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Die Nähe des Todes hat mich mehr getroffen, als ich es gedacht hätte. Schon vor Jahren hatte ich begonnen, mich auf mein Sterben vorzubereiten, Bücher gelesen, Übungen gemacht, in denen ich mein Sterben durchspielte, mir mich im Sarg liegend vorgestellt, Listen geschrieben, auf denen stand, was es noch zu tun gibt in meinem Leben, ein Testament geschrieben und eine Patientenverfügung… Ich dachte, ich hätte genügend Berührungspunkte angeschaut. Das war alles Theorie. Es erreichte mein Gefühl nicht.

Der verstorbene Freund erinnerte mich an die praktische Seite des Todes, er brachte es mir gefühlsmäßig nahe, dass wir alle endlich sind, auch ich. Nun müsste ich nicht wirklich betroffen sein, wenn ich mit meinem Leben so weit im Reinen wäre. Wer die Nähe des Todes fürchtet, der hat noch nicht genug gelebt, denkt es in mir, für denjenigen gibt es noch einiges zu tun. Der Tod kann uns nur dann schrecken, solange wir noch nicht unsere Lebensaufgabe erfüllt haben. Ich muss mich also fragen, wonach es mich noch drängt in diesem Leben, was es für mich noch zu tun gibt.

Und plötzlich – mitten in der Nacht – fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich bin auf dem Weg zu mir selbst noch nicht wirklich angekommen…