Reise

Von Perpignan bis Narbonne fahre ich mit der aufgehenden Sonne zwischen rosa beleuchteten Bergen links und golden schimmerndem Meer rechts, während Arien aus Bizets Carmen durch meinen Kopf jubeln. Ich spüre eine tiefe Liebe zu meiner Heimat, bevor ich sie in Richtung Norden verlasse und weiß plötzlich nicht mehr, weshalb das sein muss.

Für 14€ fliege ich von Toulouse nach Berlin. Das allein ist schon verrückt genug. In Berlin dann gut angekommen, warte ich eine Stunde auf dem Hauptbahnhof auf meinen Zug. Für eine simple Currywurst, die ich gern aus nostalgischen Gründen gegessen hätte, will man 3,90€ von mir. Das Geld bekommen sie nicht.  Ich sitze auf einer von vielleicht drei Bänken und beobachte, wie die Menschen, ihre Koffer auf Rollen hinter sich ziehend, in Läden schauen, nach Produkten suchen und ihre Blicke auf Smartphones richten. Ein großer Mann wuchtet seinen Rollenkoffer auf die Bank, stopft etwas hinein, wuchtet ihn wieder herunter ohne mich überhaupt zu sehen und hetzt weiter. Geländer, Säulen, Glaswände sind mit Glitzerketten behängt. Die Menschen bewegen sich schnell und nahezu sprachlos hindurch. Ab und an kommuniziert einer mit seinem Phon, lacht in sich hinein oder richtet seine Kopfhörer und läuft dann weiter.

Die Menschen sehe ich vereinzelt, sprachlos und steril. Sie passen sich in ihren Bewegungen den Maschinen an, stehen stumm, während Rolltreppen sie nach oben oder unten transportieren. Nur im Laden gegenüber höre ich ab und an: Neun € siebzig bitte. Danke. Einen schönen Abend noch.

Kein Geschwätz, kein Lachen, kein Weinen, kein Singen. Bald werden sie das Sprechen verlernen, sich mit Maschinen durch Zeichen verständigen. Irgendwann dann werden Maschinen Menschen für überflüssig befinden. Darüber ist ja nun schon genügend geschrieben worden.

Mein Sohn schreibt aus der Südsee. Ein Insulaner meinte, die Menschen in der Zivilisation haben immer mehr und werden immer unglücklicher. Er will auf eine einsame Insel ziehen und dort von Fischen und Kokosnüssen leben. Dort geht das.

 

 

 

 

 

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Fuchs und Reh

Allen sind Füchse und Rehe bekannt, doch weiß kaum jemand, wie sie rufen. Auch ich wusste es lange Zeit nicht und hielt sie sogar für stumm, bis ich das erste Mal einen Fuchs in meiner Nähe husten hörte….Ich sage Euch, es hört sich gräuslich an! Wäre ich allein gewesen, hätte es mir einen gehörigen Schrecken eingejagt. So aber sagte mir mein Begleiter, dass ich gerade einen Fuchs gehört hatte. Hier ein harmloses Beispiel, denn es kann viel entsetzlicher klingen:

 

Merkwürdigerweise äußern sich Rehe ähnlich, auch das Reh klingt nicht lieblich. In meinem Wald, dort, wo ich mein Feuerholz sammle, lebt ein Reh, das des öfteren ruft. Es sucht meine Nähe, wenn die Jäger dort jagen und einmal stand es sogar zum Greifen nahe vor mir. Es hatte mich nicht gehört…was ich mir kaum vorstellen kann, denn seine Sinne dürften viel feiner sein als die meinen…ich jedenfalls hatte es vorher weder riechen noch hören können. Hier hört man ein Reh schreien:

 

Sprachen lernen

…mein Leben lang war ich der festen Überzeugung, ich wäre völlig unfähig, Sprachen zu lernen. Ich hatte in der Schule so lange gute Noten, bis in der fünften Klasse Russisch auf dem Stundenplan stand. Die ersten zwei Wochen malte ich die neuen Buchstaben noch mit Begeisterung nach und fand es toll, dass aus „p“ nun „r“ wird und aus“m“ wiederum „t“…usw. Das war exotisch, fremd und interessant. Doch damit war die Lehrerin nicht zufrieden. Sie begann uns mit Deklinationen und Fällen zu quälen, was jegliches Interesse bei mir sofort zu Fall brachte und am Ende des Jahres die erste 4 auf dem Zeugnis.

Davon erholte ich mich nie wieder. Trotz endlos vielen Jahren Russischunterricht, lernte ich diese Sprache nie. Französisch ging dann etwas besser, doch bis heute ließ mich die Überzeugung nicht los, ich wäre völlig sprachunbegabt. Nun fand ich ein Video von Vera F. Birkenbihl in welchem sie Schülern erklärt, wie sie einfach und leicht Sprachen lernen können. Und was sie sagt, leuchtet ein.

Ich setze es sofort um…

Schöne deutsche Sprache

Ich bin immer wieder fasziniert von der Tiefgründigkeit der deutschen Sprache und frage mich, wenn ich der Bedeutung der Worte nachgehe, wer diese denn erfunden bzw. sie auf so kluge Weise in den Sprachschatz aufgenommen hat. Geschah dies bewusst oder gefühlt vom Unterbewusstsein gesteuert?

Betrachte ich beispielsweise das Wort „Dasein“, fällt mir auf, dass mein Dasein nicht für mein Hiersein steht. Was mein Dasein ausmacht, ist das äußere Leben, der Beruf und die Tätigkeit, die Lebensform, familiäre Situation, Hobbys, die gesundheitliche Verfassung. Das ist aber nicht gleich hier, sondern irgendwo anders. Was ich da bin, muss ich nicht hier sein. Es liegt ein nicht näher erklärter Unterschied zwischen beiden Orten. Wenn mein äußeres Leben mein Dasein charakterisiert, was steht dann aber für mein Hiersein? Das heißt, mein Dasein, kann völlig verschieden von meinem Hiersein sein und sagt im Grunde nichts über mich aus. Ich bin verblüfft, denn das hatte ich nicht erwartet. Das Dasein zeigt die Hülle eines Menschen, die er wie ein Kleidungsstück ablegen kann.

„Information“ hatte ich lange Zeit – ohne weiter darüber nachzudenken – für ein ursprüngliches Fremdwort gehalten, bis mir bewusst wurde, dass sich darin in-Form-bringen verbirgt. Information ist also das, was etwas in Form bringt, was sich in einer Form ausdrückt. Es ist das, was vor der Vergegenständlichung da sein muss, eine Idee, ein Geist, ein Gefühl, was sich in oft mit Hilfe der Menschen materialisiert. Jeder materieller Erscheinungsform geht eine nichtmaterielle Energie voraus und diese Energie bezeichnen wir mit Information.

Informationen sind also auch für unseren Fortschritt verantwortlich. Doch wovon schreiten wir fort, wenn wir Informationen umsetzen? Das Wort „Fortschritt“ besagt, dass wir uns fortbewegen. Für eine Fortbewegung gibt es einen Ausgangspunkt, zu dem ein immer größerer Abstand eingenommen wird. Während das Ziel meistens erkennbar ist, wird der Ausgangspunkt, der Urgrund, der ein Fortschreiten möglich machte, vergessen. Was ist das also, wovon sich die Menschheit entfernt?

Information beeinflusst den Fortschritt, der unser Dasein bestimmt.

Will ich dann lieber keine Informationen, die mich von von einem Urgrund hin zu einem Dasein entfernen, das nicht viel mit mir zu tun hat?