Zeichen

Wir erhalten vom Universum mehr oder weniger deutlich sichtbare Zeichen, die uns helfen sollen, auf unserem Weg zu bleiben. Wer diese Zeichen erkennen kann, der sieht, wohin die Reise für ihn geht. Meistens jedoch übersehen wir sie, nehmen sie nicht wahr oder halten sie für zufällig auftauchenden Unsinn. Weil wir es nicht vorgelebt bekamen, schenken wir ihnen zu wenig Beachtung.

Als ich vor etwa 14 Jahren hier Urlaub macht, ich lebte damals gerade in Berlin, begegnete mir auf der Straße eine Frau. Es war eine dieser Begegnungen, die scheinbar nichtssagend sind, für den nichtbeteiligt Betrachtenden. Auf mich machte diese Frau den größten Eindruck. Sie ging trotz ihres Altern hoch aufgerichtet und blickte mit offenem Blick um sich. Wir lächelten uns an, grüßten uns und als sie an mir vorbei war, fiel ihr Schlüsselbund in den Staub. Sie hob es auf und setzte ihren Weg fort. Ich kann es nicht erklären, aber diese kurze Begegnung machte den größten Eindruck auf mich.

Die Erscheinung dieser Frau noch mit mir herumtragend, ging ich einkaufen und stand gerade an der Kasse, als eine weitere ältere Frau, genauso aufrecht gehend und mit eben diesem Blick, den Supermarkt betrat. Alle meine Sinne wurden wach… Etwas später auf der Straße, als wir beide den Laden verlassen hatten, sprach sie mich an und wir unterhielten uns, während wir langsam nebeneinander her schritten. Sie sagte mir, ich solle doch hierher übersiedeln, hier hätte ich es besser als in Deutschland und sie würde mir einen Teil ihres Gartens abgeben. Dann bückte sie sich, klaubte einen Kronenverschluss und ein Stück Holz aus dem Rinnstein und legte beides auf ihre Hand. „Sehen Sie“, sagte sie, „wenn es so daliegt, kann man wirklich denken, es ist ein Schlüssel. Ich dachte eben, dort liegt ein Schlüssel auf der Straße.“

Mir verschlug es vor Überraschung fast die Sprache, die Begegnung von zwei beeindruckende Frauen, die beide ein Schlüsselsymbol von der Straße aufheben. Beide Frauen waren alt und hatten eine besondere Ausstrahlung. Dass beide einen Schlüssel aus dem Staub der Straße hoben, brachte sie zusätzlich in einen Zusammenhang. Die Schlüssel, Symbol für eine Lösung, fanden sich auf dem Weg. Der Lebensweg wird die Lösung zeigen. Einige Monate siedelte ich wieder nach Südfrankreich über und besuchte die zweite alte Dame, sie gab mir einen Teil ihres Gartens ab.

Zur Vollendung des magischen Zeichens jedoch musste eine dritte Dame mit selbiger Ausstrahlung und einem Schlüsselsymbol gehören. Erst mit der Drei vollendet sich die Schöpfung, alles Nachfolgende stellt eine Wiederholung dar.

Ich habe sie gefunden, die dritte Dame, beim Einzug in meine jetzige Wohnung, in meiner Nachbarin. Der Schlüssel liegt nun nicht mehr auf der Straße, sie trägt ihn als Schmuckstück um den Hals. Das scheint mir natürlich, denn letzten Endes werden wir zum Weg, den wir gehen…oder anders ausgedrückt, der von uns gegangene Weg spiegelt sich durch uns.

 

 

 

 

 

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25 Kommentare zu „Zeichen

    1. …ich glaube ja, dass solche Dinge einfach passieren, weil das Universum durch uns hindurch wirkt und nicht bewusst ablaufen…aber ja, ich gebe dann vielleicht keinen Schlüssel weiter, sondern…ehmm…eine Kartoffel, eine Rose oder Tomate…

      liebe Grüße!

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  1. auch ohne Zeichen – es spricht ja eine Seele zur anderen. So wie schon die erste Dame dir bedeutend erschien (mit und ohne Schlüssel)- Sicher, solche Zeichen helfen manchmal, aber die eigentliche Kraft geht doch von der menschlichen Begegnung aus. Die wird vom Zeichen noch einmal unterstrichen, damit man Acht gibt . LG Gerda

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  2. Beim Lesen deines Textes lief kribbelte es ganz stark in meinem Rücken und mir fiel dieser Text dazu ein, den ich neulich las:

    Der Engel
    Ich bringe das Andere. Jedes Mal, wenn ich über die Schwelle gehe – jedes Mal, wenn ich in einen Traum trete – jedes Mal, wenn ich im Gewand des Anderen sichtbar werde.
    Die Meisten erkennen mich nicht. Aber das macht nichts. Nicht ich bin wichtig, sondern meine Botschaft.
    Ich flüstere sie in ihrem Schlaf. Ich sage sie ihnen ins Gesicht. Ich lege sie in den
    Weg. Geduldig bin ich und hartnäckig. Ich trete in ihr Leben. Ich warte auf Einlass in ihr Herz.
    Manchmal muss ich zwei Mal anklopfen, drei Mal gar. Ich stehe auf der Schwelle. Meine Worte sind: Du trägst Gott in dir. Erschrick nicht. Gott wird wachsen in dir. Gib ihm Wohnung und bringe das Heilige zur Welt.

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    1. …ich finde, es kann ganz schön den Weg verändern und holprig kann es sich auch anfühlen, wenn man den Zeichen folgt…doch, man weiß ja nicht, wie es gekommen wäre, hätte man den Zeichen keine Aufmerksamkeit geschenkt…

      …jaja, das Älterwerden hat viele Vorteile, das meine ich jetzt ganz ernst…

      liebe Grüße!

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  3. Erste Erkenntnis:
    Wenn sich die „zufälligen“ Begebenheiten häufen und wir erkennen, dass das keine Zufälle sind sondern die real existierende Energie des „interaktiven“ Universums, beginnt das Erwachen.
    (Prophezeiungen von Celestine)

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    1. …lass mich raten…dann hat es vor Jahren schon begonnen in mir zu erwachen…einfach so, ohne dass ich es wollte…naja, auch ein blindes Huhn…und, der dümmste Bauer…Du weißt schon…ist doch mutmachend…

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      1. willst du schon wieder dein Licht unter den Scheffel stellen?
        (übrigens ein Bibel-Zitat, was viele gar nicht wissen)
        aber
        wenn es bei dir nicht eingesetzt hat, dann weiß ich nicht, bei wem und ich schätze, es wird dir gefallen, was da sonst noch so alles drin steht 🙂

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      2. …meine Liebe, ich habe gerade DAS Zitat gefunden und jetzt bin ich ganz glücklich, ich will es Dir nicht vorenthalten, hier ist es:

        „Meine wahre Anwesenheit ist die Abwesenheit des Phänomens, das Sie sehen.“ (Nisargadatta)

        …ich brauche also keinen Scheffel, aber auch kein Licht, denn ich bin beides und doch nicht…

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