Schlagwörter

, , , ,

Das Krematorium in Perpignan hat man völlig pietätlos gleich hinter dem großen neuen Krankenhauskomplex errichtet, auf einem Hügel weithin sichtbar und ohne Grün drumherum. So können die lieben Kranken von ihren Betten aus ohne jede Mühe beobachten, wie oft wie viel Rauch aus seinem hohen Schornstein quillt. So viel schamlose Offenheit, was ihren weiteren Weg betrifft, ist nicht überall anzutreffen.

Das Gebäude des Krematoriums ist von besonderer Nüchternheit. Es wurde kein Aufwand betrieben, es den Hingeschiedenen und Hinterbliebenen in irgendeiner Weise angenehm zu machen, damit auch wirklich niemand auf die Idee kommt, hier gern einzukehren. Wir haben uns dort am Freitag eingefunden, um unseren Freund zu verabschieden.Und wie es sich für eine richtige Beerdigung gehört…es regnete und stürmte.

Es war meine erste derartige Beisetzung in Frankreich. So betrat ich mit einiger Neugier den schmucklosen Raum, in dessen Mitte eine Kiste stand, am oberen Ende mit einem Messingschild versehen, auf dem der Name Michael K. stand, 1959 – 2016. In dieser Kiste sollte der Körper unseres Freundes liegen. Den Deckel hatte man vor unserer Ankunft sorgsam mit dicken Messingschrauben befestigt. Warum man solches tat, wollte mir nicht einfallen. Befürchtete da jemand, der Dahingeschiedene möge es sich anders überlegt haben und wieder aus dem Sarg wollen? Es wollte nicht in meine Vorstellung passen, dass der Freund nun in dieser Kiste lag. Sie war von einfachem Holz, gut verarbeitet, eigens um verbrannt zu werden. Oder kippte man hinter der verschlossenen Tür die Leichen ohne Kiste ins Feuer? Wäre es so, hätte ich dafür Verständnis.

Wir brachten keine Blumengebinde mit. Keiner von uns konnte es sinnvoll finden, frische Blumen gemeinsam mit der Kiste und dem Leichnahm einem heißen Feuer zu übergeben. Eine Rede wurde nicht gehalten, seine Familie aus Deutschland war ohnehin nicht anwesend und unsere Totenfeier fand auf unsere Weise am nächsten Tag statt. Nachdem wir ein Weilchen dort gesessen hatten, kamen drei Menschen herein, um den Sarg auf seinem Gestell hinauszufahren. Dabei verhedderte sich das umgelegt Tuch aus rotem Samt mit dem Fahrgestell. Es wurde ein abgebremster Abgang und in mir kam das Gefühl hoch, er war mit seinem frühen Tod nicht einverstanden, er hätte gerne noch gelebt.

Der Bestatter tat beim Abschied kund, wir könnten die Urne mit der Asche am Montag bei ihm abholen. Damit wäre der offizielle Teil erledigt.

Glücklicherweise hatten wir am Sonnabend unsere Totenfeier. Es hat mich sehr getröstet, die Freunde alle beisammen zu sehen.