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Heute haben wir den 29. Dezember. Glücklicherweise ist die Weihnacht vorbei, wie sie heute gelebt wird, die Zeit des geschäftigen Treibens der Menschen, der vollen Geschäfte und Straßen. Ruhe ist eingekehrt, Auszeit vor dem neuen Jahr, erst nach Sylvester geht das Leben weiter. Mir scheint, schon jetzt sind die Tage von mehr Licht erfüllt als vor dem Fest. Noch nie ging ein Weihnachten so spurlos an mir vorbei wie dieses und ich bin froh, dass das Leben sich mit neuer Energie fortsetzt.
Das vergangene Jahr war sehr merkwürdig. Etwas ging zu Ende, von dem ich noch nicht sagen kann, was genau es war. Auch wie es weitergehen wird, was an Neuem auftreten wird, erahne ich nicht. Stirbt etwas Altes, tritt unvermeidlich Neues auf, den frei gewordenen Platz zu füllen. Was aber wird dies sein?

2015 haben sich gleich mehrere Bestandteile meines Lebens aufgelöst, sind gestorben oder fortgegangen. Das Wichtigste war, dass zwei meiner Kinder sich auf anderen Kontinenten niedergelassen haben. Mein Sohn lebt und arbeitet nun in der Südsee, eine Tochter in Afrika. Bei beiden sieht es so aus, als würden sie nicht in nächster Zeit nach Europa zurückkehren, vielleicht nie wieder.
Zwei Freunde von mir starben, viel zu jung und viel zu früh. Ernst kannte ich seit vielen Jahren, genoss seine stete Hilfsbereitschaft und seine Gabe, das Leben zu genießen und anderen Menschen Freude zu bereiten. Er ertrank einfach so beim Baden in der Ostsee. Freunde zogen ihn sofort aus dem Wasser und versuchten ihn zu retten, vergebens.
Philip verzweifelte daran, dass sein Unternehmen pleiteging. Er war erst Mitte dreißig, offen für alles Unerwartete, klug und lustig. Niemals hätte ich ihm zugetraut, dass er seinem Leben selbst ein Ende setzen würde. Ich trauerte um beide mit ganzem Herzen. Sie werden jetzt glücklich im Himmel schweben und von dort ihre Lieben daheim auf der Erde beschützen.
Und meine beiden Jobs haben sich von mir verabschiedet, oder besser gesagt, ich mich von ihnen. Aus dem gleichen Grund löste ich mich aus beiden Verhältnissen. Ich arbeitete ohne Bezahlung in der Hoffnung, dass dies sich eines Tages ändern werde. Diese Hoffnung gab ich auf.

Jetzt habe ich unerwartet viel Zeit, denn erst jetzt wird mir klar, wie viel ich in diese Tätigkeiten investiert hatte. Ich machte diese Arbeiten sehr gern, mit Vergnügen sogar, was von meinen „Chefs“ schamlos ausgenutzt wurde. Insofern bedaure ich nichts, weder die Arbeit, noch das Ausscheiden aus dieser.

Ich habe plötzlich Zeit. Und ich habe einige Wünsche. Nun werden wir sehen, ob die gewonnene Zeit dafür bereit ist, meine Wünsche zu erfüllen.