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Es regnet. Das ist ein guter Grund, mich der weiteren Durchforstung meiner Wohnung zu widmen und nach entbehrlichen Gegenständen zu suchen. Diese Aktion wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen, ahne ich, denn ich gehe langsam und mit Bedacht vor. Nichts soll im Anschluss bereut werden. Außerdem bin ich jemand, der sich nicht gern entscheidet. Da kommen ständig Zweifel auf, ob gerade dieser Gegenstand, der seit Ewigkeiten irgendwo verstaubt, nicht doch eventuell in drei Jahren noch gebraucht werden könnte. Auf diese Weise zieht sich das Tun in die Länge.

Immerhin bin ich mit dem Aussortieren der Bücher gut vorangekommen. Das liegt daran, dass sich meine Lesewut seit einigen Wochen gelegt hat. Ich lese fast nichts mehr, was ganz erstaunlich ist. Noch weiß ich nicht genau, ob ich diese Erscheinung als ein Zeichen des Alters sehen soll oder ob es daran liegen könnte, dass der für mich vom Schicksal vorgesehene Bildungsstand erreicht ist. Gleich welches der Grund ist, Bücher langweilen mich. So habe ich schon viele bei momox.fr verkauft, einige auch bei momox.de. Dies erforderte etliche Stunden vor dem Compi, denn zwischen D und F liegen mitunter erhebliche Preisunterschiede. Das erscheint einem völlig absurd, wenn man sich bis zum Verschicken durchgeklickt hat und dann feststellen muss, dass alle Bücher an ein und dieselbe Adresse geschickt werden.

Ähnlich wie mit den Büchern geht es mir mit Musik. Ich höre sie nicht mehr. Meine Ohren sind auf das Empfangen der mich umgebenden Geräusche eingestellt. Regen, Wind, Vögel, Insekten, Katzen, die Pferde auf der Koppel und Rehe im Wald. Zunehmend bekomme ich beim Hören von Musik das Gefühl, sie nähme mir den Kontakt zur Welt. Was für andere Gegenstände gilt, gilt auch für CDs, sie sollen nicht für irgendwelche Eventualitäten aufgehoben werden. Glücklicherweise übernimmt ein Freund die meisten aus meiner Sammlung.

Die größte Herausforderung scheinen mir die Dinge zu sein, die sich nicht verkaufen lassen und denen ich keinen interessierten Abnehmer zuordnen kann. Es widerstrebt mir, sie so einfach in den Müll zu werfen. So habe ich über eine lange Zeit hinweg CDs und Bücher geschickt bekommen, da ich Kritiken für eine Zeitschrift schrieb. Die meisten dieser CDs sind nur ein Mal gehört, sie entsprechen eher nicht dem Musikgeschmack meiner Bekannten und Freunde und verkaufen darf ich sie nicht. Was also damit tun?

Vor einigen Tagen kam mir die rettende Idee. Alle kleinen Gegenstände, wie die CDs, kleine Teelichtbehälter oder eine aus einer Muschel hergestellte kleine Schale, die ein gut gemeintes Geburtstagsgeschenk war, werde ich in Geschenkpapier wickeln, mit der Aufschrift „für Dich“ versehen und dann in Perpignan auf Parkbänken und Mäuerchen verteilen. Ein so zufällig gefundenes Geschenk bringt Freude auch dann, wenn es nicht dem Geschmack des Finders entspricht. Doch zunächst werden diese Dinge in einem Karton gesammelt…