Thomas

…im September kam eine halbwilde Katze mit zwei Jungen bei mir vorbei. Darüber war ich nicht glücklich, denn wenn ich auch die Not der verwahrlosten Katzen sehe, so sehe ich auch, dass sie bei mir Vögel, Eidechsen, Blindschleichen usw. jagen. Aus meinem Garten wird sofort jede Eidechse getilgt, die sich dort heimisch machen will. Mäuse gibt es so gut wie keine mehr, wie auch alle anderen kleinen Tiere verschwunden sind.

Katzen haben einen natürlichen Jagdinstinkt. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen und umerziehen lassen sie sich auch nicht. Und ich mag Katzen, wollte aber ursprünglich keine beherbergen, aus eben genannten Gründen. Es leben nun schon zwei Pfegekatzen und ein ursprünglich wilder Kater bei mir.

Die halbwilde Katze verschwand wieder mit einem ihrer Jungen. Das andere blieb mutterlos zurück. Es erfreute mich nicht und ich dachte, sie im Dorf auszusetzen. In jedem Dorf hier gibt es frei laufende Katzen und ältere Frauen, die sie füttern. So bekam der kleine Kerl erst einmal bei mir seine Verpflegung, um ihn etwas aufzupäppeln. Aber wie das so ist, zunehmend tat er mir leid. Ich glaube, man sieht es ihm an, dass er keine wohlbehütete Kindheit hatte. Sein Blick schaut geradezu vorwurfsvoll.

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Inzwischen hat Teufel, mein ursprünglich wilder Kater, ihn adoptiert. Er leckt den Kleinen und kuschelt mit ihm. So nehmen die Dinge ihren Lauf. Jetzt heißt er Thomas…

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Ein Waldstück…

welches von Menschen unberührt ist, wo keine Wege hindurchführen und niemand kommt, um Holz zu schlagen oder Schweine zu jagen, hat eine eigene Atmosphäre. Es duftet nach Geheimnis, nach unbekannten Wesen, Gnomen, Wuselwichteln und Hexen…

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…und dann treffe ich auf die Reste eines Wildschweines…

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…und erfahre, wie bestialisch es stinkt…

 

 

29. Oktober 2016

Der erste Frost kam letzte Nacht und bereifte Gräser und Laub. Er blieb am Boden haften, so dass Dahlien und Tomaten verschont blieben. Noch im Dunkeln stehe ich auf, füttere Katzen und mache Feuer. Nach dem Kaffee das Übliche, meditieren, abwaschen, aufräumen. Aufräumen ist heute den ganzen Tag angesagt, endlich einmal die vielen kleinen Arbeiten erledigen, die sonst gerne liegenbleiben.

Den Weinstock beschneiden, die letzten grünen Tomaten ernten, das große Fenster vom Gewächshaus neu verkitten, auf das Dach steigen und die Solarplatten reinigen, das Gartentor notdürftig reparieren, das geschlagene Holz aus dem Wald holen, sortieren und stapeln, endlich das Spielzeug der Kinder wegräumen und die Fläche vor dem Gartenzaun vom Unkraut befreien und schauen, ob von den dort in die Erde gesteckten Johannisbeeren eine überlebt hat.

Gegen halb zwei sitze ich im Hemd in der Sonne und begeistere mich am verhaltenen Vogelgezwitscher inmitten einer unendlichen Stille. Es ist Zeit mich hinunter an den Fluss zu setzen. Dort werde ich plötzlich von starkem Vogelgeschrei eingehüllt. Ich brauche einen Moment bis ich die Vogelschwärme über mir entdecke. Einer fliegt erwartungsgemäß als Vogel-V, genau genommen sind es drei Vogel-Vs ineinander geschachtelt, der andere dreht sich sich als lose Wolke um sich selbst. Es scheint sich um die gleichen Vögel zu handeln, die sich dort oben so unterschiedlich verhalten. Die einen ziehen zielstrebig und geordnet über dem blauen Himmel, so dass sie langsam immer kleiner werden. Die anderen drehen sich laut schreiend in der Sonne und driften dabei in die entgegengesetzte Richtung ab. Vielleicht genießen sie einfach nur ihr Dasein, denkt es in mir, und haben darüber vergessen, dass sie nach Afrika fliegen wollten.

Ich schaue nach oben bis der Nacken schmerzt. Dann gehe ich wieder in den Wald, um die Holzklumpen einen nach dem anderen nach unten zur Hütte zu werfen. Das erscheint Dir vielleicht mühsam, wenn Du das hier liest, doch es ist die effektivste Methode. Wenn ich Glück habe, rollt so ein Holzstück bis zur Hütte hinunter. Dieses Glück kommt zwar selten, weil der Schwung meistens durch Sträucher und Steine abgebremst wird, doch auch einen Fünfer im Lotto hat man ja nicht alle Tage. Wie wäre das Leben langweilig, wäre alles effektiv und optimal. Und wie langweilig wäre ein Fünfer im Lotto.

Im davonfliegenden Vogelschwarm liegt eine lebendige Eleganz, vollendete Schönheit, die keinen Zweifel lässt. Regeln und Ziel bilden eine sich ständig neu formende Einheit. Als ich wieder in den Garten komme, schwebt die Vogelwolke genau über mir, eine scheinbar ziellose Form, aus der laute Rufe schallen, die einzelnen Vögel um einen imaginären Mittelpunkt kreisend, nach oben stoßend, von dort wieder nach unten fallend. Hier fehlt mir zielgerichtete Klarheit, wie ich in meinem eigenen Leben das Fehlen von Zielen bedauere. Und doch bin ich fasziniert. Was ist der Zweck des Ganzen? Ist es die pure Freude am Flug, am Sonnenschein, genießen sie die warme Luft über der bunten absterbenden Vegetation? So scheint es zu sein, pure Freude als Lebenszweck. Solch ein lohnenswertes Ziel ist fast vergessen heutzutage.

 

 

 

Mein Fluss…

…gehört natürlich nicht mir, sondern sich selbst. Und trotzdem ist es mein Fluss, denn er versorgt mich und meine Pflanzen im Garten mit dem nötigen Wasser. Ohne ihn könnten wir alle nicht an diesem Platz existieren. Das sage ich ihm auch immer wieder, wenn ich Wasser hole, mich in ihm wasche oder meine Beine hineinbaumeln lasse. Dann schenke ich ihm Kupferstücke und hoffe, dass er sie dankbar annimmt.

Hier trinken die Wildschweine, lauern Reiher auf Beute und verstecken sich Wasserratten, hier gibt es Flusskrebse und unter den Steinen suchen Vipern Kühlung. Trotz großer Trockenheit führt er zuverlässig Wasser und erfrischt Pflanze, Tier und Mensch.

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Wenn ich meinen Blick nur lange genug in das Wasser senke, geschehen merkwürdige Dinge. Ich sehe das Wasser unter der Oberfläche in die entgegengesetzte Richtung fließen. Es teilt sich in Schichten auf, dehnt sich in eine Tiefe, die weit hinunter reicht, weiter, als es scheint. Obere und untere Welten mischen sich durcheinander, bis ich sie nicht mehr auseinanderhalten kann.

 

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…und dann erkenne ich, was ich nicht vermute, wie hier ein bärtiges Männergesicht:

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Meine Hühner sind tot!

…schon mehrmals hatte ich den Versuch gewagt, Federvieh zu halten. Vor über 20 Jahren noch war das gar kein Problem. Die ersten Hühner hatten einen frei begehbaren Stall, den sie nach Belieben verlassen und aufsuchen konnten. Sie rannten den lieben langen Tag durch den Wald und suchten auf der Heide Futter, waren glücklich, dick und rund. Im Winter konnte ich nach Berlin fahren und wenn ich nach Wochen heimkehrte, liefen sie mir glücklich entgegen. Kein Zaun begrenzte sie, keine Futtergaben waren nötig und keine Bewachung.

Inzwischen hat sich das ein bisschen geändert. Der erste Angriff auf meine Hühner erfolgte durch einen Marder,  der sich des Nachts in den Stall schlich und eines heimtückisch ermordete, erstaunlicherweise nur eines, wo diese Tiere doch den Ruf haben, dem Blutrausch zu verfallen. Ein Jagdhund aus dem Dorf packte die übrigen. Ich baute also einen Hühnerstall mit umzäunten Auslauf. Nachbarn, denen irgendetwas nicht an mir gefiel…oder hatte sie einfach nur die Langeweile getrieben?…drückten in nächtlicher Dunkelheit den Zaun von oben nieder und entkamen mit Hühnern und Enten.

Inzwischen wimmelte es hier auch vor Füchsen und Waschbären. Ich brauchte also einen Zaun, der sowohl unübersteigbar war, als auch von unten nicht zu untergraben, überdies kleinmaschig. Im letzten Winter bastelte ich einen Hochsicherheitstrakt für neue Hühner. Genügend hoch, wie ich dachte, also zwei Meter, unten umgeschlagen und mit Wellblechplatten und dicken Steinen belegt. Neue schöne Hühnchen trafen ein, gewöhnten sich an Erde und Grün, an Sonne und Käfer und legten schöne Eier. Einige Monate lang. Nun nicht mehr.

Letztlich ist es mir ein Rätsel. Eines Tages – vor vier Wochen – fand ich den Auslauf ohne Hühner vor, nur einige Federn schwebten im Grün. Die Wackersteine waren an einer Stelle weggerollt, doch durch die engen Maschen passte kein Huhn, auch kein Waschbär und kein Fuchs… Was also war passiert? Weder Knochen noch Blut, auch keine Hühnerfüße waren hinterlassen worden. Durch die engen Maschen hätte kein Huhn gepasst und Hühnerfüße werden nicht gefressen. Es bleibt mir ein Rätsel. Von unten zu graben versucht und dann oben über den Zaun gehoben?

Als ich mit dem restlichen Hühnerfutter zu meinem Nachbarn kam, da ich es ja nun nicht mehr brauchte, sagte er mir, auch er hätte keine Hühner mehr. Bei ihm war es wohl ein Fuchs, der den Zaun durchbrach. Auch die nächste Nachbarin hat kein Vieh mehr…

Ich will nicht einfach aufgeben. Also denke ich darüber nach, auf welche Weise ich den nächsten Stall anlege. Am sichersten wäre es, ein Fundament aus Beton zu fertigen und den Stall auch oben zu schließen…aber, was für ein Aufwand für einige Eier…wenn ich da die Kosten bedenke…und das Ergebnis sähe nicht nach freilaufenden Hühnern aus, sondern nach einem richtigen Gefängnis. Will ich das? …nachdenken…

Sommerzeit…

…endlich, über 30° warm, verlässliche Sonne und fast kein Wind, also geht man baden…

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…ich koche Konfitüre ein, nach Johannisbeeren kommen jetzt auch die Stachelbeeren dran…als ich vor Jahren eine Beerenhecke in den Garten pflanzte, dachte ich zuerst an ein günstiges Gartenklima, an Windschutz und weniger an die zu erwartenden Früchte. Nun sind die Sträucher größer geworden, als ich gedacht hatte – so geschieht es oft – und sie tragen mehr Beeren, als erwartet…Stachelbeeren 2.jpg

…und nach der Arbeit tue ich es meiner Katze gleich…IMG_3842.JPG