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Meinen letzten Geburtstag feierte ich vor 14 Jahren, das scheint mir lange her. Davor feierte ich meine Geburtstage oft, feierte Sylvester, Weihnachten und lud Freunde einfach so zum Essen ein, zum Musikmachen und Tanzen, aus lauter Freude. Inzwischen mache ich es nicht mehr. Fast nicht mehr. Mein Bedürfnis nach Gesellschaften dieser Art hat sich reduziert. Dieses Jahr aber will ich meinen Geburtstag feiern und aus diesem Anlass erinnere ich mich an die letzte Geburtstagsfeier vor 14 Jahren.

Damals lebte ich in Berlin. Ich hatte sehr viele Freunde und Bekannte. Diese waren Musiker, Künstler, Regisseure und Schauspieler, sie verdienten als Marktfrauen ihren Lebensunterhalt oder als Lebenskünstler, Autoschrauber, Musiklehrer, Grafiker, Kostümbildner, als Krankengymnastin oder sie waren arbeitslos und lebten von Sozialhilfe. Viele von ihnen waren abends beschäftigt und viele konnten ihre Zeit frei einteilen. Da kam mir die Idee, die Geburtstagsfeier auf den ganzen Tag auszudehnen. Ich verschickte Einladungskarten an alle für eine Geburtstagsfeier ab um 9 Uhr. Jeder konnte vorbeikommen, wann er es einrichten konnte und wollte. Es gab den ganzen Tag Bewirtung, die Sonne schien durch die Fenster auf einen reich gedeckten Tisch und eine fröhliche Stimmung herrschte.

Von früh an hatte ich Besucher, sie begleiteten mich beim Frühstück, das sich über das Mittagessen hinauszog, tranken mit mir Kaffee und gaben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Dadurch, dass nicht alle zur selben Zeit auftauchten, gab es Zeit für wirkliche Gespräche. Ich war nicht durch einen plötzlichen Ansturm vieler Gästen gestresst, sondern konnte mich ihnen einem nach dem anderen widmen. Das fanden wir sehr angenehm.

Erst gegen Abend blieben die Gäste länger, beschäftigten sich miteinander und erst dann füllte sich die Wohnung. Es war eine gelungener Geburtstagsfeier. Ein Jahr später dann lebte ich nicht mehr in Berlin und Geburtstage fielen in den Alltag zurück. Ein Bedürfnis nach großen Feiern tauchte nicht mehr auf.