Robert Plant, Jimmy Page & Najma Akhtar

 

 

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Wasser

 

Wasser.

Ringsum plätschert leise Wasser bis zum Horizont, wo es langsam heller wird und sich unauffällig mit dem Himmel eint. Überall schwappen kleine graue Wellen unermüdlich vor sich hin. Nirgendwo gibt es klare Grenzen und irgendwo weit hinten hat das Grau die Sonne verschluckt und will sie nicht mehr zeigen, nie mehr.

Gleichgültig dümpelt es leise. Sie dreht sich in alle Richtungen und ihre Augen treffen keinen festen Gegenstand. Nirgends, nur Wasser, Luft und schwammige Wolken. Doch! Von rechts kommt langsam ein Haus geschwommen! Es ist ein hübsches Haus, weiß getüncht mit einem roten Ziegeldach in dessen Mitte ein Schornstein steht. Etwas Rauch steigt auf, feiner weißer Rauch. Zu beiden Seiten der blau gestrichenen Tür befinden sich Fenster mit ebenso blauen Fensterläden und davor wachsen rote Geranien in Blumenkästen. Ein einfacher Holzzaun umgibt das Haus. Es ist hübsch anzusehen. So malte sie als Kind immer die Häuser.

Es steht auf einer Schilfmatte. Wie merkwürdig, dass eine einfache Schilfmatte ein ganzes Haus tragen kann, denkt sie.

Kann sie ja nicht! Die Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Immer mehr Wasser tritt durch das Schilf, die Matte sinkt, neigt sich leicht, dann schneller, mit ihr rutscht das Haus gurgelnd hinein ins Nass, tiefer, die Fensterläden und glucksend zieht das Dach Strudel nach. Kurz zischt es noch, schimmert wie Erinnerung rötlich durch die Oberfläche, dann ist alles wieder grau, still.

Totenstille.

Sie sieht nur Wasser, das in der Ferne an den Himmel reicht, dort, wo längst vergessene Sehnsüchte umhertreiben und unaufhörlich vergebens nach Erfüllung suchen.

Ihre Hoffnung sucht nach einem Halt. Langsam dreht sie sich im Kreis. Wasser, leise vor sich hinschwappend. Nichts als Wasser. Nein! Da kommt noch einmal ein Haus von rechts. Es ist ein nettes Haus mit einem roten Ziegeldach. So ein Haus wollte sie immer haben und mit Mann und Kind darin wohnen. Ein einfacher Zaun aus Holz umgibt das Haus, das auf einer Schilfmatte steht. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen, sie weiß es doch! Die Schilfmatte schaukelt leicht, Wasser tritt hindurch. Ja, sie sieht es, es sinkt, das Haus, tiefer und tiefer hinab, schräger, gluckert schneller bis es fort ist. Es war ein hübsches Haus, das da noch rötlich zu ihren Füssen schimmert. Nun ist es fort.

Doch wieder kommt ein Haus von rechts. Es steht auf einer Schilfmatte. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Es sinkt, tiefer, weiter, bis sie nur noch das rote Dach schimmern sieht. Da kommt wieder ein Haus geschwommen. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Und wieder kommt ein Haus von rechts. Es ist ein hübsches Haus. Langsam sinkt es unter Wasser. Und wieder, eines nach dem anderen sinkt, wieder.

Sie steht und schaut und zählt die Häuser und blickt in die Ferne, fort zum Horizont, der sich an den Himmel schließt, bemerkt einen hellen Schimmer, zieht dann ihren Blick zurück und schaut auf die Schilfmatte zu ihren Füssen. Wasser tritt schon hindurch.