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Die neue Währung war zunächst nur für den lokalen Gebrauch gedacht, doch nun kann sie in ganz Frankreich verwendet werden. «Eine lokale Beschränkung genügt nicht, um Investitionen zu tätigen und Projekte zu finanzieren», erklärt Gérard Poujade, der Initiator des Projekts.

Rund dreissig lokale Komplementärwährungen sind in Frankreich schon im Gebrauch, andere sind in Vorbereitung. Da könnte die Ausweitung des Coopek aufs ganze Land der alternativen Wirtschaft einen kräftigen Schub verleihen.

Gérard Poujade, Bürgermeister von Le Sequestre, einer Gemeinde südlich von Albi, ehemaliger Vizepräsident der Region Midi-Pyrénées und Abtrünniger des parti socialiste, insistiert: «Der Coopek ist die Währung des Wandels im Bereich der Energie, der Ernährung und des CO2-Verbrauchs.»

Wie das? Wie alle Komplementärwährungen schafft der Coopek Anreize, Produkte von lokalen Produzenten und Verkaufsstellen zu berücksichtigen, die sich an eine gemeinsame Charta halten. Der Coopek macht sich die Werte der Komplementärwährungen zu eigen: den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Systems stellen, Spekulation unterbinden, eine lokale Wirtschaft entwickeln, die nicht ausgelagert werden kann und welche die Umwelt schont.

Dies alles in einem demokratischen Umfeld, denn die Coopeks werden durch eine gemeinnützige Genossenschaft (société coopérative d’intérêt collectif – SCIC) ausgestellt. Jeder Nutzer muss Genossenschafter sein und kann an den Entscheidungen anlässlich der Generalversammlungen teilnehmen.

Zinslose Darlehen

Viele Währungstransaktionen, die bisher den Komplementärwährungen versagt blieben, wird man in Coopeks tätigen können: Der Detailhandel kann Nahrungsmittel direkt bei den Lieferanten kaufen. Oder Bauherren können Materialien zum Bau von Wohnungen einkaufen. «Um Sonnenkollektoren zu installieren, beispielsweise, braucht es ein Planungsbüro, einen Installateur, einen Elektronikdienstleister, einen Hersteller von Solarpaneelen sowie einen Käufer der produzierten Energie. Heute haben wir all diese Akteure im Coopek-Netz», erklärt Gérard Poujade nicht ohne Stolz.

Zweite – und nicht minder wichtige – Neuerung: Der Coopek erlaubt den Vereinen und Betrieben Anleihen aufzunehmen, in Coopeks natürlich. «Sie wollen ein Solarkraftwerk realisieren, soziale Wohnungen erstellen, Gemüsekulturen anlegen? Man wird sie finanzieren können», sagt er. Diese zinslosen Darlehen funktionieren nach dem Prinzip des «zwischenbetrieblichen gegenseitigen Kredits» und nehmen für Projektausführungen die Form einer Überziehungsgenehmigung an, in Übereinstimmung mit der Charta. Die Betriebe oder Vereine können also investieren, indem sie Material und Güter kaufen, Handwerker beauftragen etc., und alles wird in Coopeks verrechnet.

Jede Privatperson kann Mitglied der Coopek-Genossenschaft werden durch Einzahlung von 50 € (die ihr in Coopeks gutgeschrieben werden). Dann kann das Mitglied das digitale Zahlungssystem für 20 € pro Jahr abonnieren. Warum digital? Dies ist aus praktischen Gründen nötig: Statt sich Couverts mit Banknoten zuzuschicken und die Zeit mit dem Zählen von Geldscheinen zu vertrödeln, verfügt jeder Nutzer über eine Zahlungskarte und ein im Internet zugängliches Konto.

Sich Zeit nehmen, das Netz nach und nach aufzubauen

Wenn ich 100 € «eintausche», werden meinem Konto 105 Coopeks gutgeschrieben (man kommt in den Genuss eines Bonus von 5 Prozent), die man im Netz der teilnehmenden Berufsleute ausgeben kann. Parallel dazu werden weitere 5 Prozent in den Stiftungsfonds Ecodata einbezahlt. Dieser Fonds ist ein partnerschaftliches Projekt zwischen Coopek und Sylvestris, dem Stammhaus von Ecocert), deren Zweck es ist, durch Spenden Projekte der Sozial- und Solidarwirtschaft zu finanzieren.

Schliesslich alimentieren die 100 in Coopeks «eingetauschten» Euros einen gesetzlich vorgeschriebenen Garantiefonds, der bei der Genossenschaftsbank NEF hinterlegt ist (NEF = nouvelle économie fraternelle). Und dieses Geld wird nicht schlafen, sondern wird es der Bank erlauben, Anleihen in Euros zu vergeben für Projekte im Rahmen der Energiewende. Gemäss Gérard Poujade «will man sich Zeit nehmen, um das Netz nach und nach mit den Nutzern, die sich dafür interessieren, aufzubauen». Um das zu realisieren, hat die Genossenschaft das französische Territorium in mehr als 300 geographische Sektoren aufgeteilt, die einer nach dem andern aktiviert werden, sobald genügend Privatpersonen und Berufsleute mitmachen.

Heute sind 14 Sektoren (vor allem in Südfrankreich) einsatzbereit. Bis es in ganz Frankreich funktioniert, wird es wohl mindestens drei Jahre gehen.

Für alle lokalen Komplementärwährungen den Übergang ins digitale Zeitalter vorbereiten

Was geschieht in diesem ehrgeizigen System mit den existierenden Komplementärwährungen? «Am Anfang herrschte grosse Angst vor dem Wettbewerb», gesteht Philippe Derudder, ein grosser Förderer der Komplementärwährungen. «Doch nach diversen Diskussionen stelle ich fest, dass der Coopek ein Bindeglied zwischen allen französischen Komplementärwährungen werden könnte. Insbesondere um den Händlern zu ermöglichen, ihre Lieferanten digital zu bezahlen. Es ist nämlich schwierig, lokal alle Produkte zu finden, die man braucht, und die lokalen Verkäufer decken sich sehr oft ausserhalb des lokalen Gebiets ein.»

Frédéric Bosqué, Mitglied des «Mouvement Sol», das eine Komplementärwährung aufbaut, war am Anfang ebenfalls misstrauisch. Auch wenn er bedauert, dass nicht alle Komplementärwährungen von Anfang an miteinbezogen wurden, anerkennt er jetzt doch, dass ihr Standpunkt berücksichtigt wurde, um das Projekt zu verbessern. Er hofft, dass der Coopek «die Komplementärwährungen ins digitale Zeitalter führen wird. Viele Körperschaften weigerten sich teilzunehmen, sollte es nicht nur mit Banknoten funktionieren.» Der Coopek könnte ihnen helfen, neben dem physischen Geld ein digitales zu etablieren.

Auch wenn die Skepsis nicht ganz verschwunden ist, muss man auf die Karte setzen, dass der Wunsch nach Zusammenarbeit im Moment stärker ist. Der Coopek wird von der Région Occitanie, von der Biocoop, von den «coopératives d’activité et d’emploi» (CAE) und von zahlreichen KMUs der Sozial- und Solidarwirtschaft unterstützt.

Im Verbund mit den lokalen Aktivisten im Bereich von Komplementärwährungen wird diese neue Währung eines Tages nicht mehr zu umgehen sein.

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Dieser Beitrag erschien auf der französischen ökologischen Plattform «Reporterre». Aus dem Französischen übersetzt von Walter Rohner.