Thomas

…im September kam eine halbwilde Katze mit zwei Jungen bei mir vorbei. Darüber war ich nicht glücklich, denn wenn ich auch die Not der verwahrlosten Katzen sehe, so sehe ich auch, dass sie bei mir Vögel, Eidechsen, Blindschleichen usw. jagen. Aus meinem Garten wird sofort jede Eidechse getilgt, die sich dort heimisch machen will. Mäuse gibt es so gut wie keine mehr, wie auch alle anderen kleinen Tiere verschwunden sind.

Katzen haben einen natürlichen Jagdinstinkt. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen und umerziehen lassen sie sich auch nicht. Und ich mag Katzen, wollte aber ursprünglich keine beherbergen, aus eben genannten Gründen. Es leben nun schon zwei Pfegekatzen und ein ursprünglich wilder Kater bei mir.

Die halbwilde Katze verschwand wieder mit einem ihrer Jungen. Das andere blieb mutterlos zurück. Es erfreute mich nicht und ich dachte, sie im Dorf auszusetzen. In jedem Dorf hier gibt es frei laufende Katzen und ältere Frauen, die sie füttern. So bekam der kleine Kerl erst einmal bei mir seine Verpflegung, um ihn etwas aufzupäppeln. Aber wie das so ist, zunehmend tat er mir leid. Ich glaube, man sieht es ihm an, dass er keine wohlbehütete Kindheit hatte. Sein Blick schaut geradezu vorwurfsvoll.

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Inzwischen hat Teufel, mein ursprünglich wilder Kater, ihn adoptiert. Er leckt den Kleinen und kuschelt mit ihm. So nehmen die Dinge ihren Lauf. Jetzt heißt er Thomas…

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Ein Waldstück…

welches von Menschen unberührt ist, wo keine Wege hindurchführen und niemand kommt, um Holz zu schlagen oder Schweine zu jagen, hat eine eigene Atmosphäre. Es duftet nach Geheimnis, nach unbekannten Wesen, Gnomen, Wuselwichteln und Hexen…

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…und dann treffe ich auf die Reste eines Wildschweines…

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…und erfahre, wie bestialisch es stinkt…

 

 

Gestern

Nachdem der Sturm etwas nachließ, begann es zu regnen. Nichts desto trotz fahre ich in den Garten, muss ja schließlich schauen, ob alles in Ordnung ist, der Sturm größere Verwüstungen angerichtet hat, Bäume umgeworfen, Dächer abgerissen, Müll angeweht hat und die Katzen alle noch wohlauf sind.

Also fahre ich hin, keine Verwüstungen, Bäume stehen noch, Dächer sind unversehrt, Katzen alle gesund und munter, versorge sie mit einem Futterberg, vertröste sie auf bessere Zeiten und beschließe, wieder zu fahren. Das Auto hatte ich wohlweislich beim Nachbarn abgestellt, aber wenden musste ich es schon. Dabei versank es im Schlamm. So war das.

Es regnete, windstill war es auch nicht gerade. Der Nachbar nicht da, meine Freundin auch nicht, die anderen Nachbarn haben kein Auto. Der Freund, den ich hätte um Hilfe bitten können, krank. Macht nichts, dachte ich, wir haben es gegen 10 Uhr, da fahren viele einkaufen, zum Friseur oder Zahnarzt, da nimmt mich schnell einer mit. Ja, und dann laufe ich, Bewegung ist auch während des Fastens gesund. Ich laufe und laufe. In die entgegengesetzte Richtung fährt ein Auto nach dem anderen an mir vorbei. Ich war schon gefühlte 20 km gelaufen – nun, es waren real vielleicht fünf -, als endlich ein Auto kam und mich mitnahm…nur bis in das nächste Dorf und da war ich eh schon selber fast angekommen. Sie würde mir gerne helfen, sagt die Fahrerin, aber sie hat ein Rendez-vous…

Ich lächele dem Schicksal zu und laufe weiter. Der Wind trieb mir den Regen ins Gesicht, die Hosen waren gut durchnässt, ich bin stark. Auch das nächste Auto hielt. So ein älterer Typ nahm mich mit, raste die Straße entlang, schnitt die Kurven, und davon gibt es hier zuverlässig viele, geradezu die ganze Straße ist eine sich abwechselnde Kurve, lässig die eine Hand am Lenkrad, während er mit der anderen seinen Minimonitor bediente und telefonierte. Ich fahre ja auch nicht gerade langsam…aber… In Windeseile war ich da, wo ich hinwollte, glücklich und zufrieden.

Über Nacht gewann der Sturm wieder an Stärke. Heute ruhe ich mich einfach nur aus. Immerhin faste ich den siebenten Tag.

 

 

Ich bin eine Heldin

Es regnete. Es regnete den ganzen gestrigen Tag und die Nacht. Heute Vormittag regnete es immer noch. Das ist sehr gut so, der Regen wird gebraucht, um die Wasserreserven wieder aufzufüllen. Heute Morgen beschloss ich, den Garten zu verlassen, weil alles triefend nass war.

Nun muss man wissen, dass ein kleiner unbefestigter Feldweg von der Straße in meinen Garten führt, der bei jedem Regen sich in einen schlammigen Pfad verwandelt. Seit vielen Jahren arbeite ich daran, diesen schlammigen Pfad auch bei Regen befahrbar zu machen. Durch unermüdlichen Einsatz ist mir dies gelungen. Das heißt, während der trockenen Jahreszeit kippe ich Steine in den Weg, die vorher natürlich gesammelt werden müssen. Das hält mich in Bewegung, stärkt die Muskeln und  lässt mich jung bleiben.

Seit einigen Jahren kann ich den Feldweg zu jeder Jahreszeit befahren. Das freut nicht nur mich, sondern auch die Jäger. Sie haben natürlich Jeeps mit Allradantrieb. Doch so ein feiner Weg lässt auch sie nicht unberührt, denn seit mein Weg gut instand gesetzt ist, fahren sie diesen täglich, um die Schweine im Wald zu füttern. Dies tun sie, um die Tiere in Schussweite zu behalten. Da Schweine kluge Tiere sind, ziehen sie sich normalerweise mit Beginn der Jagdsaison in die höheren Berge zurück. Allein die feinen Maisgaben der Jäger lassen sie in Reichweite verweilen.

Nun fahren also die Jäger täglich meinen schönen Weg entlang, den ich mit so viel Liebe und Arbeit hergerichtet habe. Wie Du Dir jetzt schon denken kannst, nimmt der Weg dadurch Schaden. Heute also war es soweit. Ich blieb mit meinem Auto stecken. Es hat natürlich keinen Allradantrieb. Eine Stunde lang kämpfte ich im Regen. Der Schlamm spritzte, so dass das Auto sich kaum noch von seinem Untergrund unterschied, ich übrigens auch nicht. Ich wollte fast schon aufgeben, da gaben die widrigen Umstände nach und ließen mich ziehen…

Jetzt lasse ich mir Badewasser ein…

 

 

 

 

24. Januar

Bei 4°C und 85 kmh Windgeschwindigkeit geht niemand gern ins Freie. Auch dass Windböen die 100 kmh überschreiten bringt wenig Vergnügen. Doch die Sonne scheint. Eine Weile schaue ich vom sicheren Platz neben dem Ofen auf sonnige Berghänge. Dann ziehe ich mich entschlossen an. Wenigstens den Fluss entlanglaufen und schauen, was dort die letzten Tage passiert ist. Draußen dann ist es wirklich kalt. Unter den Bäumen liegt totes Holz, vom Wind gebrochen, das ich mitnehme.

Nach meiner ersten Tour sitze ich wieder neben dem Ofen, esse einen Apfel und schaue aus dem Fenster. Die sonnenbeschienenen Flächen haben sich seit Weihnachten ohne Zweifel vergrößert. Manchmal piepst ein Vogel schon frühlingshaft. Und die Sonne wärmt, wäre der Wind nicht, würde man sie spüren.

Dieses Jahr werde ich mir ein Folienzelt bauen. Dann können Salat, Radieschen und Kohlrabi früher gesät und geerntet werden. Später dann kann ich Paprika und Auberginen hineinpflanzen. Durchsichtige Folie habe ich schon. Ich mache eine Zeichnung, bei vier Metern Länge und zwei Metern Breite müsste ich mit 30 Haselnussstecken hinkommen.

Wenigstens drei Haselnussstecken könnte ich heute schneiden, versuche ich mich zu motivieren, doch noch einmal hinauszugehen. Wenigstens drei, das ist nicht viel. Also ziehe ich mich nochmals an. Am Ende des Tages habe ich mehr als 30 Stecken geschnitten – sie sind immerhin um die sechs Meter lang –, einen riesigen Berg Holz gesammelt und einiges an Müll aus der Landschaft entfernt.