Energiewahrnehmende Interpretationspunkte

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Ich bin, entkleide ich mich von allem Äußeren, ein energiewahrnehmender Interpretationspunkt.

Das scheint mir das einzig Bleibende. Alles andere ist veränderlich. Uns ist Wahrnehmung eigen, das Einzige, wovon wir uns nicht befreien können. Wahrnehmung ist unsere einzige grundlegende Eigenschaft. Wir nehmen einfach wahr, ob wir wollen oder nicht. Ohren und Augen können wir noch verschließen, unsere Haut bleibt im Kontakt mit dem Rest der Welt, unser inneres Fühlen ist mit ihr verbunden.

Wir können erinnern, werten, schöpfen, müssen wir aber nicht. Auch wenn wir darauf konditioniert sind, dies zu tun, können wir uns davon lösen, von der Wahrnehmung nicht.

Selbst interpretieren müssen wir nicht. Jedoch werden wir in eine Kultur hineingeboren, die uns keine andere Wahl lässt. Vom ersten Tag unserer Geburt an, wird uns von allen Menschen die Welt erklärt. Dies heißt so, das benutzt man so und Du bist so und hast so zu sein. Selbst unser Menschsein wird erklärt. Uns wird erklärt, wie wir die Energie, die wir wahrnehmen, zu interpretieren haben, wie wir sie benennen und einordnen sollen. Als hilflose und abhängige Wesen bleibt uns keine andere Wahl, als uns dem bestehenden Interpretationssystem anzuschließen. Doch sollten wir wissen und uns dessen bewusst sein, dass dieses System nur eine Möglichkeit von unendlich vielen ist. Wir dürfen und sollten es in Frage stellen. Ich denke, mit diesem Infragestellen beginnt Intelligenz, nicht damit, vorgegebene Fakten auswendig zu lernen.

Unsere erlernten Interpretationen erschaffen die Welt, in der wir zu leben glauben. Unsere Gefühle halten die Verbindung aufrecht und unsere Handlungen verstricken uns mit dieser Welt. Wer also bin ich? Ich definiere mich über meine Verstrickungen mit der Welt. Doch, bin ich das?

Jede Interpretation der von mir wahrgenommenen Energie entspringt scheinbar mir selbst, solange ich mir nicht vergegenwärtige, dass diese erlernt wurde. Ich interpretiere die Energie auf eine erlernte Weise. Ein anderer kann der gleichen Energie eine andere Interpretation zukommen lassen und erlebt somit eine andere Welt.

Die Wahrnehmung kann nicht verändert werden, die Interpretation schon.

Da alle Wahrnehmung  von Verstand und Gefühl gefärbt sind und ich reine Wahrnehmung nicht erfahren kann, entgeht mir die reine Energie an sich. Reine Energie wahrzunehmen ist nur möglich, wenn ich mich von allen Interpretationen löse. Solange mir dies nicht möglich ist, bin ich in meinen Interpretationen gefangen. Die Erkenntnis dessen öffnet Wege…

 

Das Wirken unserer Ahnen durch uns…

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Für meine Mutter waren wir Kinder Gören oder Zigeuner. Der Begriff Göre für Kind war in Berlin geläufig, Zigeuner aber nicht.

Das Haus, in welchem wir wohnten, war das vorletzte einer Straße, die direkt auf die Spree zulief. Unser Hof, auf dem wir spielten, lag nur einige Meter vom Fluss entfernt und so standen wir Kinder oft am Eisengitter, durch das fast unsere Köpfe passten und verfolgten die Äppelkähne auf dem Fluss mit den Augen. Sand, Kohle, Schrott und Baumateriel wurden auf diesen Kähnen transportiert. Doch das wirklich Faszinierende war, dass auf diesen Kähnen Wäsche auf Leinen flatterte und Kinder spielten. Dort wohnten Familien! WARUM, fragte ich mich, mussten meine Eltern das ganze Jahr über in so einer öden Wohnung wohnen? …wo andere auf Flüssen durch die Welt fuhren…

Irgendwann gingen sie mit mir in den Zirkus. Weder für den Clown noch für die Tiere interessierte ich mich und die Artisten konnten sich noch so sehr um meine Aufmerksamkeit bemühen… Am ganzen Zirkusgeschehen fand ich allein bemerkenswert, dass Domteure und Artisten in Wagen wohnten. Ich erinnere mich daran, wie ich meinen Großvater darüber befragte. So wollte ich leben! Wenn ich groß bin, gehe ich weg, dachte ich tausend Mal und immer wieder…

Vielleicht war ich neun oder zehn, als mir auffiel, dass mein Vater anders aussah als Onkel Gerhard und Manfred, als Dr. Hennes und  all die Nachbarn. Mein Vater hatte tiefschwarze Haare, ebensolche Augen und eine dunklere Haut als andere Menschen. Ich hatte keine Ahnung, weshalb das so war. Ihn umgab ein einziges Geheimnis, das über alle Bereiche lag und niemals wurde etwas freigegeben. Offenbar durfte niemand etwas darüber wissen.

Und dann bemerkte ich, dass auch ich etwas anders aussah, als die Freundinnen…

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…auch wenn wir unsere Ahnen nicht kennen oder so, wie bei mir, sie nicht kennen durften, sie wirken durch uns. Und das, was nicht sein darf, was versucht wird zu verheimlichen und zu unterdrücken, wirkt am stärksten. Wenn ich heute am Feuer sitze, sitzt meine Großmutter im Geiste neben mir und manchmal kann ich sie spüren…

 

 

 

Wasser

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Wasser.

Ringsum plätschert leise Wasser bis zum Horizont, wo es langsam heller wird und sich unauffällig mit dem Himmel eint. Überall schwappen kleine graue Wellen unermüdlich vor sich hin. Nirgendwo gibt es klare Grenzen und irgendwo weit hinten hat das Grau die Sonne verschluckt und will sie nicht mehr zeigen, nie mehr.

Gleichgültig dümpelt es leise. Sie dreht sich in alle Richtungen und ihre Augen treffen keinen festen Gegenstand. Nirgends, nur Wasser, Luft und schwammige Wolken. Doch! Von rechts kommt langsam ein Haus geschwommen! Es ist ein hübsches Haus, weiß getüncht mit einem roten Ziegeldach in dessen Mitte ein Schornstein steht. Etwas Rauch steigt auf, feiner weißer Rauch. Zu beiden Seiten der blau gestrichenen Tür befinden sich Fenster mit ebenso blauen Fensterläden und davor wachsen rote Geranien in Blumenkästen. Ein einfacher Holzzaun umgibt das Haus. Es ist hübsch anzusehen. So malte sie als Kind immer die Häuser.

Es steht auf einer Schilfmatte. Wie merkwürdig, dass eine einfache Schilfmatte ein ganzes Haus tragen kann, denkt sie.

Kann sie ja nicht! Die Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Immer mehr Wasser tritt durch das Schilf, die Matte sinkt, neigt sich leicht, dann schneller, mit ihr rutscht das Haus gurgelnd hinein ins Nass, tiefer, die Fensterläden und glucksend zieht das Dach Strudel nach. Kurz zischt es noch, schimmert wie Erinnerung rötlich durch die Oberfläche, dann ist alles wieder grau, still.

Totenstille.

Sie sieht nur Wasser, das in der Ferne an den Himmel reicht, dort, wo längst vergessene Sehnsüchte umhertreiben und unaufhörlich vergebens nach Erfüllung suchen.

Ihre Hoffnung sucht nach einem Halt. Langsam dreht sie sich im Kreis. Wasser, leise vor sich hinschwappend. Nichts als Wasser. Nein! Da kommt noch einmal ein Haus von rechts. Es ist ein nettes Haus mit einem roten Ziegeldach. So ein Haus wollte sie immer haben und mit Mann und Kind darin wohnen. Ein einfacher Zaun aus Holz umgibt das Haus, das auf einer Schilfmatte steht. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen, sie weiß es doch! Die Schilfmatte schaukelt leicht, Wasser tritt hindurch. Ja, sie sieht es, es sinkt, das Haus, tiefer und tiefer hinab, schräger, gluckert schneller bis es fort ist. Es war ein hübsches Haus, das da noch rötlich zu ihren Füssen schimmert. Nun ist es fort.

Doch wieder kommt ein Haus von rechts. Es steht auf einer Schilfmatte. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Es sinkt, tiefer, weiter, bis sie nur noch das rote Dach schimmern sieht. Da kommt wieder ein Haus geschwommen. Aber eine Schilfmatte kann kein ganzes Haus tragen! Und wieder kommt ein Haus von rechts. Es ist ein hübsches Haus. Langsam sinkt es unter Wasser. Und wieder, eines nach dem anderen sinkt, wieder.

Sie steht und schaut und zählt die Häuser und blickt in die Ferne, fort zum Horizont, der sich an den Himmel schließt, bemerkt einen hellen Schimmer, zieht dann ihren Blick zurück und schaut auf die Schilfmatte zu ihren Füssen. Wasser tritt schon hindurch.

 

 

Warum man sich von Gott kein Bild machen soll.

Wahrscheinkontrolle

„Mythos Frau. Und ewig lockt das Weib! Plastiken der Altsteinzeit in Hamburg“, so lautete die Schlagzeile auf dem Cover der renommierten Zeitschrift Archäologie in Deutschland (1/2017). Dieser Sexismus soll die offenbar männliche Mehrheit der Leserschaft ansprechen.  Ich bin aber eine Frau und äußerst kritische Leserin dieses Blattes. Mann stelle sich das in männlicher Form vor: „Mythos Mann. Und ewig lässt sich der Mann locken.“ Oder so ähnlich, dies vielleicht geschmückt von einem fast unbekleideten Christus am Kreuze als Ankündigung für eine Ausstellung über die Gegenwartskultur. Dann wird klar, wie unsinnig, ja unseriös eine solche Schlagzeile ist. Die unbekleideten Frauenstatuetten, die in der Hamburger Ausstellung gezeigt werden, haben es allerdings nicht aufs Titelblatt geschafft.

Die Ankündigung der aktuellen Hamburger Ausstellung „Eiszeiten“ folgt einem wohlbekannten Muster. Im Heft lautet die Überschrift dann doch etwas weniger reißerisch: „Mythos Frau – altsteinzeitliche Plastiken in Russland“. So ist auch der Artikel recht neutral gehalten und…

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…eine Art Seligkeit

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„Alle wilden Geschöpfe haben in ihren natürlichen Lebensbedingungen eine Art Seligkeit, denn sie sind wahre Ausdrucksformen des großen Unbekannten, das wir in Ermangelung eines besseren Wortes das unendliche Bewusstsein nennen wollen….In der wahnsinnigen, jubelnden Ekstase des Liebesschreis, mit der der große Vogel einsam in der Morgendämmerung über die Tannen hin nach einer Unbekannten ruft: dass er gerade so gestaltet, so durchlebt an dieser Stelle rufen kann, ist seines Lebens Schönheit, Wahrheit und Glück, wie es gleichermaßen der unvergleichliche Sprung für die Wildkatze ist, mit dem sie, ein Dämon der Anmut, ihm den Jubelruf in der Kehle durchbeißt.

Wo aber ist diese Wahrheit und Anmut, wenn der Mensch sein Geselchtes mit Bier hinunterschwemmt?“

(aus „Unfug des Lebens und des Sterbens“ von Prentice Mulford)

 

 

Hermann Hesse und sein Steppenwolf

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In meiner Jugendzeit war ich, wie viele meiner Generation, Hesse-Fan. (Hermann Hesse, Schriftsteller, 1877 – 1962) Ich scheute keine Mühe, seine Bücher irgendwie zu erborgen. Man konnte in der DDR nicht einfach in einen Buchladen gehen und ein Buch von Hermann Hesse kaufen, gab es nicht, wie anderes auch. In den Bibliotheken gab es lange Wartelisten auf seine Bücher. Und ich kann mir gut vorstellen, dass alle, die auf einer solchen Namensliste standen, von der Stasi als verdächtig erfasst wurden. Hermann Hesse war ein Westschriftsteller!

Später kamen andere Themen in mein Leben, andere Literatur, Vorhaben, Interessengebieten und schließlich vergaß ich meinen einst so geliebten Autor. Vor einigen Jahren fiel er mir wieder ein. Das muss ich unbedingt noch einmal lesen! Aus einer dunklen Ecke zog ich den verstaubten „Narziss und Goldmund“ hervor und dachte, es ist eine Schande, den Hesse so zu vergessen. Mit den besten Erinerungen und höchsten Erwartungen versenkte ich mich in die Lektüre. Das war ein Fehler. Die Sprache ein Genuss, seine Naturschilderungen unübertroffen…aber schrecklich langweilig der Inhalt.

Gut, dachte ich, und kaufte mir das Kultbuch der 60er Jahre „Steppenwolf“. Ich glaubte, mich so halbwegs an den Inhalt erinnern zu können und fand es sehr spannend, mich noch einmal dahinein zu vertiefen. Doch mit fortschreitender Lektüre wuchs mein Unverständnis. Ich verstand mich selbst nicht mehr. Was hatte ich an diesem Buch finden können?

Mir begegnet ein alter Mann, depressiv, selbstmordgefährdet, an der Gesellschaft und an sich verzweifelnd, der mit seinem Leben offenbar nichts Schönes mehr anzufangen weiß. Ausgerechnet für ihn interessiert sich eine Frau, die hat, was er entbehrt. Sie ist jung, attraktiv, geistreich, voller Elan und Initiative. Und ausgerechnet sie will ihn wieder zurück ins Leben begleiten? BUFF! Das glaub ich nicht, denn der Alte ist ja nicht einmal reich. Sie wird ihm dann zur Mutter, animiert sein Sexleben und ist kluge Gesprächspartnerin und macht ihm das Leben wieder schmackhaft, wie Wunder.

Welche Phantasien hat der gute Hesse da ausgelebt? Natürlich seine eigenen. Peinlich, peinlich. Und dafür erhielt er unter anderem den Nobelpreis? Die den vergaben waren mit Sicherheit auch alles ältere Herren, die sich gut in die Situation des alternden Hesse hineinversetzen konnten und deren Sehnsüchte die gleichen waren: „Möge sich doch eine junge, attraktive Frau für mich interessieren und mich retten!“ Äußerst peinlich! Auf die Idee, sich selber mal beim Schopfe zu packen und sein Leben, seine Anschauungen zu ändern, kommt er nicht. So viel Nabelschau, so viel Selbstmitleid verdient keinen Beifall.

Wahrscheinlich hatten wir Jungen damals den Hesse falsch verstanden, denkt es in mir. Zum Glück. Oder sollten sich alle Fans mit einem alternden in Selbstmitleid schwelgenden Mann identifiziert haben?  Das scheint mir unwahrscheinlich. Dann schon eher mit Hermine…ja!…wir wollten alle Hermine sein, klug, schön, jung, tatkräftig, phantasievoll, weiblich und mitfühlend mit allen Alten, Depressiven, Suizidgefährdeten, Alkoholikern. Das ist doch schön!

 

 

 

 

 

Die Meditierende

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Es tut gut zu meditieren, denkt sie, während sie ihre schmerzenden Beine reibt. Wenn nur die Durchblutung nicht immer stocken würde, wenn im Geiste die Stille einkehrt. Seit sie jeden Morgen vor drei Monaten in die Stille geht, ist sie viel friedlicher, ausgeglichener, ja, auf jeden Fall. Sie fühlt förmlich die Liebe zu allen Menschen in sich. Das macht sie glücklich, das macht sie gut.

Das Gefühl von tausenden Ameisen, die in ihren Beinen hin und her laufen wird langsam schwächer, so dass sie vorsichtig versucht aufzustehen. Heute meditieren die Fortschrittlichen, denkt sie, die, die an sich arbeiten, die ihren Geist entwickeln wollen und ihre Persönlichkeit.

Ja, sie ist viel ruhiger, seit sie meditiert. Überhaupt ist Frieden in ihr Gemüt eingekehrt. Es war ein Glücksfall, dass sie die esoterische Zeitschrift entdeckte und die guten Buchempfehlungen darin. Jetzt liest sie. Plötzlich verspürt sie einen Hunger nach Bildung und plötzlich weiß sie auch, weshalb sie lebt. Sie strebt nun nach der allumfassenden Liebe, das ist ihr klar geworden. Und sie fühlt sich mehr und mehr  richtig von Liebe beherrscht, durch und durch. Küssen könnte sie alle Menschen!

Das spüren auch die Arbeitskollegen. Neulich sagte einer hinter ihrem Rücken, dass sie freundlicher geworden sei. Sie kocht ja nun auch immer den Kaffee für alle und wäscht hinterher die schmutzigen Tassen ab, freiwillig. Sogar die von Albert, den sie nicht leiden kann. Zuerst kostete es sie Überwindung, doch dann wurde ihr innerer Widerstand schwächer und schwächer. Heute tut sie es gern. Auch Albert ist ein Mensch, auch er wird sein Päckchen zu tragen haben. Und nicht jeder hat die Kraft und die Reife, so an hart sich zu arbeiten, wie sie.

Ja, innere Schwäche kann man niemanden vorwerfen, Charakterschwäche ist angeboren. Auch wenn vor Gott alle Menschen gleich sind, so gibt es doch die, welche nach Licht und Liebe streben und eben die anderen, die materiell ausgerichtet sind. Materielle Dinge interessieren sie zum Glück nicht. Geld ist ihr völlig egal, ja, sie könnte ganz ohne Geld leben, das würde ihr nichts ausmachen. So wie Jesus in die Wüste gehen und beten, nur beten und weiter nichts. Das muss herrlich sein, so herrlich befriedigend, sich völlig dem Gebet und Gott hinzugeben. Glücklicherweise gehört sie zu denen, die sich entwickeln wollen. Darauf ist sie heimlich stolz. Das kann sie auch, denkt sie und greift zu ihrem neuesten Buch über die Entwicklung von Geist und Gefühl.

„Im Verzeihen liegt eine große Kraft“, liest sie und denkt, das würde der Christiane auch mal gut tun, wenn sie solch wertvolle Literatur lesen würde. Aber die ist ja völlig uninteressiert und dumm, die würde das sowieso nicht verstehen. Wenn die nicht so unwillig wäre, dann hätten sie ein gutes Verhältnis, das wäre sicher, sie wäre jedenfalls daran interessiert. Aber die blöde Kuh denkt ja nicht daran, sich freundlich und fair zu verhalten. Das war schon immer so. Schon als Kind hat sie sich immer das größte Stück Kuchen genommen, rücksichtslos und egoistisch.

Und später dann das Erbe. Hat sie sich doch eingeschmeichelt beim Onkel Manfred, ihn gepflegt bis sie nicht mehr konnte und das nur wegen seinem Geld. Ganz dünn ist sie in dieser Zeit geworden und übernächtigt, aber sie musste es ja unbedingt tun. Das Geld hat sie dann auch bekommen natürlich, sein ganzes Erbe, sie ganz allein. Und abgegeben davon hat sie keinen Pfifferling, die alte Geizhälsin, dabei hat die eh schon genug. Die interessiert das ja nicht. Das Geld ist ihr ja völlig egal, doch widerlich ist es trotzdem, dass Christiane so hinter dem Geld her ist. Sie mag solche Charaktere nicht, prallgefüllt mit Falschheit und ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedacht.

Na, das wird sie schon zurückbekommen eines Tages. Für alle Taten gibt es einen Ausgleich, das weiß sie aus den Büchern. Da muss sie sich keine Sorgen machen. Eines Tage wird sie vom großen Unglück ihrer Schwester erfahren, dann ist ihr vielleicht das Haus abgebrannt oder einer hat bei ihr eingebrochen und alles ausgeraubt. Das ist gut möglich. So etwas passiert. Was sie verdient hat, hat sie verdient. Ja so ist das. Sie hätte da kein Mitleid. Ihr wäre das piepschnurzegal.

Aber meistens haben ja die Dummen und Gemeinen Glück, denkt es in ihr. Sicherlich wird gar nichts passieren, sicherlich wird es der Christiane immer gut gehen, die fällt immer irgendwie auf die Füße. Das Leben ist eben ungerecht. Aber sie trägt es tapfer, ihr Schicksal. Starke Charaktere wie sie werden eben durch schwere Leben auf die Probe gestellt. So muss sie hart arbeiten für das, was sie hat, während anderen wie ihrer Schwester der Rahm des Glücks von alleine zufließt. Und die denken nur an sich. Wenn sie könnten würden sie ihr noch das bisschen nehmen, das sie hat. Solche Menschen müsste man einsperren, verbieten, massakrieren. Denen sollte man es mal zeigen! Man müsste die Menschheit vor solche bewahren. Umbringen, ja, wenn sie es genau betrachtet, sollte man sie…und plötzlich fährt ihr ein wohliger Schauer durch den Körper….ahhh, wie gut das tut!

Noch einmal zu Rumpelstilzchen…

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Ich hatte natürlich im Netz nach der Deutung des Märchens geschaut. Was fand ich? Dies Märchen sei ein Ausdruck für die Emanzipation der Frau. Das rief große Verblüffung meinerseits hervor. Während die Deuter nicht müde wurden, dem armen Rumpelstilzchen einen hässlichen und boshaften Charakter anzuhängen, was aus dem Märchen selber gar nicht hervorgeht, erkannten sie gleichzeitig, wie die arme Müllerstochter sich zu einer emanzipierten Frau entwickelt. Der Beweis sei, dass sie ein Kind bekommt. Jede Menge Fragezeichen blinkten in meinem Hirn auf.

Das arme Müllersmädchen wird durch die prahlerische Rede, durch Lügen und Gier zweier geachteter und in der Gesellschaft integrierter Männer in eine schlimme ausweglose Lage gebracht. Sie tritt in das Märchen als Opfer ein. Ihr Retter kommt aus dem Wald, wo er versteckt und allein lebt. (Wohl nicht ohne Grund, vielleicht hatte er keine Lust sich mit solchen Lügenbolden und Prahlhänsen abzugeben.) Er rettet das Opfer, welches danach nicht etwa ihren Retter heiratet, sondern ihren Peiniger, den gierigen Mann, der sie mit dem Tod bedroht hatte, würde sie seine Gier nicht befriedigen können. Kann eine Frau dümmer sein? Damit macht sie sich zum Kumpan des eigenen Peinigers und legalisiert ihr Opferdasein. Ich kann darin kein emanzipatorisches Verhalten erkennen.

Auch wenn man das Geschehen symbolisch betrachten mag, sie selbst hat nicht dazu beigetragen, sich zur Königin zu erheben. Von Anbeginn bis zur Heirat hat sie immer nur gejammert, geklagt und um Hilfe gebeten. Sie ist die hilflose Frau geblieben. Auch dass die Natur ihren Lauf nimmt und sie ein Kind bekommt, kann ihr nicht als besondere Leistung angerechnet werden und lässt nicht auf Emanzipation schließen. Jede Kuh, jede Katze macht das ganz unspektakulär und niemanden würde es einfallen zu sagen, sie hätte sich emanzipiert, weil sie geworfen hat.

Als  ihr Versprechen eingefordert wird, jammert sie weiter, doch da sie nun zur Königin gekürt wurde, darf sie nun auch befehlen. Das tut sie. Sie schickt ihre Diener in den Wald, um ihr zu helfen und zu tun, wozu sie selber keine Lust und kein Verlangen zeigt. Wäre es nicht ihre Aufgabe gewesen, sich zu Rumpelstilzchen zu begeben, um mit ihm zu reden und die Sache zu klären?  Aber alles, was sie kann ist, sich wegen des von ihr begangenen Fehlers zu bedauern und andere die „Kastanien“ aus dem Feuer holen zu lassen.

Ich denke, sie hat die Hilfe ihrer Bediensteten am Ende der Geschichte nicht verdient. Aus Fehlern sollte man lernen und da die Müllerstochter während der ganzen Geschichte nichts gelernt hat, fordere ich: Gebt dem Rumpelstilzchen das Kind der Königin!