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Die Stille fasziniert mich so sehr, dass ich jedes Mal, wenn der Wind sich legt, die Jäger heimgefahren sind und auch die Straße gegenüber autofrei ist, von dieser schreiben möchte. Es ist das Einzige, was dann bleibt: Faszination durch Stille. Wie aber kann ich über etwas schreiben, das sich vor allem durch Abwesenheit von Aktivitäten und Lärm definiert und nicht durch sich selber?

Stille ist, wenn Autos nicht fahren, Jäger nicht jagen, Wind nicht weht, Katzen nicht fauchen, Nachbarn nicht streiten und keine Musik schallt, wenn Flugzeuglärm fehlt, Ziegen nicht den Wald durchstreifen und ich nicht mit Arbeit beschäftigt bin. Stille ist ein Nichtsein, das Nichtsein des Lauten und Aufdringlichen, das Nichtsein des Tuns. …und aus diesem Nichtsein und dem Schweigen der Gedanken treten leise Geräusche hervor.

Stille ist, wenn ich die Kirchturmuhren beider benachbarter Dörfer hören kann. Nacheinander, denn  seit über 20 Jahren läutet eine nach der anderen, im Abstand von einigen Minuten, wie um von den gegenteiligen Ansichten der Dörfer zu zeugen.

Stille ist, wenn der Bach ruhig vor sich hin rauscht, sanft, gleichmäßig und fast unhörbar. …wenn einige Vögel sich mit ihren Gesängen melden, der Kuckuck von den gegenüberliegenden Bergen ruft und von irgendwoher ein Hundebellen schallt.

Dann kann ich spüren, wie meine Ohren sich ausdehnen, über die Nähe hinaushören bis in beide Dörfer, bis auf den gegenüberliegenden Berghang, bis in die undurchdringlichen Tiefen des Waldes, bis über die Baumwipfel hinaus zu den Felsen und in den Himmel, bis in mein eigenes Herz, wo ich das Blut in den Adern rauschen höre, ganz nach innen, wo ich bei mir selber verbleibe. Ganz. Heil.