1.1.2017

Wir haben es gegen halb zehn. Ein stiller Morgen, noch stiller als sonst. Die Menschen schlafen ihren Rausch aus. Den Abschied vom alten Jahr feierten sie, doch wer ist unterwegs, den Morgen des neuen zu begrüßen?

Eine klare Nacht überzog die Landschaft mit feinen Eiskristallen, wie festlich geschmückt glänzt sie im Sonnenschein. Die Hänge an den gegenüberliegenden Bergen leuchten golden. Mein Feuer im Ofen war über Nacht ausgegangen. Mit zwei Pullovern und drei Hosen übereinander gehe ich in die Küche und mache Feuer im Kamin. Die Wärme, das Knistern, der heiße Kaffee, der klare Himmel und die Stille sind ein Geschenk. Wieder fühle ich tiefe Dankbarkeit.

Was ich mir für das neue Jahr vornehme? Nichts, was nicht auch sonst anstünde. Ich wünsche mir, achtsamer zu sein, Gefühle besser wahrzunehmen, aufmerksamer im Umgang mit Menschen, meine kreative Ader mehr zu pflegen.

Es ist zehn vor elf als ich endlich auf meiner Seite des Flusses in die Sonne gehen kann. Ich sammle Holz, beobachte die Vögel, schaue den Hummeln zu, die sich an Haselnussblüten laben und zerre Plastikschnüre aus dem Unterholz. Reichlich Zeit verbringe ich damit die Schnüre zu entfitzen und aufzurollen. Dann setze ich mich in die Sonne. Allein auf der Welt.

Als ich wieder die Hütte betrete ist es immer noch zehn vor elf. Der Wecker ist einfach stehen geblieben. Nach etlichen Tagen ohne Uhrzeit hatte ich ihn mitgenommen, um einen Überblick über die Zeit zu haben. Vor allem Nachts ist eine Orientierung nicht verkehrt. Bin ich doch schon wach und munter in tiefer Dunkelheit aufgestanden, Feuer gemacht, Kaffe getrunken und hab auf den Mogen gewartet. Der kam aber nicht… Die Anwesenheit einer Uhr hat durchaus Vorteile.

 

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33 Kommentare zu „1.1.2017

    1. …ich kann Dir aus Erfahrung nur zustimmen, ein freies Leben kann eine funktionierende Uhr als Bereicherung empfinden, ein in den fremdbestimmten Arbeitsprozess eingegliederter Mensch wird sie oft verfluchen…

      …ich mag keine nichtfunktionierenden Dinge um mich, daher obliegt mir jetzt die unangenehme Aufgabe, das gute Teil – gerade mal drei Wochen alt – zu entsorgen..

      liebe Grüße!

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  1. ICh gehe mit dem Vorsatz mehr Disziplin zu haben, für mich und meinen Körper! Disziplin habe ich einen ganzen Haufen, aber immer dann wenn andere Menschen im Spiel sind. Mit mir alleine ist das schon schwierig. Das will ich lernen, Schrittchen für Schrittchen…Dir viel Erfolg fürs neue Jahr! Sabine

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    1. …vielleicht ist das der Ausgleich, man kann ja nicht immer diszipliniert sein, sich gehen lassen muss auch sein…ich kenne das zu gut…

      …ich wünsche Dir gutes Gelingen, aber überforder Dich nicht…liebe Grüße!

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    1. Danke, Dein Lob schmeichelt mir, ich empfand es eher als profan…ich bleibe immer wieder an der überwältigenden Stille hängen und finde, es wiederholt sich…mir gehen die Worte aus…“die ganze Sprache ist verbraucht“ sagt ja Rilke so schön und ich empfinde es gerade auch so…Schweigen ist da besser, aber auch das Schweigen reinigt nicht was in der Vergangenheit gesprochen wurde…vielleicht hilft ja Rückwärtssprechen…

      …wollte es dann nur aufschreiben der stehengebliebenen Uhr wegen…

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      1. …herzlichen Dank für Deine freundlichen Worte! …die eigenen Texte liest man anders, als die Anderer, Du weißt, erst wenn ich einen Text „vergessen“ habe, fällt mein unverbrauchter Blick darauf…also muss ich mich im Vergessen üben…

        …gute morgendliche Grüße aus der Stille!

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      2. wenn ich da mal ungefragt was zu sagen darf

        in so manchen Fällen ist vergessen gut
        z.B. ja auch, wenn man etwas wissen will – Frage formulieren, Thema vergessen, Antwort kommt – eigentlich auch bei allem, was einem im Kopf rum spukt, wo man jetzt aber nix machen kann… und das ist eine anspruchsvolle Sache, das zu üben – manche Menschen können das nicht, sie nennen das dann „Kopf-Kino“ oder so…

        Lieben Gruß von Ananda, die immer mal gerne ungefragt ihren Senf in Diskussionen schmeißt 😉

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      3. bei Männern macht das aber nix – die vergessen ja ohnehin einiges ganz von alleine

        sorry, is nich böse gemeint, kam nur grad so aus mir raus…

        auch dir ein glückliches Neues Jahr ❤

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      4. …das stelle ich mir als große Herausforderung vor, das Allesnichtvergessen…in einer Gerümpelkammer oder in einem Keller räumt man von Zeit zu Zeit auch auf und entsorgt (ent-soregn, das Wort sagt es schon, man entledigt sich dr Sorgen) unnütze Dinge…

        …mit herzlichen sonnigkalten Grüße aus dem Süden!

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  2. Als viel zu oft Getriebener wünsche ich mir nicht mehr Zeit, weil es das nicht gibt. Mehr Ruhe in der Zeit schon eher. Ja, Strukturen können helfen, Tag und Nacht zu unterscheiden, eine Uhr ist wichtiger Bestandteil davon. Wobei meine Tage derart durchstrukturiert sind, dass ich oft genug auch so spüre, wie spät es ist 🙂

    Auch ich gehe ohne spezielle Vorsätze in das neue Jahr, was dran ist, ist dran, unabhängig vom Kalender.

    Grüße & eine gutes Neues uns allen!

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    1. …das Zeitempfinden ist ja unterschiedlich und nicht mit dem Maß der Uhr identisch, es ist auch von unserer Aufmerksamkeit und Konzentration abhängig, wir könnten die Welt anhalten, wenn wir wollten und dazu fähig wären…

      …dann wünsche ich Dir viele frohe Ruhezeiten,
      liebe Grüße!

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