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Ich fühle mich manchmal wie ein Speicher, in dem bis unter das Dach Erlebnisse und Erfahrungen gestopft sind.
Mit zunehmendem Alter verstärkt sich das Gefühl, ich bin gefüllt und weniger bereit, Neues aufzunehmen. Alles Erfahrene scheint mich dumpf gemacht zu haben und nun wie ein Schleier vor meinen Augen zu liegen.

Auch passiert es häufiger, dass sich meine Aufmerksamkeit auf meine Gedanken zurückzieht und nicht in der Umgebung weilt. In diesen Momenten nehme ich nicht mehr wirklich wahr, was um mich geschieht und die äußeren Reize erreichen nicht mehr mein Bewusstsein.

Das alles wäre vielleicht noch normal und natürlich, wenn die Gedanken schwerwiegend wären.
Aber sie erweisen sich fast immer als abgenutzte Worte, die durch mein Hirn taumeln, ausgetretenen Spuren entlang, immer wieder zu denselben Ergebnissen kommend. Es sind Gedanken, die mich ewig langweilen.
Es ist als versinke ich in einem trüben Sumpf aus Unwichtigkeiten, der mich vom wirklichen Leben trennt.

Wenn ich dessen gewahr werde, schalte ich die Sinne wieder auf äußeren Empfang und lege die Gedanken still, verpflichte sie zum Schweigen. Doch es wird mir nicht immer bewusst.
Ich erinnere mich, dass ich als Kind die Welt viel unmittelbarer wahrnahm. Die Gerüche rochen noch, Farben überstrahlten mein Hirn, Geschmack durchzog meinen ganzen Körper und alles war in einem klingenden, schillernden Netz miteinander verwoben.

Heute erscheinen Eindrücke abgestumpft, sie erreichen mich nur noch wie durch einen Nebel. Meine Gedanken, die an meine Erinnerungen gekoppelt sind, hindern mich an der Wahrnehmung der Welt.

Folgendes Zitat, das ich neulich fand, passt sehr gut dazu:

„Als gewöhnliche Menschen nehmen wir so wenig wahr, dass wir den Unterschied zwischen Denken und Wahrnehmen nicht mehr kennen. Wir glauben, was wir denken, sei das, was wir wahrnehmen. Indem wir unsere Gedanken auf die äußere Wirklichkeit projizieren, setzen wir an die Stelle der Wirklichkeit das, was wir über die Wirklichkeit denken, und durch diesen ständig stattfindenden Prozess entfernen wir uns sehr weit von der Wahrnehmung der realen Welt. In östlichen Lehren wird dies Maya oder „gewöhnliche Wirklichkeit“ genannt, ein Schleier, der entfernt werden muss, damit wir die Welt so sehen können, wie sie tatsächlich ist.“
(„Die Lehren des Don Carlos“ von Victor Sánchez, Synthesis Verlag 1996)

Es wird höchste Zeit, mit dem Denken aufzuhören oder es zumindest einzuschränken. Das alltägliche belanglose Geschwätz im Kopf hindert mich an meinem Kontakt zur Welt. Aber nicht nur das. Meine Vergangenheit hat mich mit der Welt verstrickt, mit anderen Menschen, Orten und Gegebenheiten. Diese Verstrickungen binden Energie. Und diese Energie würde ich mir gerne zurück holen…