Geschenk der Nacht

Sonnabend, 26. März

Gegenhalb zwei werde ich wach. Hellwach. Nachdem ich mich noch einige Male im Bett gedreht habe, stehe ich auf. Die Nacht ist hell und still. Der Sturm der letzten Tage hat sich zurückgezogen. Ein noch recht voller Mond scheint über einer gleichmäßigen Wolkendecke und das Rauschen des Flusses zieht zu mir herauf. Von den Bergen her ruft eine Eule.

Die Nacht hat einen eigenen Klang. Sie ist auf ihre Art ruhig und bewegt, insichgekehrt und unerreichbar, anders als ein stiller Tag. Ich verstecke das Ticken des Weckers, das das gleichmäßige Strömen der Zeit in kleine Stücke hacken will, unter der Decke.

Dann mache ich Feuer und setze mich daneben. Es lässt die trockenen Äste zerfallen, indem es ihnen ihre Energie entlockt. Wie ein letzter Gruß ihres abgestorbenen Lebens lodern die Flammen und bringen das Kaffeewasser zum Kochen. Ich bin unendlich dankbar, für diese Nacht, für das Feuer, das zu Asche zerfallende Holz, für den Ruf der Eule durch die Stille und für den Kaffee.

Gegen vier kommt ein sanfter, kühler Wind auf, so schüchtern, als wolle er nicht stören. Ich setze mich zum Meditieren.

„…du sitzt im Garten und stellst dir einfach vor, dass du verschwindest. Betrachte einfach die Welt wie sie aussieht, wenn du nicht mehr vorhanden bist, wenn du vollkommen transparent geworden bist. Versuche einfach, eine einzige Sekunde nicht zu sein…Oder sei in der Wohnung, als wärest du nicht da…“

(Meditation von Osho, aus dem Buch „Reife – sei was du bist“ von Osho)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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17 Kommentare zu „Geschenk der Nacht

  1. Guten Ostermorgen! 🙂

    Ja, was Du schreibst, kenne ich. Feuer, richtiges Feuer. Es ist etwas tolles.

    In meinem Fachwerkhaus im Mecklenburgischen hatte ich ja verschiedene Öfen, alle mit richtigem Feuer.

    Und ein wunderbares „System“ im Bad hatte ich auch. Da stand eine Wärmepumpe, die die Außentemperatur nutzte, um Warmwasser zu erzeugen. Und in dem Raum, diesem Badezimmer, hatte ich einen Werkstattofen. Den heizte ich immer zuerst ein; dann mahlte ich von Hand Kaffee, füllte ihn in den Kaffeebereiter
    (So ein Ding: unten Wasser, dann ein Siebbehälter für Kaffee und oben dann die Kanne für den fertigen Kaffee.) Ja und den Kaffeebereiter stellte ich auf den Werkstattofen. Und dann blubberte es und… Ahhh! Kaffee! und wenn ich den getrunken hatte, war das Bad warm.

    Ja und diese Nächte! Und das vor die Tür gehen… Das habe ich ja jetzt auch. Egal, wie das Wetter ist; es ist wundervoll kurz nach draussen zu huschen und sei es nur für einen Moment, weil da das Wetter… 😉

    Doch auch dann: Wundervoll!

    Und dieses Schauen und Lauschen, wo dann nur noch eine Art Staunen und Bewundern bleibt… du selbst bist irgendwie gar nicht mehr vorhanden… Ja….

    Liebe Grüße,
    Frank

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    1. Guten Morgen und ein schönes Auferstehungsfest!

      …Feuer, richtiges Feuer ist durch nichts zu ersetzen, auch die Wärme eines richtigen Ofens ist eine andere als die einer Zentralheizung…Ein Fachwerkhaus ist auch etwas Schönes, die Mauern noch mit Lehm gefüllt, vielleicht? Da wohnt man von Erde umgeben, dass muss der Seele gut tun…
      …das hört sich alles sehr gut an. Früher hatten wir in den Wohnungen noch Badeöfen, in denen das Wasser zum Baden angeheizt wurde und damit gleich das ganze Bad…
      Wirklich schön, dass Du auch heute so einfach vor die Tür gehen kannst und in den Himmel schauen und es freut mich, dass Du es nachfühlen kannst.

      liebe Grüße
      teggyTiggs

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      1. Hallo.

        Es war ein richtiges Fachwerkhaus; eine Arbeiterkate, Baujahr 1880, die zu einer Schmiede gehörte. Gestampfter Lehmboden mit Dielung und die Wände mit Lehmverfachung. Außen war alles verklinkert. Und diesen Badeofen hat es auch gegeben, nur war der so marode, daß ich etwas anderes brauchte. Und in der Küche stand ein Herd, der auch mit Holz befeuert wurde.

        Doch in Marsberg werde ich auf Feuer auch nicht ganz verzichten müssen; es gibt da einige Feuerstellen im Freien. 😉

        Liebe Grüße,
        Frank

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      2. …so ein altes Häuschen hat sicherlich viel Romantik, vieles Erlebtes, was noch irgendwo in den Mauern wohnt…
        Und ein richtiger Holz-Kohle-Herd zum Kochen…traumhaft…ich koche hier auf dem offenen Feuer, so Art Lagerfeuer, was sehr schön ist und einfacher ja nicht geht, allerdings kann man kein Brot backen auf diese Weise. Daher ist ein Lehm-Brotbackofen vorgesehen…
        Nett, dass es bei Dir Feuerstellen im Freien gibt, das heißt, es gibt Laute, die offenes Feuer schätzen…das hört sich gut an.

        liebe Grüße

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      3. Ach ja; ich bin nun wiederholt auferstanden und draußen schüttet es. Gut, daß mein Sohn das nicht miterleben muß. 😉 Er wird mich besuchen, wenn es genau richtig ist. 🙂

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      1. …ich find es gar nicht so schwer…es ist erleichternd, entlastend, wenn alles auch ohne mich weitergeht…

        …gestern hörte ich hier den ersten Kuckuck…schöne, sonnigwarme Grüße aus dem Süden!

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      2. …für mich ist es schon ein Unterschied, ob ich tue, als sei ich nicht mehr vorhanden oder ob ich mir vorstelle, ich bin tot…bei ersterem verschwindet nur mein Ego, während die Wahrnehmung bleibt…das finde ich angenehm…im zweiten Fall verlasse ich bzw. meine Seele und mein Empfinden die gewohnte Welt, das ist sicherlich ganz anders…und wie ich das finden werde, kann ich mir gerade weniger vorstellen….

        liebe Grüße

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