29. Oktober 2016

Der erste Frost kam letzte Nacht und bereifte Gräser und Laub. Er blieb am Boden haften, so dass Dahlien und Tomaten verschont blieben. Noch im Dunkeln stehe ich auf, füttere Katzen und mache Feuer. Nach dem Kaffee das Übliche, meditieren, abwaschen, aufräumen. Aufräumen ist heute den ganzen Tag angesagt, endlich einmal die vielen kleinen Arbeiten erledigen, die sonst gerne liegenbleiben.

Den Weinstock beschneiden, die letzten grünen Tomaten ernten, das große Fenster vom Gewächshaus neu verkitten, auf das Dach steigen und die Solarplatten reinigen, das Gartentor notdürftig reparieren, das geschlagene Holz aus dem Wald holen, sortieren und stapeln, endlich das Spielzeug der Kinder wegräumen und die Fläche vor dem Gartenzaun vom Unkraut befreien und schauen, ob von den dort in die Erde gesteckten Johannisbeeren eine überlebt hat.

Gegen halb zwei sitze ich im Hemd in der Sonne und begeistere mich am verhaltenen Vogelgezwitscher inmitten einer unendlichen Stille. Es ist Zeit mich hinunter an den Fluss zu setzen. Dort werde ich plötzlich von starkem Vogelgeschrei eingehüllt. Ich brauche einen Moment bis ich die Vogelschwärme über mir entdecke. Einer fliegt erwartungsgemäß als Vogel-V, genau genommen sind es drei Vogel-Vs ineinander geschachtelt, der andere dreht sich sich als lose Wolke um sich selbst. Es scheint sich um die gleichen Vögel zu handeln, die sich dort oben so unterschiedlich verhalten. Die einen ziehen zielstrebig und geordnet über dem blauen Himmel, so dass sie langsam immer kleiner werden. Die anderen drehen sich laut schreiend in der Sonne und driften dabei in die entgegengesetzte Richtung ab. Vielleicht genießen sie einfach nur ihr Dasein, denkt es in mir, und haben darüber vergessen, dass sie nach Afrika fliegen wollten.

Ich schaue nach oben bis der Nacken schmerzt. Dann gehe ich wieder in den Wald, um die Holzklumpen einen nach dem anderen nach unten zur Hütte zu werfen. Das erscheint Dir vielleicht mühsam, wenn Du das hier liest, doch es ist die effektivste Methode. Wenn ich Glück habe, rollt so ein Holzstück bis zur Hütte hinunter. Dieses Glück kommt zwar selten, weil der Schwung meistens durch Sträucher und Steine abgebremst wird, doch auch einen Fünfer im Lotto hat man ja nicht alle Tage. Wie wäre das Leben langweilig, wäre alles effektiv und optimal. Und wie langweilig wäre ein Fünfer im Lotto.

Im davonfliegenden Vogelschwarm liegt eine lebendige Eleganz, vollendete Schönheit, die keinen Zweifel lässt. Regeln und Ziel bilden eine sich ständig neu formende Einheit. Als ich wieder in den Garten komme, schwebt die Vogelwolke genau über mir, eine scheinbar ziellose Form, aus der laute Rufe schallen, die einzelnen Vögel um einen imaginären Mittelpunkt kreisend, nach oben stoßend, von dort wieder nach unten fallend. Hier fehlt mir zielgerichtete Klarheit, wie ich in meinem eigenen Leben das Fehlen von Zielen bedauere. Und doch bin ich fasziniert. Was ist der Zweck des Ganzen? Ist es die pure Freude am Flug, am Sonnenschein, genießen sie die warme Luft über der bunten absterbenden Vegetation? So scheint es zu sein, pure Freude als Lebenszweck. Solch ein lohnenswertes Ziel ist fast vergessen heutzutage.

 

 

 

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Mosaik

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Vor gelbbraunem Mosaik, das sich in die Tiefe dehnt, schwanken schwarze Stämme, winken ihren Blättern nach und recken sich im Glanz, vielleicht ein letztes Mal. Die Sonne wirft Strahlenbänder dazwischen, die durch den Nebel dringen, manchmal bis auf den Grund, während Blätter über Wiesen tanzen, endlich freigekommen, sich drehend springen immerfort…fort nur fort und fragen nicht wohin.

Ich höre sie jauchzen, als könnten sie es. Bald werden sie sich zum Sterben in Mulden sammeln, aneinanderpappen, durch Feuchtigkeit verbunden und nie mehr allein sein. Sie wissen es nicht. Der Tod wird sie schwarze färben und nach Moder riechen lassen bis Pilze aus ihnen wachsen…noch nie gab es so blauen Himmel.

Wind faucht vom Horizont heran, durchquert das Tal, fegt durch Zwischenräume und zaust die Sträucher. In auf feinen Zweigen aufgereihten Tropfen blinkt goldenes Licht. Spinnen haben sich verkrochen, Eichhörnchen Vorräte angelegt. Auch ich suche Früchte noch zu bergen, sammle Verstehen vor der Einsamkeit. Nun werden meine Brüste welken, Haut wie verdorrte Pflaumen schrumpeln und sich in Falten legen bis zur letzten Ruh…ein einzelner Vogel zirpt fragend.

Neben Bäumen stehen lila Schatten, tauchen zittrig ein ins Dunkle mehr und mehr. Kälte kriecht aus Löchern und zieht dem Wind nach.
Nichts, was es zu bedauern gäbe.

 

Herbst

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…Das Holz ist geschlagen und gesägt, die Ernte eingebracht, noch esse ich täglich Tomatensalat von auf der Fensterbank nachreifenden Früchten, die Sonne wärmt Pflanzen, Tier und Mensch…alles atmet Fülle und Zufriedenheit…

…es war kein besonders gutes Gartenjahr, was ansonsten zuverlässig wächst, kümmerte in diesem Jahr, Lauch und Rote Bete, auch Fenchel wuchsen nicht, dafür gab es prächtige Möhren, Tomaten und Gurken, Kürbisse und auch Zwiebeln und Bohnen…alles hat seinen eigenen Rhythmus…

Natur und Du

…manchmal braucht man eine Erinnerung…

wandlungszeit

dsc_7957Was geschieht mit uns Menschen, wenn die natürliche Verbindung zur inneren Natur, zum eigenen göttlichen Spirit abreißt, die wunderbare Nabelschnur, die zu den Wurzeln des eigenen Seins führt?

Werden wir dann zu Zombies, die sich nicht mehr spüren? Sind wir das bereits? Wer von Euch kann sagen, ob er sich spürt, das Glücksgefühl beschreiben, mit sich selbst tief verbunden zu sein, seine innere Natur erkannt zu haben, sie all-täglich in sich wahrzunehmen?

Und: Was passiert, wenn wir verbunden sind, uns tief innen spüren, und dann in ein Einkauszentrum gehen, TV schauen oder einem regulären Job nachgehen??

Beispiel:
Meine Schmerzgrenze liegt bei etwa drei Stunden Stadtzentrum/ Einkaufsmeile. Mein System nimmt ungebremst den Dreck auf, der von Werbung, Konsum und Lärm in mich einströmt. Nach einer Weile verschiebt sich alles, ich verliere meine Mitte – bin nicht mehr richtig zentriert und meine Wahrnehmung schaltet auf Durchzug, auf Notstrombetrieb. Ich brauche danach etwa…

Ursprünglichen Post anzeigen 439 weitere Wörter

…nachdenklich…

Die Nähe des Todes hat mich mehr getroffen, als ich es gedacht hätte. Schon vor Jahren hatte ich begonnen, mich auf mein Sterben vorzubereiten, Bücher gelesen, Übungen gemacht, in denen ich mein Sterben durchspielte, mir mich im Sarg liegend vorgestellt, Listen geschrieben, auf denen stand, was es noch zu tun gibt in meinem Leben, ein Testament geschrieben und eine Patientenverfügung… Ich dachte, ich hätte genügend Berührungspunkte angeschaut. Das war alles Theorie. Es erreichte mein Gefühl nicht.

Der verstorbene Freund erinnerte mich an die praktische Seite des Todes, er brachte es mir gefühlsmäßig nahe, dass wir alle endlich sind, auch ich. Nun müsste ich nicht wirklich betroffen sein, wenn ich mit meinem Leben so weit im Reinen wäre. Wer die Nähe des Todes fürchtet, der hat noch nicht genug gelebt, denkt es in mir, für denjenigen gibt es noch einiges zu tun. Der Tod kann uns nur dann schrecken, solange wir noch nicht unsere Lebensaufgabe erfüllt haben. Ich muss mich also fragen, wonach es mich noch drängt in diesem Leben, was es für mich noch zu tun gibt.

Und plötzlich – mitten in der Nacht – fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich bin auf dem Weg zu mir selbst noch nicht wirklich angekommen…

 

Am Feuer…

…hier sieht man meine Feuerstelle…und ich möchte dieses Kochen nicht missen. Die enge tägliche Verbindung mit den Elementen kann nur gesund sein. Natürlich, es macht Arbeit, das Holz im Wald zu sammeln, Wasser vom Fluss zu holen, das Trinkwasser dort, wo es aus dem Berg sprudelt…aber es schafft grundlegendes Vertrauen in das Sein, Unabhängigkeit von Elektrizität und Geld und somit ein weitgehend eigenständiges Sein. Und dieses wiederum schenkt Sicherheit.

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…die Mauern habe alle ich gemauert, die Steine selbst gesammelt und mit Lehm verfugt…