…meine Mandarine…

…ist inzwischen gut gewachsen, so gut, dass ich sie nicht mehr in einen größeren Topf pflanzen kann. Diesen könnte ich nicht mehr tragen, um sie im Winter im Gewächshaus vor den kalten Temperaturen zu schützen. Was also tun?

Ich pflanzte sie an einen geschützten Platz in die Freiheit:

…und damit sie nicht friert während der kalten Jahreszeit, bekommt sie einen Umhang. So, hoffe ich, wird sie weiter gedeihen können.

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……eine meiner Nachbarinnen…

…lebt in einem schönen neuen Haus, perfekt isoliert, verkabelt und automatisiert. Sie haben gerade Stromausfall, sagte sie, als ich sie besuchte und fragte mich dann, ob ein solches Leben, wie ich es führe, nicht sehr schwer sei. Etwas perplex war ich der Frage wegen und mir fiel keine Antwort ein, so unterschiedlich sind unsere Leben und Inhalte.

Klar ist mein Leben schwer. Ich sammle das Feuerholz im Wald, hole jeden Tropfen Brauchwasser vom Fluss, Trinkwasser von der Quelle, sammle Steine für den Weg, damit mein Auto nicht im Schlamm versinkt, bearbeite den Garten das ganze Jahr über. Und wenn ich in der Frühe aufstehe ist es drinnen so kalt wie draußen. Dann brauche ich etwas Zeit bis Feuer gemacht ist und ich mich an ihm wärmen kann. Alle Arbeit ist schwer, so dass sie den Körper ermüdet und ihn manchmal schmerzen lässt. Die Hände werden nicht mehr sauber, die Kleidung ist ewig staubig und die Haare zerzaust.

Aber was weiß die Nachbarin von der Stille des Waldes und der Dunkelheit in der Nacht, vom Ruf des Käuzchens und dem Pfeifen der Siebenschläfers, vom reinen Geruch, der die Tageszeit und dem Plätschern des Flusses, das den Ohren den Wasserstand anzeigt. Was weiß sie von dem Gefühl des Dazugehörens zu den Wesen der Welt, wenn keine künstlichen Geräusche sich dazwischen stellen. Was weiß sie vom Vertrauen in die Fruchtbarkeit der Erde, von der Liebe zum Feuer und der Leidenschaft des Windes. Und davon wie sich Freiheit anfühlt, Unabhängigkeit, das Wissen, aus sich selber schöpfen zu können und keine Angst zu haben.

Und was weiß sie davon, dass ein solches Leben erfüllend ist und glücklich macht…

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Sonntag ist ein guter Tag,…

…um mit dem Auto nach Perpignan zu fahren, denn es gibt Parkplätze.

Und hier in diesem kleinen Thailaden kann hervorragend gegessen werden. Das Menü stellt man sich am Tresen selbst zusammen, auch vegetarisch ist möglich und gleich, was man isst, alles schmeckt hervorragend und billig ist es auch noch. Auch wenn die Soße auf den schiefen Tischen vom Teller läuft, die Stühle hart und wackelig sind, das Publikum nicht alltäglich, so hat es durchaus seinen Reiz.

Der Laden selber ist bis unter die Decke mit exotischen Lebensmitteln bestückt – sogar alte Eier sind im Angebot – die Preisschilder von Hand geschrieben und alles etwas unordentlich. Dort gehe ich gern auf Entdeckungsreise. Die Bedienung ist flink, freundlich und erfüllt Sonderwünsche ohne Aufpreis. Wer dort einkehrt, verfügt eher über wenig Geld, alte Leute, Ausländer aller Art, Studenten, Bettler und Einsame, mit denen man schnell in Kontakt kommt.

Die vorher neben dem Wasserhahn stehenden Gläser wurden weggeräumt, da sie zu oft gestohlen wurden. Jetzt werden leere Gläser zum Essen an den Tisch gebracht, damit man sich damit selbst bedienen kann.

Sicher ist das nicht für jedermanns Geschmack. Ich mag es gern so, wie es ist, nicht perfekt, aber menschlich, einfach und unkompliziert.

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Mond und…

….noch einmal im Freien schlafen…dann baue ich mein Freiluftbett ab, es wird zu feucht…nächstes Jahr wieder, unbedingt.

Was macht das Schlafen im Freien zu etwas Besonderem? Ich weiß es letztlich nicht, die frische Luft, die unmittelbare Verbindung mit der Natur während vieler Stunden, die Geräusche der Tiere und des Windes in den Bäumen, die gesamte Atmosphäre, das Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit?

Folgendes fand ich auf https://sz-magazin.sueddeutsche.de/design-and-wohnen/der-letzte-luxus-der-behausten-83509 :

„Cervantes beschrieb vor über 400 Jahren in einer Novelle, wie sich eine Nacht unter freiem Himmel anfühlt: »Wir sehen, wie die Morgenröte die Sterne des Himmels verdrängt und zertritt und mit ihrer Gefährtin, der Tagesdämmerung, emporsteigt, Freude in der Luft, Kühlung im Wasser und Feuchte auf der Erde verbreitend.« Nicht nur Feuchte auf der Erde, möchte man anfügen, aber bleiben wir erst mal bei »Freude in der Luft«, bei diesem Gefühl der Erhabenheit, das sich nachts ohne Dach einstellt, Freiheit, wie das Wort vom »freien Himmel« schon sagt. In Don Quijote schreibt Cervantes vom Bedürfnis, draußen zu schlafen »wie ein unvernünftiges Tier«, und trifft damit, was den Zauber ausmacht: die Unvernunft, die Grenzüberschreitung, die Abkehr vom Alltäglichen. Diese Sehnsucht lebten vor allem die Schriftsteller der deutschen Romantik aus. Jean Paul preist in seinen Flegeljahren das Schlafen unter freiem Himmel: »Man braucht kein dumpfes Haus, jede Staude macht man sich zur Stube.« Ja, Stauden hatte es reichlich auf dem Balkon meiner Mutter. Und ist das »dumpfe Haus« nicht vielleicht einfach nur ein hin und wieder als dumpf empfundenes Leben, aus dem man nachts ins Freie flüchten möchte?“

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Erinnerst du dich der Zustände völliger Selbstvergessenheit…

…wie wir sie in der Kindheit hatten?

…wenn wir mit den Worten, du hast dich ja ganz dreckig gemacht, plötzlich aus einer Welt voller Abenteuer und neuer Erfahrungen gerissen wurden, während wir mit einem Stück Holz in einer Pfütze spielten?

So erging es mir gestern, als ich nach einem Moment der Arbeit im Garten plötzlich den sich nähernden Schatten bemerkte und mir somit klar wurde, dass Stunden vergangen sein mussten. Die ganze Welt bestand für diese Zeit nur aus Erde, Steinen, schützenswerte Pflanzen und Pflanzen, die die schätzenswerten bedrohten, dazwischen Käfer, Schnecken und manchmal ein Schmetterling… Alles Andere hatte ich vergessen, alle Probleme, Sorgen und Pläne…nur ein gegenwärtiger Zustand war geblieben und dieser dehnte sich aus, bis der Schatten ihn einholte.