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Der große Flohmarkt, der jeden Sonntag in Perpignan stattfindet, quillt über vor Waren und Menschen, die darin wühlen, um am Ende Berge von Dingen nach Hause zu tragen, in Wohnungen, die fast immer schon übervoll sind mit ähnlichen Dingen. Was ist es nur, was die Menschen zum Haben und Kaufen antreibt?

…hier hilft, wie so oft, Prentice Mulfort weiter. Schön, dass er auch gleich eine Lösung (natürlich…, Lösung kommt von lösen) bereit hat:

„Ich habe ein wundervolles und scharfes Auge. Bin ich in der Stadt – dann sehe ich unaufhörlich Sachen, von denen ich mir sage: „Das wäre gut zu haben.“ Es mag eine Gummiwanne sein – ein Tisch, eine Tasse – ein Teekessel – alles und jedes! „Gut zu haben!“ Gut – wozu? Das weiß ich nicht. Es passt mir nicht, der Frage nachzugehen. Ich traue mich nicht. Ich weiche in solchen Situationen meinem bedächtigeren Selbst aus. Wie ich es nur kommen sehe, lauf` ich schon ums Eck! – Ich will eben die Sache um des Habens willen. Will das Haben, nicht die Sache. Es ist ein Instinkt, zu akkumulieren.

Froh, meinen Willen gegen das andere vernünftige Wesen in mir, das ich aber ungern als „ich“ anerkenne, durchgesetzt zu haben – schleppe ich meinen Schatz nach Haus. Jetzt beginnt der Jammer. Er will gepflegt sein – er will versorgt sein, einen Platz haben – abgestaubt werden. Oder er könnte zerbrechen und also meiner Seele Schmerz bringen. Auf irgendeine Weise verlangt er Teile meiner Aufmerksamkeit – meines Geistes – meiner Lebenskraft – schmarotzt sich in mich hinein – frisst an mir bis ans Ende meiner Tage.

Wäre ich nicht besser dran, wenn ich alles jetzt und gleich verschenkte oder vernichtete, für das ich keinen Gebrauch weiß oder denken kann? Befreie ich damit nicht ebenso mein Bewusstsein wie den Koffer?

Wie viel nutzlose Abfälle von Daten, halbzerfallenen Meinungen, Tatsachen und Ereignissen sind in meinem Bewusstsein, für die ich weder eine Verwendung habe noch eine solche weiß.
Muss ich, um als weise zu gelten, für den kommenden Tag schon heute angehäuft sein mit Meinungen, Tatsachen, Ansichten, die sich vielleicht eben morgen als irrig erweisen werden? Wie viel von dem Komplex all dessen, was man Bildung nennt, ist es gut zu behalten? Sollten all die „Daten“ und „Tatsachen“ nicht ausgeschieden werden wie „Ermüdungsstoffe“ aus den Muskeln?
Warum wird die Kunst des Vergessens nicht besser gelehrt…?“

(aus Unfug des Lebens und des Sterbens)

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