Das Wirken unserer Ahnen durch uns…

Für meine Mutter waren wir Kinder Gören oder Zigeuner. Der Begriff Göre für Kind war in Berlin geläufig, Zigeuner aber nicht.

Das Haus, in welchem wir wohnten, war das vorletzte einer Straße, die direkt auf die Spree zulief. Unser Hof, auf dem wir spielten, lag nur einige Meter vom Fluss entfernt und so standen wir Kinder oft am Eisengitter, durch das fast unsere Köpfe passten und verfolgten die Äppelkähne auf dem Fluss mit den Augen. Sand, Kohle, Schrott und Baumateriel wurden auf diesen Kähnen transportiert. Doch das wirklich Faszinierende war, dass auf diesen Kähnen Wäsche auf Leinen flatterte und Kinder spielten. Dort wohnten Familien! WARUM, fragte ich mich, mussten meine Eltern das ganze Jahr über in so einer öden Wohnung wohnen? …wo andere auf Flüssen durch die Welt fuhren…

Irgendwann gingen sie mit mir in den Zirkus. Weder für den Clown noch für die Tiere interessierte ich mich und die Artisten konnten sich noch so sehr um meine Aufmerksamkeit bemühen… Am ganzen Zirkusgeschehen fand ich allein bemerkenswert, dass Domteure und Artisten in Wagen wohnten. Ich erinnere mich daran, wie ich meinen Großvater darüber befragte. So wollte ich leben! Wenn ich groß bin, gehe ich weg, dachte ich tausend Mal und immer wieder…

Vielleicht war ich neun oder zehn, als mir auffiel, dass mein Vater anders aussah als Onkel Gerhard und Manfred, als Dr. Hennes und  all die Nachbarn. Mein Vater hatte tiefschwarze Haare, ebensolche Augen und eine dunklere Haut als andere Menschen. Ich hatte keine Ahnung, weshalb das so war. Ihn umgab ein einziges Geheimnis, das über alle Bereiche lag und niemals wurde etwas freigegeben. Offenbar durfte niemand etwas darüber wissen.

Und dann bemerkte ich, dass auch ich etwas anders aussah, als die Freundinnen…

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…auch wenn wir unsere Ahnen nicht kennen oder so, wie bei mir, sie nicht kennen durften, sie wirken durch uns. Und das, was nicht sein darf, was versucht wird zu verheimlichen und zu unterdrücken, wirkt am stärksten. Wenn ich heute am Feuer sitze, sitzt meine Großmutter im Geiste neben mir und manchmal kann ich sie spüren…

 

 

 

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Harpien

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Dieser schöne Brunnen ist mitten in Perpignan zu sehen, leider auf einem winzigen Kreisverkehr zwischen vier befahrenen Straßen, so dass kaum an ihn heranzukommen ist. Dargestellt sind Harpien, geflügelte weibliche Wesen, denen die unterschiedlichsten Sachen nachgesagt werden:

„Die Harpyien verkörpern die Sturmwinde[1] und sind die Töchter des Meerestitanen Thaumas und der Okeanide Elektra.[2] Ihre Anzahl ist unbestimmt, doch werden nie mehr als zwei Harpyien zugleich benannt. Namentlich treten auf:

  • Aello (altgriechisch Ἀελλώ aëllṓ[2] zu ἄελλα áëlla „Sturmwind, Wirbel“: „Windsbraut“) [3]
  • Okypete (Ὠκυπέτη Ōkypetē[2] zu (poetisch:) ὠκυπέτηs ōkypétēs „schnell fliegend“, aus ὠκύs okýs „schnell“ und πέτομαι pétomai „ich fliege“: „die Schnellflügelige“)[4]
  • Podarge, Podargo (Ποδάργη podargē[5] „die Schnellfüßige“). Sie ist die Mutter der Pferde des Achilleus.[6]
  • Kelaino, Celaeno (zu κελαινός kelainos (poetisch:) „dunkel“, „unheilvoll“: „die Dunkle“), die erst in der Aeneis des römischen Dichters Vergil erwähnt wird.[7]

Die Schwester der Harpyien ist Iris, die Göttin des Regenbogens, Gattin des Westwindes Zephir.

In den früheren Erzählungen der griechischen Mythologie werden sie als schöne Frauen mit gelocktem Haar[2] und Vogelflügeln beschrieben, später sind sie hässliche hellhaarige Dämonen.[8] Die Harpyien wohnen in einer Höhle auf Kreta und müssen auf Geheiß des Zeus Seelen von Toten in den Tartaros tragen oder Leute töten, die seinen Zorn erregen. Die Harpyien werden als schnell wie der Wind und als unverwundbar beschrieben.

Bei Homer werden sie für das Verschwinden des Odysseus[9] und den schnellen Tod der Pandarostöchter [10] verantwortlich gemacht. In der Argonautensage spielen sie eine wichtige Rolle: Sie quälen den blinden Seher Phineus, indem sie ihm das Essen vom Tisch rauben und mit ihrem Kot ungenießbar machen.[11] Zetes und Kalais, Söhne des Nordwindes Boreas und Gefährten der Argonauten, vertreiben schließlich die Harpyien.[12]

Der römische Dichter Vergil lässt in der Aeneis[13] dagegen diesen Kampf als ein Abenteuer des aus dem zerstörten Troja geflohenen Aeneas auf den Strophaden erzählen: „Es waren Vögel mit den Gesichtern von Mädchen, äußerst scheußlich war der Unrat ihres Magens, hakenförmig waren ihre Hände und immer bleich vor Hunger ihre Gesichter.“[14] Aeneas begegnet Harpyien auch in den Vorhallen der Unterwelt im 6. Buch, wo sie neben Gorgonen und Kentauren hausen. Ovid bezieht sich in seinen Metamorphosen nur knapp auf die „jungfräulichen Vögel“ in der Phineusepisode der Argonautensage.[15]

Im 13. Gesang von Dantes Inferno werden die Selbstmörder von Harpyien gepeinigt. William Blake und Gustave Doré illustrierten im 19. Jahrhundert diese Szene. Während sie bei Goya in den Caprichos noch unheilvolle Verkörperungen des Bösen darstellen, werden Harpyien im Kunsthandwerk des Klassizismus, ähnlich wie die Greife und Sphingen, zu rein dekorativen Reminiszenzen an die Motivwelt des Altertums.“ (Wikipedia)

Ich sehe in ihnen lieber die Sturmwinde und glaube nicht an ihre Bosheit. Als Winde haben sie hier ihren Platz, denn zwischen Atlantik und Mittelmeer weht häufig ein kräftiger Wind, der meistens von Westen kommt. Relativ selten weht er von Ost nach West und noch seltener kommt er aus dem Süden. Doch dann bringt er Wärme und den rötlichen Sand aus der Sahara mit.

Francois Arago in Perpignan

Weiter schlendert sie durch die Stadt. Und wie in jedem Ort hier, ist es unvermeidlich, dabei Francois Arago (1786 – 1853) zu begegnen.  In dieser Gegend Katalaniens sind hier geborene berühmte Persönlichkeiten rar, so dass Francois Arago in allen größeren und kleineren Ansiedelungen verehrt wird. Reicht das Geld nicht, ihm ein Denkmal zu errichten, wird eine Straße nach ihm benannt, wenigstens aber eine Gasse. Glücklicherweise machte sich Francois Arago nicht mit herausragender Kriegskunst einen Namen, sondern durch Forschung, Erfindung und seinen Einsatz in der Politik für mehr Menschlichkeit, so dass sie kein Missbehagen empfindet, seinen Namen häufig zu lesen.

Er forschte zur Interferenz von polarisiertem Licht, machte Experimente zur Lichtbrechung, erkannte die Magnetisierung von Eisen durch einen unter Strom gesetzten Leiter und widmete sich weiteren Versuchen, um die Welt besser verstehen zu können. Doch er engagierte sich auch politisch und wurde 1848 sogar Kriegs- und Marineminister. Für die endgültige Abschaffung der Sklaverei in Frankreich setzte er sich ein und bewies Charakter, als er es vorzog, alle öffentlichen Ämter niederzulegen, statt sich Napoleon dem III. nach seinem Staatsstreich anzuschließen. Wer hätte das gedacht. Heute sind ein Mondkrater und ein Marskrater nach ihm benannt und es gibt einen Arago-Gletscher im Eis der Antarktis. (Wikipedia) Und hier steht er:

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Seine Mutter hätte auch ein Denkmal  verdient, wenigstens sollte man sie ab und an hinter ihren Sohn auf den Sockel stellen. Diese Frau gebar elf Kinder, fünf Mädchen und sechs Buben, von denen nicht nur alle überlebten, sondern vier der Jungen sich auch noch einen Namen in der Öffentlichkeit machten. Sicher hätten es auch die Mädels „zu etwas gebracht“, wäre ihnen die gleiche Aufmerksamkeit und Ausbildung zugedacht worden.

Sie vermag es sich nicht vorzustellen, wie eine Frau elf muntere Kinder zur Welt bringt und aufzieht, so ganz ohne Waschmaschine und Gasherd, ohne Fernsehen und ohne Kindergarten. Ihr Mann wird als Bürgermeister von Estagel gut verdient haben, so dass sie Angestellte bezahlen konnten und doch…elf Kinder…ihr wird schwindelig bei dieser Vorstellung, sie hat nur drei und findet es mehr als genügend.

 

Meine Ahnen

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Dies ist nicht das älteste Foto, das ich habe, aber es ist das älteste Familienfoto, wahrscheinlich 1902 aufgenommen. Das kleine Mädchen vorn mit dem Hühnchen auf dem Schoß ist meine Oma mütterlicherseits. Sie wurde am 17. Dezember 1898 in Berlin geboren und bekam den schönen Namen Lucie. Hinter ihr links im Bild ist Lucies Oma zu sehen, meine UrUrgroßmutter. Neben ihr steht ihr Schwiegersohn Karl Ernst Hübner, seine Frau Anna, und ganz rechts ist der zweite Mann meiner UrUrgroßmutter zu sehen. Er ist nicht der leibliche Vater von Anna.

Der kleine Junge vorn heißt Willy Durezki. Vielleicht war er ein Spielkamerad meiner Oma, wahrscheinlich aber hatte er eine größere Bedeutung, denn seinen Namen sagte mir die Oma, als sie schon sehr alt war.

Es könnte sein, dass dieses Foto in einer Kleingartenanlage aufgenommen wurde. Zaun, Gewächse und die kleinen Häuschen im Hintergrund deuten darauf hin. Dann hatten vielleicht schon meine UrUrgroßmutter und ihr Mann einen Garten gepflegt. Interessant finde ich auch, dass meine Oma ein Hühnchen auf ihrem Schoß hat. Als mein kleiner Sohn vier Jahre alt war, zähmte er eines unserer Hühner. Es ließ sich von ihm herumtragen und er nahm es auf seinen Schoß, um es zu streicheln.

Den Geburtsnamen von Anna weiß ich leider nicht. Es ist aber möglich, dass sie Naujok hieß, denn es gibt Fotos und Erzählungen von Familienangehörigen dieses Namens.

Heute habe ich Enkelkinder, denen ich ihre UrUrUrUrgroßmutter auf dem Foto zeigen könnte, aber es interessiert sie noch nicht.

 

Garten Juli 2016

…hier ein Foto von meinem Garten, wie er zur Zeit aussieht…die Blumen sind auf der rechten Seite, also hier nicht zu sehen…die Tomatenpflanzen im Vordergrund haben mich in ihrem Wachtum nun überholt, sie sind größer als ich und werden noch weiter wachsen, was wieder schwierig sein wird, da die Haltestäbe nun nicht mehr reichen. In manchen Jahren erntete ich die oberen Tomaten, in dem ich auf einen Stuhl stieg und dann später fielen die Tomatenpflanzen einfach um, sie wurden zu groß und schwer…gut zu sehen ist auch, dass sie schon schöne große Früchte tragen…

…an die erste blühende Sonnenblume kann ich nicht herranreichen, sie wird zwischen 2,5 und 3 Meter haben, weiter rechts im Bild steht eine zweite, die noch nicht blüht…jedes Jahr gedeihen die Sonnenblumen prächtig, vielleicht sollte ich sie bevorzugt anbauen zusammen mit Tomaten…

…es ist gut zu sehen, denke ich, dass im Garten Unkraut und Gemüse friedlich zusammen wachsen…ich sorge dafür, dass die Kulturpflanzen nicht überwuchert werden und sie sich gut entwickeln, lasse aber so weit es nicht stört, jede wachsende Pflanze einfach wachsen…so kann man hier auch gut die Karde erkennen, die nun ebenfalls in Blüte steht und von vielen Insekten besucht wird…

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(…und noch ein Nachtrag zum gestrigen Eintrag: …heute sind die Schmerzen wieder verflogen…ich gebe acht auf mich, auf genügend Freude und Entspannung…und habe mir in der Apotheke H2O2 besorgt, ein altes fast vergessenes Hausmittel, deren Anwendung ich jetzt erst einmal studiere…)

Ich bin stolz…

…auf MICH!

Es scheint nicht üblich zu sein, auf sich selber stolz zu sein, vielmehr werden wir zu Bescheidenheit angehalten, zu Selbstkritik und dazu, es endlich besser zu machen, so, wie die Erfolgreicheren eben. Dabei wird Erfolg meistens mit beruflichem Erfolg gleichgesetzt und natürlich damit, mehr zu verdienen als andere. Doch darauf kommt es nicht an im Leben. Was nutzt all das uns einsuggerierte und erfolgreiche Erfolgsstreben, wenn wir uns ausgelaugt und krank fühlen, einsam und unglücklich? Irgendwie scheint mir „Erfolg“ etwas mit „folgsam“ zu tun zu haben. Nur einem folgsamen Menschen scheint es vergönnt – von einigen undisziplinierten Künstlern und Musikern mal abgesehen – zu Ruhm, Ehre und Geld zu gelangen. Doch wer folgsam ist, lebt in weiten Teilen das Leben der Anderen und diese schränken ihn ein, um von seiner Energie zu profitieren. So kann es manchmal richtig sein, sich nicht folgsam durch das Leben zu bewegen.

Das Ziel eines jeden Lebens sollte es sein, sich zufrieden und glücklich zu fühlen. Heute fühle ich mich heil! Es war ein langer Weg, ein mühsamer Weg, der durch viele Täler hindurchführte, aber auch über ebensoviele Berge und nicht gesellschaftskonform verlief. Meine Eltern wurden beide durch den Krieg geschädigt, mein Vater als Kindersoldat an der Ostfront, meine Mutter als Kind unter dem vierjährigen Bombenhagel in Berlin. Sie schlugen mich und er vergewaltigte mich. Sie konnten es nicht besser machen, als sie es taten, entsprechend ihrer Erlebnisse, entsprechend ihrer charakterlichen Schwächen. Für mich war es schrecklich, aber ich überlebte die Kindheit, überlebte spätere Selbstmordversuche und Alkoholismus.

Meine Abspaltung von der Gesellschaft und die Übersiedelung in den Wald waren sicherlich das heilsamste Geschehen. Die Natur und die Einsamkeit heilten viele Wunden. Die Stille bringt in Harmonie und richtet, was verletzt wurde, mit der Zeit. Heute lebe ich in meinem Paradies, innen wie außen. Mein Garten wächst und blüht so üppig wie noch nie und ich fühle mich reich. Ich bin dem Leben und mir dankbar, aber auch den Freunden, die mich unterstützten und halfen, dieses Ziel zu erreichen. Depressive Phasen verschwanden langsam und heute fühle ich mich stabil und zufrieden. Ich fühle mich, als hätte ich ein Ziel erreicht, das Ziel ein heiler Mensch zu sein.

(…über meinen Ausstieg und einen wichtigen Teil meines Werdeganges schreibe ich in meinem Buch; https://www.amazon.de/Weggehen-%C3%9Cber-meinen-Ausstieg-Gesellschaft-ebook/dp/B00QB7BG68/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1464841113&sr=1-1&keywords=heidi+prohl)