…nachdenklich…

Die Nähe des Todes hat mich mehr getroffen, als ich es gedacht hätte. Schon vor Jahren hatte ich begonnen, mich auf mein Sterben vorzubereiten, Bücher gelesen, Übungen gemacht, in denen ich mein Sterben durchspielte, mir mich im Sarg liegend vorgestellt, Listen geschrieben, auf denen stand, was es noch zu tun gibt in meinem Leben, ein Testament geschrieben und eine Patientenverfügung… Ich dachte, ich hätte genügend Berührungspunkte angeschaut. Das war alles Theorie. Es erreichte mein Gefühl nicht.

Der verstorbene Freund erinnerte mich an die praktische Seite des Todes, er brachte es mir gefühlsmäßig nahe, dass wir alle endlich sind, auch ich. Nun müsste ich nicht wirklich betroffen sein, wenn ich mit meinem Leben so weit im Reinen wäre. Wer die Nähe des Todes fürchtet, der hat noch nicht genug gelebt, denkt es in mir, für denjenigen gibt es noch einiges zu tun. Der Tod kann uns nur dann schrecken, solange wir noch nicht unsere Lebensaufgabe erfüllt haben. Ich muss mich also fragen, wonach es mich noch drängt in diesem Leben, was es für mich noch zu tun gibt.

Und plötzlich – mitten in der Nacht – fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich bin auf dem Weg zu mir selbst noch nicht wirklich angekommen…

 

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28 Kommentare zu „…nachdenklich…

  1. Puuuuh .. die Endlichkeit, an die ich mit 20 nur dachte ,wenn jemand einen Unfalltod starb…
    X Varianten in einer Notaufnahme in einer Uni Klinik gesehen… manche berührten, andere weniger.. immer scheinbar sinnlos für Aussenstehende.. nur auszuhalten, wenn man Schuldig suchen konnte oder irgendwas von „Sinn“ spüren..
    Ich wiederhole mich in letzter Zeit immer mal wieder… aber .. „sich auf den Weg zu machen die zu werden die ich bin“ scheint mir der gangbarste Weg.. Ankommen wo auch immer… ja.. vielleicht ist das möglich.. oder nur ein Wunsch ? Das Leben selber spricht irgendwie gegen das Ankommen.. wenn es denn Stillstand heisst.. aber so meinst du es wohl nicht..
    ich muss weiter darüber nachdenken.
    Gruss S.

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    1. …wirklich anzukommen, wie an einem festen Punkt, ist in diesem Sinn sicher nicht möglich…man nähert sich nur einem Zustand an, den man nicht kennt und vielleicht auch nicht fassen kann und in diesem Verlauf verabschiedet man sich von dem, was das Ego ausmacht…ich denke ja, dass der Tod nur ein Übergang ist in einen anderen Zustand, in dem man inniger mit dem AllEinen – manche sagen Gott – verbunden ist…

      …und je näher man in diesem Moment bei sich selber ist, das heißt, je näher man seiner inneren Göttlichkeit ist, umso heller erlebt man die andere Seite, die einen wieder auf ein weiteres Leben vorbereitet…

      …es ist immer besonders traurig, wenn Menschen plötzlich aus dem Leben scheiden, das steht unserer Vorstellung von einem langen Leben und einem Sterben, das mit dem Alterungsprozess einhergeht entgegen…aber, irgend einen Sinn muss das auch haben, denn sonst wäre es nicht so…vielleicht erkennen die Dahingeschiedenen den Sinn im Hinscheiden…

      liebe Grüße

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      1. Das liest sich sehr schön.. du scheinst dir schon viele viele Gedanken gemacht zu haben..
        Was wenn es keinen eigentlichen Sinn gibt ?
        Menschen können denken, planen, Zusammenhänge herstellen, usw usw. .. und das Ich erkennt sich selbst.. in Gedanken.. was wenn das alles nur eine Variante dieses Planeten ist.. höhere Stufe von Säugetieren sozusagen..
        Wenn ich durchs Teleskop schaue und Sterne und sogar Planeten sehe… was wissen wir schon….
        Vielleicht haben die Hedonisten doch ein gutes Weltbild… keine Ahnung..
        spannendes Thema .. auf jeden Fall !
        S.

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      2. …ich finde Hedonismus sinnvoll, habe mich aber nicht wirklich damit befasst…ich denke auch, wir sind auf der Welt um glücklich zu sein, gleichzeitig denke ich aber, dass in einer polaren Welt, die sich im Materialismus äußert, wahres und ständiges Glück nicht zu finden ist, da pendeln wir ständig hin und her zwischen Glück und Leid…erst mit der Überwindung des Materiellen – nicht also die Negation, sondern in dem man unsere Bindung daran bewusst erkennt und versucht sich davon zu lösen – tritt man in wirkliche Zufriedenheit ein…und darin kann ich auch den Sinn finden. Hier auf Erden den Sinn im Erreichen von Geld und Geltung zu suchen ist sinnlos, denn mit unserem Sterben müssen wir alles zurücklassen, das erlebte Glück aber, die Freude können wir mitnehmen…

        …ich glaube nicht, dass wir höhere Stufen von Säugetieren sind. Unsere Körper mögen mit ihnen verwandt sein, unsere Seelen aber kommen aus anderen Ebenen und haben sich hier inkarniert, um zu reifen, um heil zu werden…wir sind gefallene Engel, sagt Armin Risi…vielleicht hat er ja recht, er hat 17 Jahre in Klöstern verbracht und die Veden studiert…

        lg

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  2. Im letzten und in diesem Jahr habe ich je einen Freund verabschiedet. Es ist Zeit, sich mit der Endlichkeit zu beschäftigen. Mit meiner, mit unserer. Mit meinen Aufgaben, bis dahin. Wut auf die gestellten Lektionen ist ein guter Anfang für mich, damit zu beginnen 🙂

    Deine Gedanken kann ich unterschreiben …

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  3. Ähnliche Gedanken machte ich mir schon mal vor knapp zwei Jahren beim viel zu schnellen Krebstodes eines langjährigen Freundes, der mich sehr mitnahm, war er doch gerade mal fünfzig geworden…

    Ich denke, man ist dann angekommen, wenn der Tod eingetreten ist,
    vorher gibt es immer noch etwas schönes zu tun…

    Herzliche Herbstgrüße vom Lu

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    1. …das hört sich richtig gut an und doch denke ich, viele sterben, ohne zu sein was sie am Grunde ihres Herzens sind…und das möchte ich nicht, ich möchte mit mir so eins sein, dass ich das Gefühl habe, es gibt nichts mehr zu tun für mich in diesem Leben…also ich meine das innere Tun, nicht das äußere Erleben und Schaffen…

      liebe Grüße durch den Nebel
      TeggyTiggs

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      1. Ich verstehe dich…

        Nur wie kannst du dir dessen jemals sicher sein?

        Meines Erachtens geht das im System-immanenten Ich-Selbst nicht…

        Ebenfalls nebelige Herbstgrüße vom Lu

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      2. …ich versuche in mein Herz zu gehen, immer tiefer und immer besser hineinzuspüren…zu horchen, ob ich da noch etwas finde, das gelebt und gefühlt werden will…gleichzeitig im Äußeren stiller werden, immer stiller, so dass man feinfühliger wird für das Innere…damit meine ich nicht für das Ego, das immer nach Aufmerksamkeit schreit, das braucht ja die äußere Beachtung und das Wirken, nein, ich meine das, was ohne Ego in uns ist…ich hoffe, ich habe es gut erklären können…

        liebe Grüße

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      1. hmmm… ich möchte auch die sein, die ich sein will… aber ich versuch’s nicht mehr… such’s nicht mehr, lauf nicht mehr hinterher… meistens jedenfalls, aber wenn ich da rein zurück fall, fühlt es sich ganz schnell nicht gut an, dann merk ich es und lass es wieder

        so wie mit Glück, Sinn des Lebens und all diesem Zeugs –
        alles scheue Rehe
        wenn du dich ihnen näherst, hauen sie ab
        gar nicht drum kümmern, dann werden sie neugierig und kommen schnuppern 😉

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      2. …das ist es ja, ich will gar nicht mehr die sein, die ich sein WILL…ich will die sein, die ich im Grunde BIN…und da frage ich mich wieder: wer bin ich denn?
        …aber Du hast recht, einfach sein und nicht sein wollen…

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      3. ich weiß immerhin schon mal, was ich alles nicht bin 🙂

        ich bin nicht meine Gedanken – meine Gedanken sind meine Gedanken
        ich bin nicht meine Gefühle – meine Gefühle sind meine Gefühle
        ich bin nicht meine Wünsche – meine Wünsche sind meine Wünsche
        ich bin nicht meine Ängste – meine Ängste sind meine Ängste
        ….
        Ich bin überhaupt nicht Ich – das Ich ist mein Ich

        Ja, wer bin ich denn ???

        Mit Worten ist es nicht auszudrücken
        Sobald ich es versuche in Worte zu fassen, sitz ich wieder im Hamster-Rad

        Meine wahre Natur ist jenseits von Worten
        Deshalb muss ich das nicht wissen und kann es trotzdem sein 🙂

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      4. …wow! genau so!…doch für mich ist dieses Wissen noch ziemliche Theorie…ich bin immer noch weitgehend von meinen Gefühlen gelenkt, von Gedanken bestimmt, von Zweifeln geplagt…und ich würde gerne mehr Abstand dazu haben, mich von Gedanken befreien, von Gefühlen unabhängig machen…irgendwann wird der „Beobachter“ mit dem Sein eins, sagt Osho…das wünsche ich mir…

        …und ja, vielleicht sogar das Wissen vergessen…

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      5. also, was mir grad noch ganz klar wurde – ich hab keine Löffel-Liste
        ich hab immer bis an’s Limit gelebt und darüber hinaus
        Grenzen? nich für mich
        kann ich nicht ist will ich nicht
        ich mach, was ich will und zwar ohne Netz und doppelten Boden
        Wolke vier? nich mit mir
        das wolln wir doch mal sehn…
        und so in der Art… das ist natürlich lebens-gefährlich – ich sag auch nicht, gut oder schlecht, richtig oder falsch – is einfach so – also, lebens-gefährlich und hinterlässt Scherben, Narben etc…
        Aber
        die andere Seite der Medaille ist
        Da ist nichts, was ich unbedingt noch machen wollen würde oder müsste oder so
        Viele Ideen, aber wenn nicht, is auch okay – also, muss absolut nicht sein, ich leb zur Zeit ganz gerne 😉
        aber wenn es denn – auf, wie besprochen, „gute Art“ sein sollte – dann wär’s okay

        das andere – und das hat nix mit dir zu tun, das sag ich immer an diesem Punkt –
        meine Erfahrung ist – von nix kommt nix
        Spirituelle Praxis, nennt man das wohl
        für mich meine Matte – je nachdem Yoga/ Entspannung/ Meditation – wenn ich das nicht mach, geht das alles nicht
        und bewusst die Verbindung zu Gott suchen – immer und immer wieder – erneuern – durch Gebet, Mantra und anderes…
        sonst flacht es irgendwann wieder ab und das ganze Theater geht von vorne los 🙂
        warum mit 🙂
        weil das dann auch okay ist 🙂

        noch ein Aspekt zum Thema sterben –
        es scheint mir wichtig, immer mit allen Mit-Menschen im Frieden zu sein
        man muss sie nicht alle mögen, man muss nix mit ihnen zu tun haben,
        aber da sollte kein Groll sein im Herzen, kein unerledigter Streit… das hält auch fest

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      6. ..verstehe ich total gut, das bis an seine Grnezen gehen…so kann man sich besser spüren…was natürlich gefährlich werden kann…aber die Erfahrung zu machen ist wichtig, denke ich…seiner eigenen Angst, seinem Übermut und seinem Wahnsinn begegnen…

        …Meditieren ist wichtig, mache ich sehr gern, täglich, Yoga mache ich seit Jahren nicht mehr, ist irgendwie nicht meins mit diesen Verrenkungen, ich mag Tensegrity…leider war ich den ganzen Sommer dies Jahr nicht diszipliniert genug dafür…hab auch gerade zu viel anderes zu tun, bilde ich mir ein, aber das ist ja auch nur eine Frage der Disziplin…

        …ja das stimmt, Friede mit seinen Mitmenschen ist wichtig, da muss man manchmal den Kontakt abbrechen, damit Friede sein kann, aber das macht dann auch nichts…Verzeihen ganz groß schreiben…

        …ich will es mal so sagen, was meinen derzeitigen Zustand ausmacht: Ich weiß, dass ich noch nicht mein Ziel erreicht habe, weiß aber nicht wie dieses Ziel aussieht…

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