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13. August 2016

Früh ist es kühl, so dass ich mir einen Pullover überziehe. Der Wind hat sich gelegt und eine wundervolle Stille liegt über dem Land, die nur deutlicher wird, wenn ein Auto sie auf der fernen Straße durchquert.

Mit der Kaffeetasse in der Hand beobachte ich, wie das Feuer friedlich seine Flammen emporschickt und einen Ast nach dem anderen erfasst. Es ist so ein Tag, für den ich mir nichts vorgenommen habe. Nachdem ich die Tür fertiggestellt und eingesetzt habe, gibt es diese Phase des Genießens. Für alles Tun heute gibt es keinen Plan, vielleicht werde ich Fenster putzen, vielleicht in den Garten gehen, vielleicht Holz machen…

Die Tür ist fertig…allerdings nicht der Rahmen. Ich gönne mir eine Pause und das Genießen des Abschlusses dieser Etappe. Wovor mir am meisten bangte ist gelungen: das Befestigen der Tür am Rahmen mittels dreier Scharniere. Es schien mir sehr fraglich, ob ich es hinbekommen würde. Somit hing das ganze Projekt an den Scharnieren, denn ich wusste, würden die Scharniere sich nicht meinem Willen fügen, würden sie aufbegehren und sich nicht geradlinig und passend verhalten, würde ich die Lust verlieren und auf das Einsetzen der Tür vor diesem Winter verzichten. Ich bin kein geduldiger Mensch.

Also brauchte ich eine gute Vorbereitung und ein sorgsames Herangehen. Gedanklich hatte ich sämtliche Arbeitsgänge mehrmals durchgespielt und die Befestigung der Scharniere an einer alten Tür studiert. Theoretisch wusste ich bestens Bescheid, nun musste es sich in der Praxis nur noch so verhalten, wie es theoretisch schien.

Zuerst bat ich die Elemente um Beistand. Unten am Fluss bat ich das Wasser, unter freiem Himmel den Wind, barfuß im Garten die Erde und meinen Freund das Feuer.

Danach maß ich, zeichnete an, überprüfte die Maße und Markierungen immer wieder und ließ mir viel Zeit dabei. Lieber alles drei Mal nachmessen, als hinterher vor einem Misserfolg stehen. Den würde ich nicht verkraften und alles in die Ecke werfen, das spürte ich deutlich. 18 Schrauben setzte ich, neun auf die Tür, neun an den Rahmen, jedes Scharnier wurde auf beiden Seiten mit drei Schrauben befestigt und keine der 18 Schrauben durfte aus der Reihe tanzen. Ich ließ keinen Zweifel am Gelingen der Arbeit zu. Ein Handgriff nach dem anderen und hängte die Tür schließlich ein, als sei es das Selbstverständlichste der Welt.

Hinterher erfasste mich Staunen und Ehrfurcht vor meiner Arbeit…ganz kurz. Die Scharniere passen perfekt, die Tür hängt senkrecht in der richtigen Höhe und lässt sich öffnen und schließen. Den Rahmen werde ich nächste Woche machen, wenn nichts anderes anliegt. Eine Lösung für das Schloss muss ich mir noch überlegen.

Die Tür hat mich an Material etwa 100 € gekostet, für Holz, Winkel, Schrauben, Scharniere, Pinsel und Farbe, wobei die Farben für die Bilder nicht dabei sind. An Werkzeugen habe ich verwendet: vier kleine Schraubzwingen, einen Winkel, ein Bandmaß, Bleistift, Fuchsschwanz, Stechbeitel, Hammer, Raspel, Schraubenzieher und eine geborgte Bohrmaschine.

Kenntnisse zum Fertigen einer Tür hatte ich nicht, wie auch sonst keine Zimmermannskenntnisse und das ist unter den gegebenen ungewöhnlichen Umständen wahrscheinlich gut so. Den größten Teil der Zeit verbrachte ich mit Nachdenken. Erst nachdem ich alles gut und mehrmals durchdacht hatte, habe ich mit der praktischen Umsetzung begonnen. Ich habe immer nur so lange gearbeitet, wie ich Freude daran hatte. Sobald ich keine Lust mehr verspürte, habe ich mich anderen Tätigkeiten zugewendet. Jeder kleine Erfolg wurde genossen, wie die Fertigstellung des roten Rahmens, das Einsetzen des ersten Bildes usw. Diese Tür ist wenig stabil, sollte jemand gewaltsam Eintritt begehren, aber sie schützt den Innenraum vor Kälte und Wind und genau das sollte ihre Aufgabe sein.

fertige Tür 3.jpg