Meine Lieblingsnachbarn

…es freut mich, wenn sie nebenan stehen. Dann dürfen sie mein trockenes Brot fressen, was sie mögen. Nachdem sie mich mit dem Brot in Verbindung gebracht hatten, stürmten sie im Galopp über die Wiese auf mich zu…und ich im Galopp in entgegengesetzter Richtung davon. Stell dir vor, zwölf große, kräftige Pferde rennen auf dich zu…Der dünne Elektrozaun zwischen den Tieren und mir scheint da wenig vertrauenerweckend… Ab sofort bekommen sie nur dann Brot, wenn der Sicherheitsabstand groß ist, so dass mir die Zeit zum Weglaufen bleibt…

101_0120.JPG

Die Tomate

.Tomate 2.jpg

Ich liebe sie, sehe der ersten reifenden Tomate jedes Jahr mit Spannung entgegen und genieße sie dann täglich als Salat und mit Zwiebeln gedünstet, wundervolle Früchte, die nicht nur schmecken, sondern auch noch überaus gesund sind. In einigen Büchern und auf Webseiten wird sie sogar als Heilpflanze vorgestellt.

Sie enthält neben Vitamin A, B1, B2, C, Vitamin E, Folsäure, Niacin, Lycopin und Karotin, Eisen, Phosphor, Natrium, Kalzium, Magnesium und Kalium. Tomaten wirken sich günstig auf den Kreislauf aus, stärken Herz und Immunsystem, wirken blutbildend, antidepressiv und aphrodisierend, sie entschlacken und fördern die Verdauung. Auch sollen sie, häufig genossen, die Starerkrankung der Augen vorbeugen und das Krebsrisiko senken. Wichtig zu wissen ist dabei, dass sie eine der wenigen Früchte ist, die erst gekocht ihre volle Wirkung erreicht. Lycopin ist ein Stoff, der erst nach dem Erhitzen vollständig vom Körper aufgenommen werden kann. (u.a. Die Kräuter in meinem Garten“ von Siegrid Hirsch und Felix Grünberger)

Aber: Tomaten enthalten Alpha-Tomatin, ein Solanum-Alkaloid. Je reifer eine Tomate ist, desto mehr sinkt ihr Alkaloid-Gehalt. Darf eine Tomate an der Pflanze voll ausreifen, kann kein Alpha-Tomatin mehr nachgewiesen werden. Grüne Früchte sollten nicht gegessen werden, sie können Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Grün geerntete Tomaten reifen zwar auf der Fensterbank nach, jedoch sinkt ihr Alkaloid-Gehalt nur dann auf null, wenn sie am Strauch reifen dürfen. („Das große Rohkostbuch“ von Angelika Fischer) Das wusste ich bisher nicht. Es würde bedeuten, dass alle nicht völlig reif geerntete Früchte, also fast alle, die im Handel angeboten werden, noch einen Gehalt an Alkaloiden aufweisen. Wie gefährlich sind denn nun grüne Tomaten?

Grüne Tomaten enthalten 9 bis 32 Milligramm Alkaloid pro 100 Gramm Tomate. Ein mittelschwerer Mensch muss etwa 625 Gramm rohe, unreife Tomaten essen, um starke Vergiftungserscheinungen zu bekommen. ( https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/nutzgaerten/gruene-tomaten-essbar-oder-giftig-30526 )

Doch ich finde eine wünschenswerte Eigenschaft des Alpha-Tomatins, es wirkt gegen Krebs! (http://www.medicoconsult.de/Tomatin/) Somit dürfte es durchaus gesund sein, ab und an eine unreife Tomate zu essen.

Und hier meine bisher größte, noch ganz grüne Tomate, ein tomatiger siamesischer Zwilling:

101_0310.JPG

 

 

Portulak (Portulaca oleracea)

Vielleicht bist du dieser Pflanze noch nie begegnet, denn sie ist zu unrecht relativ unbekannt, wächst bei uns nicht in freier Natur und als Salat kaufen kann man sie auch nicht. Zumindest habe ich sie noch nirgends gesehen. In meinen Garten kam der Portulak mit einer Gartenerde, die ich kaufte. Seitdem bewächst er zuverlässig jeden freien Platz. Bin ich nachlässig mit dem Unkrautentfernen zwischen den Gemüsereihen, ist er sofort zur Stelle, die nackte Erde zu bedecken. Darüber bin ich nicht böse, denn alles an ihm ist essbar, roh, als Gemüsebeilage oder in der Suppe. Sooft  du willst, kannst du hin beschneiden, er wächst schnell wieder nach. Die Pflanze ist einjährig und samt sich jedes Jahr zuverlässig von selbst aus.

Portulak.jpg

Er schmeckt saftig, säuerlich frisch und fühlt sich im Mund etwas schleimig an. Dabei ist er sehr gesund, enthält vor allem viel Vitamin C, Vitamine A und B, Omega 3 Fettsäuren, Eisen, Kalium, Calcium und Magnesium. Als frischen Salat gegessen wirkt er gegen Frühjahrsmüdigkeit, stärkt und belebt den gesamten Organismus, vor allem die Nerven, reinigt das Blut, wirkt entzündungshemmend und regulierend auf die Verdauung.

101_0225.JPG

Neben dem hier vorgestellten Sommerportulak gibt es Winterportulak, der  von mir aber nicht angebaut wird, da mich mein Portulak fast das ganze Jahr beschenkt. Samen kannst du im Internet bestellen.

 

 

 

Was gegen Reue tun…?

Reue ist ein Gefühl, das ich nicht haben möchte. Sie ist unnütz, denn es ist nicht zu ändern, was geschehen ist und ich wünsche mir, mit meiner Vergangenheit im Reinen zu sein.

Und doch steigt dummerweise manchmal Reue in mir auf, tief aus meinem Bauch, dunkel und schwer, so gänzlich gegen meinen Willen. Darüber ärgere ich mich. Ärgern will ich mich auch nicht. Der Ärger über die Reue macht nichts besser. Doch der Verstand kann die Gefühle nicht im Zaume halten, sie drängen sich mitunter hervor, ohne den Kopf um Erlaubnis zu fragen.

Es geht um meine Töchter, die eine wesentliche Rolle in meinem Leben spielen. Ich hole Fotos hervor, mit deren Hilfe ich mich in frühere Zeiten versetze. Dieses Foto entstand, als wir die 150 m2 große Wohnung bezogen. Himmlische Zeiten brachen an. Neben der Wohnung hatten wir ein ganzjähriges Urlaubsdomizil mit Boot, zwischen drei Seen gelegen. Die Umstände erlaubten den Empfang vieler Freunde, sowohl der unseren als auch der Freunde der Kinder. Klavier, Schlagzeug, Cello, Flöte und Akkordeon brachten Musiker ins Haus. Wir klimperten selber etwas, die jüngere Tochter lernte Cello, ihre Freundin Klavier. Die beiden Mädchen machten gemeinsam Musik, spielten mit ihren Puppen, gingen runter in den Garten oder zu den Nachbarskindern. Im Erdgeschoss wohnte eine Familie mit zwei Töchtern im gleichen Alter, und unter uns eine Familie mit drei Kindern. Alle im Haus waren befreundet, wir feierten zusammen und hatten regen Kontakt, fast täglich. Jeder nahm Anteil am Leben des anderen. Wir hatten jede Menge Spaß und ließen uns eine Menge lustiger Sachen einfallen.

Einmal mussten wir beim Schummellieschen spielen so lachen, dass wir uns (fast) in die Hosen machten. Dann wieder verwandelten die Kinder ihr großes Zimmer in ein Zeltlager, indem sie mit Laken und Betttüchern viele kleine Abteilungen schufen, in denen sie auch schliefen. Die eine Tochter ging zum Reiten, die andere inszenierte eine Ballettaufführung und sie wurden nahezu stadtbekannt, als sie beide in den Ferien nach Paris fahren durften… (Wir wohnten hinter der Mauer, in der DDR.)

Wandmalerei.jpg

Das Denken an die guten alten Zeiten hilft. Nachdem ich ein Weilchen in die Vergangenheit getaucht war, verschwindet jede Spur von Reue. Die neueren Ereignisse hatten die schöne gemeinsame Vergangenheit nur überlagert. Zum Glück ist sie noch da…

 

 

6. August 2017

Um halb vier verstummte die Musik aus dem Dorf. Gegen vier dann beginnt es zu regnen, als hätte das Dorffest alle Spannungen aufgelöst. Entspannt kann nun auch der Himmel alles Angestaute loslassen. Über die Berge hinüber dröhnt Donner, Blitze zucken und erhellen den Wald. Ich schlafe noch einmal ein. Es ist schon halb sechs, als ich aus ruhigen Träumen erwache und aufstehe.

Was werde ich heute tun, denkt es in mir, mit der Kaffeetasse neben dem Feuer. Es regnet immer noch. Blätter, Zweige, Boden, der ganze Wald trieft vor Nässe. Das Holz im Wald ist zu nass, um es zu sammeln, der Boden zu feucht, um ihn zu bearbeiten. Ich widme mich also dem Haushalt. Das Gewitter hängt in den Bergen fest. Die Metallschüssel stelle ich so unter das Dach, damit sie herunterrinnendes Wasser auffängt. Fein klingt es dim, dim, pling…Später wische ich damit den Boden. Die Katzen liegen zusammengerollt und schlafen.

Während ich die trockenen Zwiebeln vom Holz draußen hereinhole, kracht es aus den Bergen. Ich mache das Bett, fege aus, kratze Wachs von Tisch und Boden, räume auf. Es ist noch nicht 8 Uhr als alles sauber und an seinem Platz ist. Dann setze ich mich, Zwiebeln zu binden.

Bis zehn Uhr regnet es ruhig vor sich hin, dann wird es heller und schließlich klart es auf. Im Garten hat ein leerer Eimer zwei Liter Wasser aufgefangen, viel für einen Regen mitten im Sommer.

101_0228.JPG      101_0230.JPG