Was einen mit Nachbarn passieren kann

Alle Menschen in meinem näheren Umkreis, die ich grüße, mit denen ich ab und an ein paar Worte rede, über das Wetter und, „na, kommen denn Ihre Kinder diesen Sommer?“ usw., nenne ich meine Nachbarn. In diesem Sinne habe ich eine Nachbarin, die ich manchmal auch besuche. Sie lebt mit ihrem Mann zusammen, der doppelt so alt wie sie ist. Als der überneunzigjährige vor kurzem krank danieder lag, schaut ich immer mal wieder vorbei, um zu schauen, wie es ihm und ihr geht.

Nun ist er wieder obenauf. Da teilte sie mir mit, dass sie gerade die Flugtickets gekauft hat und für drei Monate wegfahren wird. Ob ich während der Zeit bei ihrem Mann saubermachen kann und ja, im Dorf fährt er noch selber Auto aber weiter weg nicht mehr…usw. Das bedeutet, ich müsse einkaufen fahren für ihn, ihn zum Arzt fahren, zur Apotheke und bei ihm wachen, sollte er wieder keine Luft bekommen usw. Ich muss etwas verblüfft geschaut haben, denn sie fragte, was ich dafür haben wolle… Noch bevor ich irgendwie antworten konnte, da ich erst einmal meinen heruntergefallenen Unterkiefer einfangen musste, klopfte es an die Tür und weitere Besucher kamen, die nach seinem Befinden sehen wollten. Das gab mir die Gelegenheit, mich erst einmal zu verabschieden.

Daraufhin rief ich sie an, um ihr zu sagen, dass ich die Pflege ihres Mannes während der drei Monate nicht übernehmen kann. Sie reagierte, in dem sie mir sagte, sie hätte solch Vertrauen zu mir gehabt! Das wäre keine Frage des Vertrauens, sagte ich. Worauf sie sagte, ich würde sie mit meiner Entscheidung traurig machen.

Ich bin immer noch verwundert. Eine Frau, die ihren sehr alten Mann, der gerade fast gestorben wäre, plötzlich drei Monate alleine lassen…und einer im Grunde Fremden überantworten will… Ich jedenfalls übernehme nicht die Verantwortung für diesen alten Herren, den ich nicht einmal wirklich kenne.

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29 Kommentare zu „Was einen mit Nachbarn passieren kann

  1. Das hätte ich auch abgelehnt. Du mußt dir kein schlechtes Gewissen machen, es ist dreist sich für eine Reise vorzubereiten und nicht dafür Sorge zu tragen, dass der Partner professionell versorgt wird. Nie im Leben fiele mir ein solch eine Frage, selbst an meine beste Freundin, zu stellen.

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    1. …nein, ich hab kein schlechtes Gewissen, ich war erstaunt über eine solche Dreistigkeit und die geht ja schon damit los, dass sie ihren Mann drei Tage nachdem er fast gestorben wäre für drei Monate alleine lassen will…ich finde das alles unglaublich…

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  2. Das würde ich ja schon als total dreist bezeichnen!!!
    Sie hofft wohl, dass sie ihn nicht mehr antrifft, wenn sie nach drei Monaten wiederkommt.
    Wenn es um drei Tage ginge, da kann man drüber nachdenken, aber alles andere ist wirklich dreist!!

    Gut, dass du nein gesagt hast und dich nicht hast umstimmen lassen.

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  3. Sie wollte es bezahlen, sonst hätte sie nicht gefragt, was Du dafür haben wolltest. Netter Versuch soweit. Es ist dein gutes Recht, Nein zu sagen, angesichts des zu erwartenden Fulltime-Jobs für 3 Monate. Soll sie `ne Pflegekraft engagieren, dann gewöhnt sie sich an die Preise. Das ist definitiv keine Nachbarschaftshilfe mehr.

    Tief blicken lässt dagegen der Versuch, dich anschließend für IHRE Gefühlszustände verantwortlich zu machen. Auf so etwas reagiere ich mittlerweile total allergisch…

    Grüße mit Musik aus dem Tal der Wupper 🙂

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    1. …ich hatte nicht den Eindruck, dass sie mich für die zu erwartende Arbeit wirklich bezahlen will…sie dachte eher an einen kleinen Ausgleich fürs Saubermachen, aber nicht für eine wirkliche Bezahlung, die dem Job mit dieser Verantwortung gerecht gewesen wäre…

      …das Dumme an der Sache sind solche nicht ausgesprochenen Erwartungen, wie und dann kannst Du ihn ja mal zum Arzt fahren usw. Das kann erstens oft passieren, sich zu einem wirklichen Volltagsjob entwickeln und dann bin ich weder Krankenschwester noch in Altenpflege geschult…und kein Verwandter in der Nähe…

      …nein, nein, nicht (mehr) mit mir…

      liebe Grüße aus dem warmen Süden!

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  4. Krass! Ich meine, wenn man das beruflich macht wäre das ein Heidengeld.
    Abgesehen davon dass ich ihren Urlaub nicht verstehen kann, müsste sie nicht nur ihr Urlaubsziel bezahlen sondern fairerweise auch die Pflege.

    Und dann noch auf die Tränendrüse drücken 😀

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    1. …krass ist das richtige Wort…sie sagte nichts von Bezahlung, auch nicht nachträglich…und ich finde es unglaublich verantwortungslos und gefühllos, ihren Mann so lange in dieser Situation allein lassen zu wollen, schließlich haben sie über dreißig Jahre miteinander verbracht…

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      1. Ach ja: Pflege hindert einem ja sogar am Job. Wenn man zb einen Angehörigen pflegt kann man wahrscheinlich keinen 40-h Job mehr schieben. Dafür gibt es ja dann extra Regelungen…
        Und das dann so nebenbei in stehen und ja erwarten xD

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  5. Ich lobe dich hiermit ausdrücklich 🙂

    Das kann ja leicht passieren, dass man da so baff ist, das man aus Versehen Ja sagt …
    und es ist ja nicht nur die Verantwortung – das ist eine Menge Zeit- und Arbeits-Aufwand

    Wie jemand auf so eine Idee kommt?
    Ich hab mich irgendwann dazu entschieden, davon auszugehen:
    Alle verrückt – Im Wald kriegt man das vielleicht nicht immer so direkt mit 😉
    Aber glaub mir, ich wohn mitten im Gewühle, da brauchst du nur einmal einkaufen zu gehen und kannst verzweifeln an der Menschheit 😆
    Alle verrückt – So kann man noch positive Überraschungen erleben 🙂

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    1. …sehe ich auch so, alle verrückt…und doch, im Wald fällt es besonders auf…wenn ich nach Tagen des ruhigen Lebens in der Natur in einen Ort fahre, brauche ich Stunden, um mich an die Menschen zu gewöhnen, sie sind laut, reden Unsinn und benehmen sich wie Irre…das fällt einem nicht auf bei täglichem Kontakt…

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      1. habe zur Zeit ein etwas längeres Zu Hause-Retreat – gesundheitliche Umstände –
        das ist ein bisschen ähnlich –
        habe zwar keine Bäume in der Wohnung außer meinem Mango-Baum 😆
        aber, so unangenehm die Sache auch ist –
        Ich bin gerne in meiner Welt 😉

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      2. …das verstehe ich auch, halte ich mich länger in Großstädten auf, geht es mir phantastisch, da ich aus einer solchen komme, gehe ich sofort mit dieser Energie in Resonanz und werde wahrscheinlich genauso laut und irre wie die anderen auch…

        Gute Besserung wünsche ich!

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      3. Ich bin in der Stadt aufgewachsen, war dann 17 Jahre in Spanien, aber voll auf dem Land, ohne Nachbar in Sicht- oder Hör-Weite, ohne Strom und so
        Dann war es den Umständen entsprechend not-wendig für mich, zurück zu kommen
        – das ist etwas längere Lebens-Geschichte…
        Jetzt halten mich Umstände hier, das ist auch okay so, voll akzeptiert,
        aber wenn der Umstand irgendwann nicht mehr ist, hält mich auch nix mehr hier.
        Wohin werden wir dann sehen – die Welt ist groß und bunt und schön 🙂

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      4. …wow, Spanien! …ich lerne gerade spanisch, ich kenne Spanien nicht (außer ein bisschen Barcelona, aber das ist ja Katalanien), liebe aber alles, was von dort kommt, die Sprache, das Temperament, die Musik…und sobald ich über die Grenze fahre geht mir das Herz auf…

        …und ja, leben ohne Strom, ohne Bad, ohne Nachbarn, ohne Telefon…kenne ich sehr gut…

        …ja! die Welt ist bunt und schön und überall gibt es freundliche Mneschen…

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      1. Glaub ich..ich wunder mich auch noch, ich hatte vor ein paar Wochen eine Anfrage ob ich auf einen Hund aufpassen könnte, auch die Frau wollte ihn Urlaub. Wie sich rausstellte, war der Hund 15 Jahre alt, zerbrechlich, krank mit Pampers an. Ich habe natürlich auch abgelehnt und war auch leicht verärgert über solch ein Verhalten…

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