn sie es denn könne.

Jedenfalls ist sie in einer ziemlich unangenehmen Situation, aus der ihr ein plötzlich auftauchender kleiner Mann heraushilft. Er erledigt die ganze Arbeit für sie, und nimmt als Gegengabe für das ganze Gold die kleinen Schmuckstücke des Mädchens. Dem gierigen König natürlich genügt nicht, dass die Bauerstochter den Beweis ihres Könnens erbracht hat, er will mehr, ist ja klar. Als sie nichts mehr hat, was sie dem Männchen geben kann, damit er ihr noch einmal Gold spinne, verspricht sie ihm ihr erstes Kind und er hilft wiederum. Statt nun aber klug und vorsichtig zu sein, heiratet sie den dummen und gierigen König und bekommt natürlich ein schönes Kind.

Klar will Rumpelstilzchen nun seinen Lohn. Versprochen ist versprochen. Aber da die junge Mutter weinte, hatte er Mitleid mit ihr. Also, er hatte Mitleid! Und ließ sich darauf ein, auf das Kind zu verzichten, erriete die Königin seinen Namen. Durch List und Tücke, indem Bedienstete das Männlein im Wald belauschten, erfuhren diese seinen Namen und der kleine Kerl war so ehrlich zuzugeben, dass er so hieß, als die Königin ihm den Namen nannte. Hätte er ja nicht machen müssen, denn schließlich wusste niemand, wie er hieß. Klar dass er dann wütend wurde und sich dummerweise selbst entzweiriss.

Und ich, ich fühle mich seit je her mit Rumpelstilzchen solidarisch, er wohnt allein im Wald, liebt das Feuer, ist hilfsbereit und gütig. Dass er auch eigene Interessen vertritt, sollte ihm zugestanden werden.

Drei Wünsche

…an dieser Quelle hole ich zur Zeit mein Trinkwasser. Es kommt direkt aus dem Berg, sehr weich und wohlschmeckend. Beim letzten Mal wartete dort ein Frosch auf mich, wenn Du genau hinschaust, kannst Du ihn erkennen.  Wahrscheinlich war es der König, der in seinem Reich nach dem Rechten schauen wollte. Wer einem Froschkönig begegnet und ihn nicht an die Wand werfen möchte…und zum Heiraten bin ich schon zu alt…der hat drei Wünsche frei. Fälschlicherweise wird immer behauptet, die Königstochter musste den Frosch küssen, um ihn in einen Prinzen zu verwandeln. Ich weiß bis heute nicht, wer sich dies ausgedacht hat, weil im Märchen eindeutig steht, dass sie ihn an die Wand wirft und das scheint mir nun nicht dasselbe zu sein.

Also um Frösche in Prinzen zu verwandeln muss man sie gegen die Wand werfen. Aber wie gesagt, ich bin für Prinzen zu alt und ich weiß nicht, ob ich früher einen Prinzen hätte haben wollen. So musste ich mir schnell drei Wünsche ausdenken…und, was soll ich sagen, es fiel mir echt schwer. Ich kramte lange in meinem Inneren nach Bedürfnissen und Wünschen…bis mir schließlich Gesundheit einfiel, Freude und Glück und Segen für meine Kinder…

Ziemlich banale Wünsche, denke ich, ganz normal eben und gar nicht nötig, weil ich schon gesund bin, Freude habe und es meinen Kindern gut geht. Hoffentlich ist der Frosch nun nicht von mir einttäuscht…

Frosch.jpg

Nachtrag: Jetzt ists mir eingefallen…es waren die Naturschützer und Froschbeobachter, die das Werfen in ein Küssen umgewandelt haben…was wäre, würden alle kleinen Mädchen Frösche gegen Wände und Felsen werfen…