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„Die Verkürzung des Lebens auf die Ökonomie ist eine der schlimmsten Dinge unserer Zeit.“ (Zitat aus dem Film)

Dieser Film beschäftigt sich mit den Folgen einer Schulzeit, die durch Konkurrenzkampf und Prüfungsangst bestimmt ist.

Was macht der Schulunterricht aus kleinen genialen Menschenkindern? Wer sagt denn, dass Kinder Unterricht überhaupt brauchen, um zu lernen? Sprechen und laufen haben sie auch ohne Unterricht gelernt, oder? Was war der Grund, den allgemeinen Schulunterricht einzuführen? Ein Film, der viele Fragen stellt und Antworten anbietet…

 

 

 

 

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Unverzagt…

Die Temperaturen liegen um 0°, an den Straßen des Nachbardorfes sind Haufen von Schnee gehäuft und die Windgeschwindigkeit liegt bei 100km/h. Da hilft nur, fest an das Werden des Frühlings zu glauben und sich standhaft wie eine Frühlingsblume zu behaupten:

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…doch, ab und zu kommt die Sonne durch.

 

 

 

 

Regen und Sonne

…wie ein Schleier fällt der Regen vor dem Fenster und lässt jeden Fußgänger Schutz suchen…die Häuser sind – zumindest in den alten Vierteln nicht mit Regenrinnen versehnen…sie fehlen, ebenso wie Mülltonnen und Briefkästen…

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…überall begegnete ich liegengelassenen Regenschirmen…

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…und dann, ganz plötzlich, kommt die Sonne heraus und alles ist so, wie ich es mir gewünscht hatte…

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Es ist wie in allen großen Städten, so auch in Lissabon, nur die alten Stadtteile sind sehenswert, sämtliche neu erbaute Viertel sind hässlich. Offenbar liegt die heutige Baukunst am Boden. Das muss ein Zeichen unserer Zeit sein, doch in wessen Interesse geschehen? In der Altstadt lässt sich leben, noch von den Arabern erbaut, sind die Häuser klein, die Gassen eng und von kleinen Plätzen unterbrochen, auf denen Menschen sich treffen können, was die Bewohner bis heute auch tun. Überall finden sich winzige Läden, Bars und kleine Restaurants und ganz normale Einwohner auf der Straße, noch.

Leider gibt es viel zu viele Touristen, schon im März. In wärmeren Jahreszeiten muss die Stadt ganz und gar von ihnen eingenommen sein. Sie zerstören unbewusst das, was sie suchen, das Ursprüngliche, was sie in ihren eigenen Heimaten vermissen. Aber noch ist es schön und ich labe mich an dem, was ich sehe und erlebe. Die Einheimischen begegnen mir freundlich. Mit jedem kann ich sprechen, auch wenn es keine gemeinsame Sprache gibt.

Die älteren Portugiesen sehen aus, als kämen sie gerade von mehrwöchigen Seereisen zurück, ich schaue in wettergegerbte Gesichter, während die Mammis vorzugsweise schwarze Kleider um ihre rundlichen Körper hüllen. Und dann der portugiesische Gentlement, der Türen aufhält, Damen vorgehen lässt und dir mit einer leichten Verbeugung jeden Dienst erweist. Auch legt er gern seine Hand auf deinen Arm, wenn er eine Auskunft erteilt, wie um sich zu vergewissern, dass er dir auch wirklich Gutes tut. Wann habe ich das ein letztes Mal erlebt? Ich hatte es vergessen.

 

 

Aufladen im Regen…

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Nach meinem emotionalen Zusammenbruch, wo ich mich energielos am Boden fand, fuhr ich weg, an einen Ort, wo ich niemanden kannte, in ein Land, dessen Sprache ich nicht spreche. Wie ich darauf kam, kann ich nicht erklären. Plötzlich flackerte dieser Name auf in meinem Kopf und ich wusste, dass das richtig war.

Dort angekommen, stöpselte ich mein Laptop in die Dose und sofort begann der Akku, derselbige, der seit Wochen seinen Geist aufgegeben zu haben schien, sich aufzuladen. Das ist kein Zufall. Ich hatte alles richtig gemacht.

Ich war völlig bei mir selbst. Auch bei jedem Kontakt blieb ich mit mir verbunden. Und wie ich so bei mir selber, in meinem Inneren angedockt blieb, gewann ich Energie. Es war wichtig, diesen Zustand, den ich natürlich kannte, von neuem zu erleben, die Erinnerung daran hervorzuholen, um ihn wieder bewusst herstellen zu können. Nun kann er mir nicht mehr verloren gehen.

Was ich während der Reise erlebte, ist somit gar nicht wichtig. Es regnete die meiste Zeit. Der Regen, von einem heftigen Sturm durch Gassen und über Plätze getrieben, veranlasste mich, Regenschirme zu fotografieren, verbogene, lädierte Schirme, die verzweifelte Regenschirmträger von sich geworfen hatten. Auch ich ging am ersten Tag mit einem solchen Utensil auf die Straße. Kaum hatte ich mich unter freien Himmel begeben, öffnete dieser alle Schleusen, als hätte er nur auf mein Erscheinen gewartet. Frohgemut meinen Schutz entfaltend, riss und zerrte der Sturm sofort daran herum, willens, mir diesen zu entreißen. Nach links, nach rechts und ohne Mitleid in jede Richtung wechselnd, in die ich mich in meiner Not zu wenden suchte. Die Speichen bogen sich, klappten hin und weg, der Stoff ächzte und wusste sich nicht mehr zu wehren. So gab ich auf, klappte das erschöpfte Ding zusammen und ging unter dem Regen hinweg. Das nahm der Sturm zum Anlass sich zu legen.

Fortan blieb der Schirm daheim, wo er besser aufgehoben war. Ich allerdings zog aus, die armen Opfer des Sturmes, die ich in allen Ecken, auf allen Plätzen liegend fand, abzulichten. Sie waren die wahren Helden dieser Tage. Ist es denn eine Leistung, sich als bronzene oder marmorne Statue zu präsentieren, für die Ewigkeit geschaffen, stark gebaut und unverwüstlich? Hingestellt, um bewundert zu werden, stehen sie für alle Zeit, Heeresherren, Meeresbesieger und Welteneroberer, als hätten sie allein diese Leistungen erbracht. Wo haben sie ihre gefallenen, ertrunkenen Begleiter, die ihnen diese Siege errungen? Die Größe aller Plätze reichte nicht, stünden ihre Gebeine neben ihnen. Es erscheint mir eine Schande, sich selber derart zu überhöhen, peinlich berührt es mich schon als Betrachtende und ich wundere mich, dass es diesen Gestalten nicht ebenso ergeht und sie sich ihrer Taten nicht schämen.

Vielleicht, eines Tages, überkommt sie Einsicht und sie steigen von ihren hohen Rössern hinunter, schleichen mit Reue von dannen, ihre Harnische tief ins Gesicht ziehend, und lesen verletzte Regenschirme auf…