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Verhält sich das Wetter wie gewohnt, dann beginnt es mit Beginn der Weinernte zu regnen. Der ganze Herbst geht mit einigen Hochwassern einher. Manchmal verlaufen diese sanft, Flüsse und Bäche steigen langsam an und treten nur verhalten über ihre Ufer. Dann wieder brechen die Fluten über ihre angewiesenen Betten hinaus, reißen Zäune um, verändern ihren Lauf, korrigieren Straßen, bringen Mauern zum Einstürzen und reißen Autos, Wohnwägen und unvorsichtige Menschen mit. In der Vorweihnachtszeit sind alle Wasserreservoire aufgefüllt und die kleinen Quellen laufen, so auch mein Trinkwasserbach.
Nicht so in diesem Jahr. Der Herbstregen blieb aus. Bis auf einige wenige Schauer versagte der Regen seinen Dienst. Der Fluss, welcher sich hier durch das Tal schlängelt, führt weniger Wasser als im Sommer, die kleinen Bäche und Quellen laufen alle nicht. Ich halte im Internet nach Regenritualen Ausschau, finde aber nichts Brauchbares. Regenmacher in Afrika versöhnen sich mit dem Regen, indem sie die Menschen wieder in Harmonie bringen. Dabei wird das ganze Dorf mit einbezogen. Die Leute hier sind dessen nicht gewohnt. Sie würden mich ernsthaft für verrückt erklären, würde ich sie zu einem Regenritual auffordern, indem wir gemeinsam mit Rasseln um ein Feuer springen. Selbst einige Menschen, die mir näher stehen, haben nicht diesen unbedingten Zugang zur Natur. Ich bin also auf mich gestellt.
Am Sonnabend, während ich im sommerwarmen Sonnenschein stand, sprach ich mit meinem Quellbach. Zu diesem Gewässer habe ich die innigste Verbindung. Seit Jahren versorgt er mich im Winter und Frühling mit dem besten Trinkwasser und seit Jahren spreche ich mit ihm, indem ich mich für sein Wasser bedanke und ihn segne. Ab und an beschenke ich ihn mit kleinen Kupfermünzen. Dass er meine Dankbarkeit durchaus versteht und schätzt, bewies er mir letztes Jahr mit dieser Geste:

Herz 2.jpg

Als ich wie gewohnt morgens mein Wasser holen wollte, zeigte er mir sein Herz. Hier noch ein wenig deutlicher:

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Ihn konnte ich also fragen, was zu tun ist. Ich faltete meine Hände, sprach ihn an und erklärte unsere Not, die des Bodens, der Pflanzen und schließlich seine eigene. Nicht weiter verwundert darüber, erhielt ich die Antwort, es müsse regnen. Ich fragte weiter, was ich tun könne, damit es regnete. Daraufhin schwieg er. Nicht wissend, was ich sonst tun könnte, richtete ich meine Bitte um Regen angesichts des trockenen Bachbettes gen Himmel, der knallblau strahlte. Mein Inneres trug schwere Zweifel, ob diese Bitte erhört würde.
Heute am Sonntag gegen 6 erwachte ich durch das Pladdern des Regens auf das Dach. Es regnete. Mit der Dämmerung begannen einige Vögel zu singen. Ein gutes Zeichen, denn wenn die Vögel während des Regens singen, wird dieser fortdauern. Regnet es nur kurz, warten sie mit ihrem Gesang, bis der Regen vorbei ist.

Es regnete bis gegen Mittag, immerhin. Heute am  Montag erfreute uns wieder die Sonne.