Gestern

Nachdem der Sturm etwas nachließ, begann es zu regnen. Nichts desto trotz fahre ich in den Garten, muss ja schließlich schauen, ob alles in Ordnung ist, der Sturm größere Verwüstungen angerichtet hat, Bäume umgeworfen, Dächer abgerissen, Müll angeweht hat und die Katzen alle noch wohlauf sind.

Also fahre ich hin, keine Verwüstungen, Bäume stehen noch, Dächer sind unversehrt, Katzen alle gesund und munter, versorge sie mit einem Futterberg, vertröste sie auf bessere Zeiten und beschließe, wieder zu fahren. Das Auto hatte ich wohlweislich beim Nachbarn abgestellt, aber wenden musste ich es schon. Dabei versank es im Schlamm. So war das.

Es regnete, windstill war es auch nicht gerade. Der Nachbar nicht da, meine Freundin auch nicht, die anderen Nachbarn haben kein Auto. Der Freund, den ich hätte um Hilfe bitten können, krank. Macht nichts, dachte ich, wir haben es gegen 10 Uhr, da fahren viele einkaufen, zum Friseur oder Zahnarzt, da nimmt mich schnell einer mit. Ja, und dann laufe ich, Bewegung ist auch während des Fastens gesund. Ich laufe und laufe. In die entgegengesetzte Richtung fährt ein Auto nach dem anderen an mir vorbei. Ich war schon gefühlte 20 km gelaufen – nun, es waren real vielleicht fünf -, als endlich ein Auto kam und mich mitnahm…nur bis in das nächste Dorf und da war ich eh schon selber fast angekommen. Sie würde mir gerne helfen, sagt die Fahrerin, aber sie hat ein Rendez-vous…

Ich lächele dem Schicksal zu und laufe weiter. Der Wind trieb mir den Regen ins Gesicht, die Hosen waren gut durchnässt, ich bin stark. Auch das nächste Auto hielt. So ein älterer Typ nahm mich mit, raste die Straße entlang, schnitt die Kurven, und davon gibt es hier zuverlässig viele, geradezu die ganze Straße ist eine sich abwechselnde Kurve, lässig die eine Hand am Lenkrad, während er mit der anderen seinen Minimonitor bediente und telefonierte. Ich fahre ja auch nicht gerade langsam…aber… In Windeseile war ich da, wo ich hinwollte, glücklich und zufrieden.

Über Nacht gewann der Sturm wieder an Stärke. Heute ruhe ich mich einfach nur aus. Immerhin faste ich den siebenten Tag.

 

 

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Ich bin eine Heldin

Es regnete. Es regnete den ganzen gestrigen Tag und die Nacht. Heute Vormittag regnete es immer noch. Das ist sehr gut so, der Regen wird gebraucht, um die Wasserreserven wieder aufzufüllen. Heute Morgen beschloss ich, den Garten zu verlassen, weil alles triefend nass war.

Nun muss man wissen, dass ein kleiner unbefestigter Feldweg von der Straße in meinen Garten führt, der bei jedem Regen sich in einen schlammigen Pfad verwandelt. Seit vielen Jahren arbeite ich daran, diesen schlammigen Pfad auch bei Regen befahrbar zu machen. Durch unermüdlichen Einsatz ist mir dies gelungen. Das heißt, während der trockenen Jahreszeit kippe ich Steine in den Weg, die vorher natürlich gesammelt werden müssen. Das hält mich in Bewegung, stärkt die Muskeln und  lässt mich jung bleiben.

Seit einigen Jahren kann ich den Feldweg zu jeder Jahreszeit befahren. Das freut nicht nur mich, sondern auch die Jäger. Sie haben natürlich Jeeps mit Allradantrieb. Doch so ein feiner Weg lässt auch sie nicht unberührt, denn seit mein Weg gut instand gesetzt ist, fahren sie diesen täglich, um die Schweine im Wald zu füttern. Dies tun sie, um die Tiere in Schussweite zu behalten. Da Schweine kluge Tiere sind, ziehen sie sich normalerweise mit Beginn der Jagdsaison in die höheren Berge zurück. Allein die feinen Maisgaben der Jäger lassen sie in Reichweite verweilen.

Nun fahren also die Jäger täglich meinen schönen Weg entlang, den ich mit so viel Liebe und Arbeit hergerichtet habe. Wie Du Dir jetzt schon denken kannst, nimmt der Weg dadurch Schaden. Heute also war es soweit. Ich blieb mit meinem Auto stecken. Es hat natürlich keinen Allradantrieb. Eine Stunde lang kämpfte ich im Regen. Der Schlamm spritzte, so dass das Auto sich kaum noch von seinem Untergrund unterschied, ich übrigens auch nicht. Ich wollte fast schon aufgeben, da gaben die widrigen Umstände nach und ließen mich ziehen…

Jetzt lasse ich mir Badewasser ein…

 

 

 

 

24. Januar

Bei 4°C und 85 kmh Windgeschwindigkeit geht niemand gern ins Freie. Auch dass Windböen die 100 kmh überschreiten bringt wenig Vergnügen. Doch die Sonne scheint. Eine Weile schaue ich vom sicheren Platz neben dem Ofen auf sonnige Berghänge. Dann ziehe ich mich entschlossen an. Wenigstens den Fluss entlanglaufen und schauen, was dort die letzten Tage passiert ist. Draußen dann ist es wirklich kalt. Unter den Bäumen liegt totes Holz, vom Wind gebrochen, das ich mitnehme.

Nach meiner ersten Tour sitze ich wieder neben dem Ofen, esse einen Apfel und schaue aus dem Fenster. Die sonnenbeschienenen Flächen haben sich seit Weihnachten ohne Zweifel vergrößert. Manchmal piepst ein Vogel schon frühlingshaft. Und die Sonne wärmt, wäre der Wind nicht, würde man sie spüren.

Dieses Jahr werde ich mir ein Folienzelt bauen. Dann können Salat, Radieschen und Kohlrabi früher gesät und geerntet werden. Später dann kann ich Paprika und Auberginen hineinpflanzen. Durchsichtige Folie habe ich schon. Ich mache eine Zeichnung, bei vier Metern Länge und zwei Metern Breite müsste ich mit 30 Haselnussstecken hinkommen.

Wenigstens drei Haselnussstecken könnte ich heute schneiden, versuche ich mich zu motivieren, doch noch einmal hinauszugehen. Wenigstens drei, das ist nicht viel. Also ziehe ich mich nochmals an. Am Ende des Tages habe ich mehr als 30 Stecken geschnitten – sie sind immerhin um die sechs Meter lang –, einen riesigen Berg Holz gesammelt und einiges an Müll aus der Landschaft entfernt.

 

Wasser

 

Wasser.

Ringsum plätschert leise Wasser bis zum Horizont, wo es langsam heller wird und sich unauffällig mit dem Himmel eint. Überall schwappen kleine graue Wellen unermüdlich vor sich hin. Nirgendwo gibt es klare Grenzen und irgendwo weit hinten hat das Grau die Sonne verschluckt und will sie nicht mehr zeigen, nie mehr.

Gleichgültig dümpelt es leise. Sie dreht sich in alle Richtungen und ihre Augen treffen keinen festen Gegenstand. Nirgends, nur Wasser, Luft und schwammige Wolken. Doch! Von rechts kommt langsam ein Haus geschwommen! Es ist ein hübsches Haus, weiß getüncht mit einem roten Ziegeldach in dessen Mitte ein Schornstein steht. Etwas Rauch steigt auf, feiner weißer Rauch. Zu beiden Seiten der blau gestrichenen Tür befinden sich Fenster mit ebenso blauen Fensterläden und davor wachsen rote Geranien in Blumenkästen. Ein einfacher Holzzaun umgibt das Haus. Es ist hübsch anzusehen. So malte sie als Kind immer die Häuser.

Es steht auf einer Schilfmatte. Wie merkwürdig, dass eine einfache Schilfmatte ein ganzes Haus tragen kann, denkt sie.

Kann sie ja nicht! Die Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Immer mehr Wasser tritt durch das Schilf, die Matte sinkt, neigt sich leicht, dann schneller, mit ihr rutscht das Haus gurgelnd hinein ins Nass, tiefer, die Fensterläden und glucksend zieht das Dach Strudel nach. Kurz zischt es noch, schimmert wie Erinnerung rötlich durch die Oberfläche, dann ist alles wieder grau, still.

Totenstille.

Sie sieht nur Wasser, das in der Ferne an den Himmel reicht, dort, wo längst vergessene Sehnsüchte umhertreiben und unaufhörlich vergebens nach Erfüllung suchen.

Ihre Hoffnung sucht nach einem Halt. Langsam dreht sie sich im Kreis. Wasser, leise vor sich hinschwappend. Nichts als Wasser. Nein! Da kommt noch einmal ein Haus von rechts. Es ist ein nettes Haus mit einem roten Ziegeldach. So ein Haus wollte sie immer haben und mit Mann und Kind darin wohnen. Ein einfacher Zaun aus Holz umgibt das Haus, das auf einer Schilfmatte steht. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen, sie weiß es doch! Die Schilfmatte schaukelt leicht, Wasser tritt hindurch. Ja, sie sieht es, es sinkt, das Haus, tiefer und tiefer hinab, schräger, gluckert schneller bis es fort ist. Es war ein hübsches Haus, das da noch rötlich zu ihren Füssen schimmert. Nun ist es fort.

Doch wieder kommt ein Haus von rechts. Es steht auf einer Schilfmatte. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Es sinkt, tiefer, weiter, bis sie nur noch das rote Dach schimmern sieht. Da kommt wieder ein Haus geschwommen. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Und wieder kommt ein Haus von rechts. Es ist ein hübsches Haus. Langsam sinkt es unter Wasser. Und wieder, eines nach dem anderen sinkt, wieder.

Sie steht und schaut und zählt die Häuser und blickt in die Ferne, fort zum Horizont, der sich an den Himmel schließt, bemerkt einen hellen Schimmer, zieht dann ihren Blick zurück und schaut auf die Schilfmatte zu ihren Füssen. Wasser tritt schon hindurch.

 

 

Dezember

Das Wetter hält sich an meine Vorstellungen vom Monat Dezember. In der Nacht zum 1. Dezember sinken die Temperaturen auf mindestens minus fünf Grad, selbst im Gewächshaus liegt Eis auf dem Gießwasser in den Eimern. Schon am Nachmittag des Vortages war der Temperaturabfall zu ahnen, bestechend klarer Himmel und völlige Windstille. Es roch nach Reif.

Am nächsten Morgen dann war er sichtbar, die gesamte Natur, das ganze Tal, jeder Halm und jedes Blatt war weißglitzernd umrandet. Mit Mütze, Schal und Handschuhen stürmte ich auf die Wiese, um an der Pracht vollständig teilzuhaben. Unter bestechend blauem Himmel schritt ich in der Sonne dahin, sammelte nebenher ein bisschen Holz und tauchte meine Blicke in die bereiften Schattenflächen hinter den Büschen. Ich labte meine Augen an der Welt…Castaneda wäre stolz auf mich gewesen.

Etwas später dann sitze ich als Zeuge unter dem großen Eichenbaum zwischen Fluss und Wiese und beobachte den tauenden Reif. Blinkende Tropfen fallen unregelmäßig von Bäumen, während der Fluss wie gewohnt gluckert und ein Vöglein singt. Ich fühle mich vollendet eins mit dem Sein.

Hier gehörte ein Foto hin vom herrlich weihnachtlichem Reif, leider versagte mein Fotoapparat. Daher als Ersatz eines mit winterlichem Blick auf die Pyrenäen…Ausblick auf baldige Wetterverhältnisse…

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November

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Der Herbst zieht sich in die Länge. Noch immer gab es keinen tiefgehenden Frost, der Dahlien und Tomatenpflanzen zu braunen Faserresten zusammenfallen lässt, noch immer blühen die Studentenblumen. Müde Tage unter tief hängenden Wolken wechseln sich mit warmen Sonnentagen ab, der Wind streift fern durch andere Gebiete, der große Regen blieb bisher aus.

„Ich habe euch gesagt, dass ich mir aktive, hart arbeitende Menschen wünsche. Ich möchte nicht in einer Welt der Inaktivität leben…“ (Babaji, gefunden in dem Buch „Leben aus dem Sein“) Ich säubere den Garten, stecke Zwiebeln, säe Saubohnen, genieße eine durchdringende Stille, die wie eine Haube über der Landschaft liegt. Andacht darf auch sein und Freude am Sein, denkt es durch mich, denn Arbeit macht nur Sinn, wenn sie der Freude willen getan wird.

 

 

 

Wintervorbereitung

…Holzschuppen aufräumen und entrümpeln…Feuerholz sammeln und aufschichten…abgeerntete Beete im Garten säubern, mit Mist versorgen und mulchen…Mist sammeln…ein Beet umgraben und Knoblauch stecken…Steine für den Weg sammeln und darin verteilen…Auto mit Rostschutz versehen…eine kleine Vorratskiste mit Nudeln, Kerzen, Streichhölzern und Öl anlegen, falls Straßen, Brücken und Wege wegen Überschwemmung oder zu starkem Schneefall nicht befahrbar sein werden…Generator und Pumpe abbauen und winterfest verstauen…Heu von der Wiese holen und Lehm aus der Lehmgrube, die alte Badewanne bereitstellen um beides zu vermischen und damit die Lücken zwischen Türrahmen und Steinmauer füllen…die reifenden Kürbisse auf Holzbretter legen, damit sie nicht in der feuchten Erde leiden…die grünen Tomaten ernten und Chutney kochen…Birnen ernten und verschenken…an den Fluss in die Sonne setzen und Wärme tanken…