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…schon mehrmals hatte ich den Versuch gewagt, Federvieh zu halten. Vor über 20 Jahren noch war das gar kein Problem. Die ersten Hühner hatten einen frei begehbaren Stall, den sie nach Belieben verlassen und aufsuchen konnten. Sie rannten den lieben langen Tag durch den Wald und suchten auf der Heide Futter, waren glücklich, dick und rund. Im Winter konnte ich nach Berlin fahren und wenn ich nach Wochen heimkehrte, liefen sie mir glücklich entgegen. Kein Zaun begrenzte sie, keine Futtergaben waren nötig und keine Bewachung.

Inzwischen hat sich das ein bisschen geändert. Der erste Angriff auf meine Hühner erfolgte durch einen Marder,  der sich des Nachts in den Stall schlich und eines heimtückisch ermordete, erstaunlicherweise nur eines, wo diese Tiere doch den Ruf haben, dem Blutrausch zu verfallen. Ein Jagdhund aus dem Dorf packte die übrigen. Ich baute also einen Hühnerstall mit umzäunten Auslauf. Nachbarn, denen irgendetwas nicht an mir gefiel…oder hatte sie einfach nur die Langeweile getrieben?…drückten in nächtlicher Dunkelheit den Zaun von oben nieder und entkamen mit Hühnern und Enten.

Inzwischen wimmelte es hier auch vor Füchsen und Waschbären. Ich brauchte also einen Zaun, der sowohl unübersteigbar war, als auch von unten nicht zu untergraben, überdies kleinmaschig. Im letzten Winter bastelte ich einen Hochsicherheitstrakt für neue Hühner. Genügend hoch, wie ich dachte, also zwei Meter, unten umgeschlagen und mit Wellblechplatten und dicken Steinen belegt. Neue schöne Hühnchen trafen ein, gewöhnten sich an Erde und Grün, an Sonne und Käfer und legten schöne Eier. Einige Monate lang. Nun nicht mehr.

Letztlich ist es mir ein Rätsel. Eines Tages – vor vier Wochen – fand ich den Auslauf ohne Hühner vor, nur einige Federn schwebten im Grün. Die Wackersteine waren an einer Stelle weggerollt, doch durch die engen Maschen passte kein Huhn, auch kein Waschbär und kein Fuchs… Was also war passiert? Weder Knochen noch Blut, auch keine Hühnerfüße waren hinterlassen worden. Durch die engen Maschen hätte kein Huhn gepasst und Hühnerfüße werden nicht gefressen. Es bleibt mir ein Rätsel. Von unten zu graben versucht und dann oben über den Zaun gehoben?

Als ich mit dem restlichen Hühnerfutter zu meinem Nachbarn kam, da ich es ja nun nicht mehr brauchte, sagte er mir, auch er hätte keine Hühner mehr. Bei ihm war es wohl ein Fuchs, der den Zaun durchbrach. Auch die nächste Nachbarin hat kein Vieh mehr…

Ich will nicht einfach aufgeben. Also denke ich darüber nach, auf welche Weise ich den nächsten Stall anlege. Am sichersten wäre es, ein Fundament aus Beton zu fertigen und den Stall auch oben zu schließen…aber, was für ein Aufwand für einige Eier…wenn ich da die Kosten bedenke…und das Ergebnis sähe nicht nach freilaufenden Hühnern aus, sondern nach einem richtigen Gefängnis. Will ich das? …nachdenken…